Anschlag in Wien: Eröffnete der Terrorist ausgerechnet wegen SMS der Polizei das Feuer?

Wien - Es wäre ein fataler Irrtum. Am Abend des 2. November 2020 eröffnete der IS-Sympathisant Kujtim Fejzulai (20) das Feuer in der Wiener Innenstadt. Sein Plan, einen Anschlag mit islamistischen Hintergrund durchzuführen, stand wohl schon eine Weile. Doch zog er sein grausiges Vorhaben aufgrund eines Missverständnisses etwa außerplanmäßig vor?

Die Polizei in Wien sicherte nach dem Anschlag den Bereich des Tatortes und weite Teile der Wiener Innenstadt ab.
Die Polizei in Wien sicherte nach dem Anschlag den Bereich des Tatortes und weite Teile der Wiener Innenstadt ab.  © Matthias Schrader/AP/dpa

Es waren die letzten neun Minuten im Leben des 20 Jahre alten "Soldaten des Kalifats", wie ihn der IS im Anschluss an die abscheuliche Tat betitelte. Um 20.09 Uhr erschoss die Polizei Fejzulai dann.

Im Laufe der Ermittlungen kristallisiert sich laut der österreichischen Kronen Zeitung heraus, dass vielleicht ausgerechnet eine SMS der Landespolizeidirektion den 20-Jährigen verfrüht zu seiner Tat trieb.

Unter Berufung des Nationalrates soll der Täter am 31. Oktober bei der Polizei angerufen haben, da es wohl im Gemeindehaus einen Einbruch gegeben habe.

Die Beamten nahmen den Vorfall schließlich zunächst routinemäßig auf.

Pikant dabei: Fejzulai rief an jenem 31. Oktober mit seinem Mobiltelefon bei der Polizei an. In Österreich wiederum zieht ein solcher Fall eine gesetzlich geregelte Standortbestimmung des Anrufers nach sich. Der Standort wird der Polizei gemeldet.

Aus rechtlichen Gründen muss der Anrufer dann darüber informiert werden, dass sein Standort im Zuge der Aufnahme getrackt wurde.

Fürchtete Kujtim Fejzulai eine Wohnungsdurchsuchung?

Die Bürger der Stadt waren nach dem Anschlag in tiefer Trauer.
Die Bürger der Stadt waren nach dem Anschlag in tiefer Trauer.  © Matthias Schrader/AP/dpa

So soll der Täter demnach am 2. November gegen 16.45 Uhr dann eine Nachricht auf sein Mobiltelefon bekommen haben. In der SMS stand geschrieben: "Ihre Rufnummer wurde im Zuge eines Notfalls lokalisiert und die Standortdaten an die Leitstelle LPD Wien übermittelt."

Möglicherweise hatte Fejzulai schließlich kalte Füße bekommen. Die Munition für seine grausige Tat hatte er bereits, der Plan zur Durchführung der Tat war wohl schon im Endstadium.

Man spekuliert nun, ob er aufgrund der SMS der Landespolizeidirektion Wien seine Tat entsprechend vorzog und etwas über drei Stunden nach dieser dann das Feuer eröffnete.

Möglicherweise wähnte er sich aufgrund seines Vorhabens im Visier der Beamten, fürchtete die Durchsuchung seiner Räumlichkeiten.

Im Zeitraum zwischen 20 und 20.09 Uhr erschoss der 20-Jährige schließlich vier Menschen, verletzte 22 weitere zum teil schwer, ehe ihn die Polizei tötete. 

Titelfoto: Matthias Schrader/AP/dpa

Mehr zum Thema Terror:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0