Russland-Wahl: Kremlpartei büßt in Jakutien enorm ein! Gegner der Kremlpartei wittern Unregelmäßigkeiten

Moskau – Bei der Parlamentswahl in Russland hat die Kremlpartei Geeintes Russland in der fernöstlichen Region Jakutien ihre Mehrheit eingebüßt.

Ein Mann gibt seine Stimme in einem Wahllokal während der Parlamentswahlen ab. Geeintes Russland landete mit rund 33 Prozent nur noch auf dem zweiten Platz.
Ein Mann gibt seine Stimme in einem Wahllokal während der Parlamentswahlen ab. Geeintes Russland landete mit rund 33 Prozent nur noch auf dem zweiten Platz.  © Pavel Golovkin/AP/dpa

In der Teilrepublik im Osten Sibiriens, in der seit Monaten verheerende Waldbrände wüten, stimmten rund 35 Prozent der Menschen für die Kommunisten.

Die Partei verzeichnete damit einen Zuwachs von fast 20 Prozentpunkten im Vergleich zur Dumawahl vor fünf Jahren, wie aus Veröffentlichungen der Wahlkommission hervorgeht.

Geeintes Russland landete mit rund 33 Prozent nur noch auf dem zweiten Platz.

Wegen der Schäden durch die Brände ist die Unzufriedenheit der Menschen auch mit den Behörden und der Politik von Geeintes Russland in Jakutien besonders groß.

Vertreter der Kremlpartei, die den Kurs von Präsident Wladimir Putin (68) unterstützt, beantragten Angaben der jakutischen Wahlkommission zufolge eine Überprüfung der Stimmauszählung. Das werde voraussichtlich Mitte der Woche geschehen, sagte der Vorsitzende der Kommission, Jewgeni Fjedorow (58), laut Agentur Interfax.

Russlandweit lag Geeintes Russland klar vorn. Nach Auszählung von rund zwei Dritteln der Stimmen kam die Partei am Montagmorgen auf mehr als 48 Prozent. Die Opposition wirft dem Machtapparat weitreichende Manipulationen vor.

Bei der Auszählung der Stimmen zur Parlamentswahl in Russland haben Gegner der Kremlpartei und Beobachter indes Unregelmäßigkeiten in der Hauptstadt Moskau beklagt.

Parteiloser Kandidat Michail Lobanow wittert Fälschungsversuch

Ein Archivbild von Alexej Nawalny (45). Der inhaftierte Oppositionsführer wird von Michail Lobanow unterstützt.
Ein Archivbild von Alexej Nawalny (45). Der inhaftierte Oppositionsführer wird von Michail Lobanow unterstützt.  © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Auch mehr als zwölf Stunden nach Schließung der Wahllokale gab es am Montagmorgen keine Ergebnisse der Online-Abstimmung für die Staatsduma.

"Wir sind überzeugt, dass die Stimmen der elektronischen Abstimmung noch nicht veröffentlicht sind, weil sie so die Wahlen fälschen wollen", teilte der parteilose Kandidat Michail Lobanow mit.

Der Hochschullehrer und sein Stab kündigten an, um jede Stimme zu kämpfen.

Auch Medien in der Hauptstadt wunderten sich, dass Stimmzettel von Hand schneller ausgezählt wurden als die der Online-Abstimmung. Die Wahllokale hatten am Sonntag um 20 Uhr (19 Uhr MESZ) geschlossen. Aus anderen Teilen des Landes waren die Ergebnisse der Online-Abstimmung wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht worden.

Lobanow hatte sich von den Kommunisten aufstellen lassen und wurde auch von der zur Wahl nicht zugelassenen Opposition um den inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny (45) unterstützt. Nawalnys Team kritisierte Unregelmäßigkeiten und Verzögerungen bei der Auszählung. Die Opposition hatte zur Protestwahl gegen die Kremlpartei Geeintes Russland aufgerufen.

Laut ersten Ergebnissen lagen in einigen Wahlkreisen in Moskau andere Direktkandidaten als die der Kremlpartei vorn. Nawalnys Unterstützer befürchteten, dass mit einer späten Veröffentlichung der Ergebnisse der Online-Abstimmung dann am Ende der Bewerber der Kremlpartei durchgesetzt werden soll.

Nach ersten Auszählungen hat die Kremlpartei Geeintes Russland die Wahl wie erwartet gewonnen.

Titelfoto: Pavel Golovkin/AP/dpa

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