Behörden nehmen nach Anschlagsplanung 9/11-Terrorzelle wieder ins Visier

Hamburg - 20 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nehmen die Sicherheitsbehörden die Szene um die damalige Hamburger Terrorzelle wieder verstärkt ins Visier.

Am 11. September 2001 steuerten islamistische Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Tausende Menschen kamen ums Leben. (Archivfoto)
Am 11. September 2001 steuerten islamistische Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Tausende Menschen kamen ums Leben. (Archivfoto)  © Richard Drew/AP/dpa

Grund ist die Festnahme eines 20 Jahre alten Deutsch-Marokkaners Ende August, der einen schweren Anschlag geplant haben soll.

Zwar stehe man der islamistischen Szene in Hamburg schon seit 2001 "ziemlich auf den Füßen", sagte Innensenator Andy Grote (53, SPD) der Deutschen Presse-Agentur, trotzdem seien die konkreten Anschlagsvorbereitungen noch einmal Anlass, "auf die Generation von 9/11" zu schauen. "Väter von denen sind ja noch da - wie der Vater des Beschuldigten und andere auch."

Die Festnahme des Deutsch-Marokkaners war erst Anfang Dezember bekannt geworden. Er ist der Sohn eines Mitverantwortlichen der Al-Quds-Moschee, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Angehörigen der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hatten.

Der 20-Jährige hatte sich den Ermittlungen zufolge bereits die nötigen Bestandteile zum Bau einer Bombe beschafft. Beim Versuch, sich im Darknet eine Pistole und eine Handgranate zu kaufen, war er den Behörden aufgefallen und verhaftet worden.

"Er ist als Islamist aufgewachsen. Er ist in diese Szene hineingeboren und dort großgezogen geworden", sagte Grote. Auch die nächste Generation müsse man sich deshalb genau anschauen. "Gibt es dort noch Personen, die wir bislang nicht auf dem Schirm hatten?"

Andy Grote nach Anschlagsplanung in Hamburg: "Natürlich alarmiert es uns"

Andy Grote (53, SPD), Senator für Inneres und Sport in Hamburg, gibt in seinem Büro ein Interview. Die Hamburger Behörden nehmen die 9/11-Terrorzelle wieder ins Visier.
Andy Grote (53, SPD), Senator für Inneres und Sport in Hamburg, gibt in seinem Büro ein Interview. Die Hamburger Behörden nehmen die 9/11-Terrorzelle wieder ins Visier.  © Marcus Brandt/dpa

Das Landesamt für Verfassungsschutz rechnet der islamistischen Szene in Hamburg 1650 Anhänger zu, davon gelten 1130 als gewaltorientiert, darunter auch 268 sogenannte Dschihadisten.

Gerade in der salafistischen Szene sei die Gewaltbereitschaft hoch, sagte Grote. "Dieser Szene ordnen wir auch den Beschuldigten in dem aktuellen Verfahren zu. Inwieweit er jetzt in ein größeres Netzwerk eingebunden war, können wir noch nicht sagen."

Zumindest habe er zahlreiche Kontakte in der Szene gehabt, auch hochrangige. Ob die von seinen Planungen wussten, dazu gebe es noch keine Erkenntnisse.

"Natürlich alarmiert es uns, wenn wir jemanden mit so konkreten Anschlagsplanungen finden, der so klare Bezüge und Kontakte in verschiedene Generationen von militanten Islamisten in unserer Stadt hat", sagte Grote.

Zwar wisse man noch nicht, ob der Anschlag in Hamburg stattfinden sollte. "Aber er ist auf jeden Fall in Hamburg vorbereitet worden, und zwar so konkret, wie wir es sehr lange nicht mehr gehabt haben."

20-jähriger Deutsch-Marokkaner wurde von der Hamburger Polizei verhaftet

Ende August nahm die Hamburger Polizei einen 20-Jährigen fest, der einen schweren Anschlag geplant haben soll. (Symbolfoto)
Ende August nahm die Hamburger Polizei einen 20-Jährigen fest, der einen schweren Anschlag geplant haben soll. (Symbolfoto)  © Jonas Walzberg/dpa

Der junge Mann war bei dem Versuch, Waffen zu kaufen, an einen verdeckten Ermittler geraten. Auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Hamburg sollte er die Waffe erhalten. Dort wurde er dann verhaftet.

Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Rahlstedt waren nach Angaben der Behörden Chemikalien für den Bau eines Sprengsatzes gefunden worden, darunter ein Kilogramm Kaliumnitrat, ein Kilogramm Schwefel und ein halbes Kilo Holzkohlestaub sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern.

Nach Polizeiangaben hätte eine solche Bombe "erhebliche oder sogar tödliche Verletzungen" verursachen können. Dem 20-Jährigen werden die versuchte Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der versuchte Erwerb einer Kriegswaffe vorgeworfen.

2016 war die Familie den Erkenntnissen zufolge von Hamburg-Billstedt nach Marokko gezogen, wo der jetzt Festgenommene seinen Schulabschluss machte. Im Herbst vergangenen Jahres kehrte er nach Deutschland zurück und nahm an einem Studienkolleg in Wismar teil.

Zeugen hätten ihn als introvertierten Einzelgänger beschrieben, der regelmäßig die Moschee besuchte und nicht mit Frauen sprach.

Titelfoto: Richard Drew/AP/dpa

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