Knast-Fluchtversuch des Halle-Attentäters! Wie konnte das passieren?

Halle (Saale) - Nach dem gescheiterten Fluchtversuch des Halle-Attentäters Stephan B. muss sich die Leitung des Gefängnisses Roter Ochse in Halle am Donnerstag im Magdeburger Justizministerium erklären.

Die Hauptanstalt der JVA in Halle (Saale), der sogenannten "Rote Ochse". Seit 11. Oktober 2019 sitzt der Todesschütze Stephan B. hier in Untersuchungshaft.
Die Hauptanstalt der JVA in Halle (Saale), der sogenannten "Rote Ochse". Seit 11. Oktober 2019 sitzt der Todesschütze Stephan B. hier in Untersuchungshaft.  © News5/Grube

Justizministerin Anne-Marie Keding (54, CDU) hatte die Gefängnisleitung am Mittwoch nach Bekanntwerden des Vorfalls am vergangenen Samstag in die Landeshauptstadt zitiert. 

Die Ministerin will von den Verantwortlichen hören, wie es zu dem Fluchtversuch in der Anstalt in Halle kommen konnte und warum sie erst am Dienstag davon erfuhr.

Das Gefängnispersonal habe ganz offensichtlich Vorschriften verletzt, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur: "Das muss Folgen haben". 

Neben einer detaillierten schriftlichen Aufarbeitung wolle sie sich den Zwischenfall zunächst persönlich erklären lassen. Den Vorfall bezeichnete die Ministerin als "furchtbar".

Auch an Keding hatte es am Mittwoch Kritik gegeben. Politiker von SPD, Grünen und Linken forderten die Ministerin auf, den Vorgang aufzuklären. 

Der Grünen-Landeschef und rechtspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Sebastian Striegel, kündigte an, das Thema im Landtag besprechen zu wollen. "Der Rechtsausschuss im Landtag Sachsen-Anhalt wird in der kommenden Woche in einer Sondersitzung den Bericht der zuständigen Ministerin dazu hören", twitterte Striegel.

Bei Stephan B. war eine Fluchtabsicht erkennbar

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 zwei Menschen erschossen, nachdem das Eindringen in eine Synagoge misslang.
Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 zwei Menschen erschossen, nachdem das Eindringen in eine Synagoge misslang.  © Uli Deck/dpa

Zuvor war bekannt geworden, dass Stephan B. am Samstag während eines Hofgangs über einen Zaun geklettert war und sich für rund fünf Minuten unbeobachtet im Gefängnis bewegt hatte (TAG24 berichtete). 

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers war eine Fluchtabsicht erkennbar.

Der Mann hatte am 9. Oktober 2019 - am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur - schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Er schoss auf eine Holztür und warf Sprengsätze.

Als er es nicht schaffte, in die Synagoge zu gelangen, erschoss er auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20-jährigen Mann.

Titelfoto: Bildmontage: NEWS5/Grube, Uli Deck/dpa

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