Attentäter von Wien täuschte alle und erwartete sich vom IS ein besseres Leben

Wien - Nach dem tödlichen Anschlag in Wien werden mehr und mehr Details über den Attentäter öffentlich: Den Behörden war er schon länger bekannt. 

Bewaffnete Polizisten patrouillieren am frühen Morgen auf einer abgesperrten Straße nach einem Schusswechsel im Stadtzentrum.
Bewaffnete Polizisten patrouillieren am frühen Morgen auf einer abgesperrten Straße nach einem Schusswechsel im Stadtzentrum.  © Ronald Zak/AP/dpa

Der Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln hatte mutmaßlich am Montagabend in Wien nahe der Hauptsynagoge um sich geschossen und dabei mindestens vier Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Er wurde später von der Polizei erschossen.

Der ehemalige Anwalt des jungen Mannes Nikolaus Rast sagte am Dienstag, der junge Mann stamme aus einer völlig normalen Familie. 

"Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten", so der Strafverteidiger gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Seit Jahren sympathisierte der 20-Jährige mit der Terrormiliz Islamischer Staat IS und war bereit, für sie in den Kampf zu ziehen.

Im Vorjahr musste sich der Wiener dann wegen seiner IS-Mitgliedschaft vor Gericht verantworten. Nach Medienberichten hatte sich seine eigene Mutter an die Behörden gewandt. 

Er wurde damals zu 22 Monaten Haft verurteilt, nahm an einem Deradikalisierungsprogramm teil und wurde wegen günstiger Prognose vorzeitig entlassen. Er habe alle getäuscht, so Rast.

Attentäter erarbeitete sich Flugtickets mit einem Sommerjob

Sebastian Kurz (ÖVP,M), Bundeskanzler von Österreich, nimmt mit weiteren hochrangigen Regierungsmitgliedern an einer Kranzniederlegung am Tatort nach dem Terroranschlag teil.
Sebastian Kurz (ÖVP,M), Bundeskanzler von Österreich, nimmt mit weiteren hochrangigen Regierungsmitgliedern an einer Kranzniederlegung am Tatort nach dem Terroranschlag teil.  © Arno Melicharek/BKA/APA/dpa

Im April 2019 gab der mutmaßliche Terrorist vor dem Wiener Landgericht an, dass er sich in seinem Leben nie benachteiligt gefühlt hatte. Während der Pubertät begann er sich mit dem Islam zu beschäftigen, wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtete, die den Gerichtsprozess damals verfolgte.

Ende 2016 sei er nach eigenen Aussagen in die "falsche Moschee" geraten. Seine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter, Streit mit der Mutter gab es immer öfter. "Ich wollte weg von zu Hause", erzählt der Mann vor Gericht. Vom IS habe er sich ein besseres Leben erwartet. "Eine eigene Wohnung, eigenes Einkommen."

Eine Reise nach Kabul zum IS mit einem Freund scheiterte, weil die jungen Männer zu spät bemerkten, dass sie ein Visum für Afghanistan benötigten. Das Geld für das Flugticket erarbeitete er sich bei einem Sommerjob. Im September 2018 brach der mutmaßliche Terrorist alleine in die Türkei auf. Von dort wollte er nach Syrien, um für den IS zu kämpfen. Über den Messengerdienst Telegram verbreitete er Propaganda der Terrormiliz, wie die Tageszeitung "Heute" berichtete.

Zwei Tage nach seiner Ankunft in der Türkei nahmen ihn türkische Polizisten in einem sogenannten Safehouse, das sein Anwalt als "Rattenloch" ohne Dusche, Toilette und fließendes Wasser bezeichnete, fest. Er saß vier Monate dort in Haft, ehe er nach Österreich überstellt wurde. Ende vergangenen Jahres war er von den Behörden scheinbar als nicht mehr gefährlich eingestuft und so frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. 

Titelfoto: Ronald Zak/AP/dpa

Mehr zum Thema Terror:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0