Amokfahrt in Berlin: Mutmaßlich islamistischer Attentäter machte "Jagd" auf Motorradfahrer

Berlin - Der mutmaßliche Anschlag auf der Berliner Stadtautobahn war nach Einschätzung der Behörden islamistisch motiviert. "Nach jetzigem Stand der Erkenntnisse gehen wir von einem islamistischen Anschlag aus", sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch.

Ein kaputtes Auto und ein zerstörtes Motorrad stehen auf der Berliner Stadtautobahn A100.
Ein kaputtes Auto und ein zerstörtes Motorrad stehen auf der Berliner Stadtautobahn A100.  © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Es gibt aber auch "Hinweise auf eine psychische Labilität", wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei gemeinsam mitteilten.

Der Angreifer habe am Dienstagabend mit seinem Auto "quasi Jagd" auf Motorradfahrer gemacht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. 

Der krasse Ausdruck sei angemessen. Betroffen seien zwei Motorradfahrer und ein Rollerfahrer. Die Motorradfahrer und ein Auto seien gerammt worden, ein weiterer Wagen gestreift worden. Die Kollisionen seien als gezielte Anschläge zu werten. 

Sechs Menschen wurden verletzt, drei davon schwer. Ein Motorradfahrer habe schwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule erlitten.

Als Täter festgenommen wurde ein 30-jähriger Iraker, der laut Staatsanwaltschaft in Deutschland geduldet wird. Er hatte die Crashs am Dienstagabend gegen 18.30 Uhr an drei Stellen auf der Stadtautobahn am südwestlichen Rand der Innenstadt verursacht. Ob weitere Personen in den Anschlag verwickelt gewesen seien, werde untersucht, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Wir werden jeden Stein umdrehen."

Gegen den Iraker werde wegen versuchten Mordes in mehreren Fällen ermittelt, sagte er weiter. Die Zusammenstöße seien absichtlich verursacht worden. "Aufgrund der Umstände gehen wir nicht von einem zufälligen Unfallgeschehen aus."

Die Kollisionen des Autofahrers mit anderen Fahrzeugen seien als vorsätzliche Angriffe zu werten, hieß es in der Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei. "Es handelt sich nach dem derzeitigen Ermittlungsstand um gezielte Angriffe vor allem auf Motorradfahrer mit zum Teil schwerwiegenden Folgen. Äußerungen des Beschuldigten nach seinen Tathandlungen legen eine religiös-islamistische Motivation nahe."

Iraker soll mit Gefährder in Kontakt gestanden haben

Ermittler arbeiten auf der Berliner Stadtautobahn A100 in Höhe der Ausfahrt Alboinstraße.
Ermittler arbeiten auf der Berliner Stadtautobahn A100 in Höhe der Ausfahrt Alboinstraße.  © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Innensenator Geisel sagte dazu: "Wenn ein Auto gezielt auf Motorradfahrer auffährt, haben diese keine Chance." Unbeteiligte Menschen seien "aus dem Nichts heraus Opfer einer Straftat geworden". Unter den drei Schwerverletzten sei auch ein Feuerwehrmann, der auf dem Heimweg war. 

"Die gestrigen Ereignisse zeigen uns sehr schmerzhaft, wie verletzlich unsere freie Gesellschaft ist." Berlin stehe "weiterhin im Fokus des islamistischen Terrorismus".

Laut Polizei hatte der Verdächtige eine vermeintliche Munitionskiste dabei. Als er gestoppt wurde, habe er angekündigt, in der Kiste befände sich ein "gefährlicher Gegenstand", hatte eine Polizeisprecherin gesagt. Das bewahrheitete sich nicht: Die Kiste enthielt nach Angaben der Polizei lediglich Werkzeug. Sprengstoffspuren seien im Auto nicht gefunden worden.

Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sahen Generalstaatsanwaltschaft Berlin und Polizei am Mittwoch nicht. 

Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass der Iraker in Kontakt gestanden habe zu einem als Gefährder bekannten Islamisten. Beide sollen im vergangenen Jahr vier Monate lang in der gleichen Flüchtlingsunterkunft gewohnt haben.

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, der Gefährder werde dem Spektrum der Terrormiliz Islamischer Staat zugeordnet. Die unter anderem für Terrorismus zuständige Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ließ sich über die Entwicklungen in Berlin informieren.

"Wir stehen im ständigen engen Austausch mit den ermittelnden Behörden in Berlin", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Der 30-Jährige sollte einem Haftrichter vorgeführt werden, der über den Erlass eines Haftbefehls wegen versuchten Mordes entscheiden sollte. Eine Ermittlungsgruppe "Motorrad" wurde gegründet. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelt.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

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