Nach Terror-Anschlag in Wien: Durchsuchungen in Deutschland

Wiesbaden - Sicherheitskräfte haben am Freitagmorgen in Deutschland mit Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem islamistischen Anschlag von Wien begonnen.

Polizisten stehen im Rahmen einer Durchsuchung vor einem Wohnhaus in Osnabrück in Niedersachsen.
Polizisten stehen im Rahmen einer Durchsuchung vor einem Wohnhaus in Osnabrück in Niedersachsen.  © Festim Beqiri/TV7News/dpa

Es würden Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein durchsucht, teilte das Bundeskriminalamt bei Twitter mit.

Die vier Personen seien nicht tatverdächtig, es solle aber Verbindungen zu dem mutmaßlichen Attentäter gegeben haben.

Die Durchsuchungen fanden laut BKA-Angaben in Osnabrück, Kassel und im Kreis Pinneberg bei Hamburg statt.

Die Durchsuchungsbeschlüsse seien am Donnerstag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erwirkt worden. Zuvor habe die österreichische Justiz entsprechende Erkenntnisse an deutsche Behörden übermittelt, hieß es.

In der Innenstadt von Wien hatte am Montagabend ein 20-jähriger Mann mit einem Sturmgewehr auf Menschen in einem Vergnügungsviertel der Stadt geschossen (TAG24 berichtete). Vier Menschen, darunter eine Deutsche, kamen dabei ums Leben. Mehr als 20 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Er soll ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen sein. Nach Überzeugung der Ermittler gehörte er einem radikal-islamistischen Netzwerk an, das über Österreich hinausreicht.

Der Terrorangriff in Wien am Montagabend ereignete sich wenige Stunden vor Beginn des teilweisen Corona-Lockdowns in Österreich. Nach Augenzeugenberichten feuerte der Täter wahllos in mehrere Lokale.

Update, 8.07 Uhr: Treffen mit dem Wien-Attentäter im Juli

Zwei der vier Personen, deren Wohnungen am Freitagmorgen durchsucht wurden, sollen den Attentäter von Wien vor wenigen Monaten in der österreichischen Hauptstadt getroffen haben. Das Treffen soll im Juli stattgefunden haben, wie der Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte.

Die dritte Person soll demnach übers Internet mit dem Attentäter in Kontakt gestanden haben. Die vierte Person soll mit den Kontaktpersonen des Attentäters über das Internet kommuniziert haben.

Alle vier seien nicht tatverdächtig. Die Durchsuchungen dienten lediglich der Sicherstellung möglicher Beweismittel. Festnahmen habe es keine gegeben.

Ein Polizeiwagen steht im Rahmen einer Durchsuchung in einer Straße in Osnabrück.
Ein Polizeiwagen steht im Rahmen einer Durchsuchung in einer Straße in Osnabrück.  © Festim Beqiri/TV7News/dpa

Update, 10.35 Uhr: Polizei-Aktion diente der Sicherung möglicher Beweismittel

Der Mann aus Schleswig-Holstein ist nach Informationen des "Spiegel" einschlägig aktenkundig und soll mit seiner Familie früher in Wien gelebt haben. Wegen eines fehlgeschlagenen Ausreiseversuchs nach Syrien mit anderen Islamisten sei er vor zwei Jahren vom Hamburger Landgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Anlass für die Durchsuchungen, die um 6 Uhr morgens begannen, waren laut Bundesanwaltschaft und BKA Erkenntnisse, "die von der österreichischen Justiz an die deutschen Strafverfolgungsbehörden übermittelt worden waren". Daraufhin seien am Donnerstag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt worden. Dabei sei es lediglich um die Sicherstellung möglicher Beweismittel gegangen.

Nach dpa-Informationen werden die vier Männer bislang als Zeugen geführt. Es seien hauptsächlich Kommunikationsmittel beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden müssten.

Die Bundesanwaltschaft führt nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit dem Wiener Anschlag vom 2. November ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.

Update, 15.13 Uhr: Wohnung von 18-jährigem Schüler in Bremen durchsucht

Die Polizei Bremen durchsuchte heute die Wohnräume eines 18-jährigen Bremer Schülers. Gegen ihn lagen polizeiliche Erkenntnisse im Zusammenhang mit einer islamistisch-salafistischen Radikalisierung seiner Person sowie zu intensiven Kontakten zu weiteren Personen mit ähnlichem Hintergrund in Deutschland vor.

Bei der Durchsuchung wurden verschiedene Datenträger sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Die Aktion fand zeitgleich und eng abgestimmt mit den Durchsuchungen des Bundeskriminalamtes in Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegen Kontaktpersonen des Bremers statt."

Titelfoto: Festim Beqiri/TV7News/dpa

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