Gerade mal 20 Prozent der Stimmzettel ausgezählt, aber Putin-Anhänger feiern bereits Wahlsieg

Moskau - Bei der Wahl einer neuen Staatsduma hat die Kremlpartei Geeintes Russland schon nach Auszählung der ersten Stimmen ihren Sieg in Moskau gefeiert.

Zwei Russen werfen ihre Stimmzettel in die Wahlurnen in der russsischen Botschaft in Litauen.
Zwei Russen werfen ihre Stimmzettel in die Wahlurnen in der russsischen Botschaft in Litauen.  © dpa/AP/Mindaugas Kulbis

"Rossija, Rossija!", riefen Menschen trotz Regens auf der Straße in der russischen Hauptstadt mit Fahnen der Kremlpartei am Sonntagabend. "Wir sind die Mannschaft Putins", riefen kremltreue Aktivisten.

Parteifunktionäre sagten bei einem Auftritt, dass der Kurs Wladimir Putins (68) fortgesetzt werde. Der Ausgang der Wahl sei ein "Festtag", sagte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin (63).

Nach Auszählung von über 20 Prozent der Stimmzettel kam die Kremlpartei laut Wahlkommission auf 42,9 Prozent. Die Kommunisten erhielten demnach 23 Prozent. Die rechtspopulistische Partei LDPR des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski (75) landete bei 8,8 Prozent und die Partei Gerechtes Russland bei 7,1 Prozent.

Die Parteien sind allesamt systemtreu und auch bisher schon vertreten gewesen in der Duma. Als fünfte Partei konnte sich die neue Kraft Nowyje Ljudi - auf Deutsch: Neue Leute - Hoffnung auf den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde machen. Sie kam den ersten Ergebnissen zufolge auf 6,87 Prozent.

Die ersten Ergebnisse entsprachen etwa den Prognosen, die nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht worden waren.

Wladimir Putin (68), Präsident von Russland, befindet sich derzeit in Selbstisolation.
Wladimir Putin (68), Präsident von Russland, befindet sich derzeit in Selbstisolation.  © dpa/AP/Pool Sputnik Kremlin/Alexei Druzhinin

Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission kann die Kremlpartei erneut auf eine absolute Mehrheit der Stimmen hoffen, und zwar auf 240 der 450 Plätze. Für Putin galt der Urnengang als wichtiger Stimmungstest. Die Partei, die seine Machtbasis ist, sprach von einem "Sieg".

Putin, der die Partei unterstützt hatte, kam nicht in die Wahlkampfzentrale in Moskau, weil er in Selbstisolation ist nach Kontakt mit Dutzenden Corona-Infizierten. Ihm gehe es gut, hieß es.

Auch Parteichef Dmitri Medwedew (56) trat nicht öffentlich auf. Er ließ sich nach Parteiangaben wegen eines "schweren Hustens" entschuldigen.

Update, 22.55 Uhr: Opposition wirft Kremlpartei Wahlbetrug vor

Nach der Parlamentswahl in Russland hat die Opposition um den inhaftierten Regierungskritiker Alexej Nawalny (45) der Kremlpartei Geeintes Russland Wahlbetrug vorgeworfen.

Sie fühle sich an die Abstimmung von 2011 erinnert, als "uns die Wahl gestohlen wurde", schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch (31) am Sonntagabend auf Twitter. "Es ist unmöglich, sich damit abzufinden." Der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow (40) meinte: "Diese Wahlen sind schmutziger als die von 2011 - viel schmutziger."

Wolkow kritisierte zugleich, dass in der Hauptstadt Moskau auch mehrere Stunden nach Schließung der Wahllokale die Ergebnisse der Online-Abstimmung noch nicht veröffentlicht wurden - für andere Regionen hatte die Wahlkommission die Ergebnisse veröffentlicht. "Offensicht warten sie ab, dass sie die Zahlen anpassen können", meinte das Nawalny-Team.

Das Team des Oppositionellen hatte zur Protestwahl gegen Geeintes Russland aufgerufen. Die Wähler sollten demnach den aussichtsreichsten Kandidaten wählen - nur nicht den der Kremlpartei, um so ihr Machtmonopol zu brechen.

Wolkow teilte mit, dass die "schlaue Abstimmung" in einzelnen Regionen Erfolg gehabt habe.

Titelfoto: Montage: dpa/AP/Mindaugas Kulbis, dpa/AP/Pool Sputnik Kremlin/Alexei Druzhinin

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