Prozess gegen Halle-Attentäter: Hatte er die Tat lange im Voraus geplant?

Halle (Saale) - Am morgigen Dienstag soll der Prozess gegen Stephan B., den mutmaßlichen Attentäter von Halle, starten. Zusammen mit Extremismus-Experte Dr. Florian Hartleb hat sich "Kripo live" nun dem Fall noch einmal gewidmet. Gleichzeitig gab es auch Neuigkeiten aus Halle.

Die Eingangstür der Synagoge in Halle soll schon bald ausgetauscht werden.
Die Eingangstür der Synagoge in Halle soll schon bald ausgetauscht werden.  © Hendrik Schmidt/ZB/dpa

Denn wie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, mitteilte, soll die Synagogentür am 28. Juli ausgetauscht werden. 

Stephan B. hatte im Oktober vergangenen Jahres versucht, in die Synagoge einzudringen und am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker unter den Gläubigen anzurichten (TAG24 berichtete). Einzig die Tür hielt ihn jedoch davon ab. 

Der Angreifer hatte mehrfach auf die Tür geschossen und versucht, sie gewaltsam zu öffnen, scheiterte jedoch. 

Daraufhin erschoss B. in der Nähe eine 40 Jahre alte Frau und einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Das Geschehen streamte er live ins Internet.

Die neue Tür wird von dem Tischlermeister angefertigt, der bereits die standhafte alte Türe gebaut hatte. Nachdem die alte Holztür ausgebaut wird, soll sie von einer jungen Künstlerin aus Halle gemeinsam mit Gemeindemitgliedern gestaltet und später ausgestellt werden.

Rechte Attentäter im Internet: "Die Behörden sind darauf nicht vorbereitet."

Attentäter Stephan B. hatte vergangenen Oktober versucht, ein Massaker in der Synagoge anzurichten.
Attentäter Stephan B. hatte vergangenen Oktober versucht, ein Massaker in der Synagoge anzurichten.  © Jan Woitas/dpa

"Kripo live" widmete sich indes am Sonntagabend dem Politikwissenschaftler und Extremismus-Experten Dr. Florian Hartleb, der sich intensiv mit Stephan B. auseinandergesetzt hatte. 

Hartleb zufolge hatte sich B. schon lange vor seiner Tat mit Anschlagsplänen beschäftigt. Dies gehe aus einem Selbstinterview hervor, dass der Attentäter bereits im April 2019 verfasst hatte.

"Der Täter stellt sich darin Fragen und beantwortet diese", erklärte Hartleb. Unter anderem gehe es dabei um die Frage, ob er sich für einen Nazi halte. "Er selbst sieht sich nicht als Nazi, sondern als Rassist. Gleichzeitig ist er der Meinung, Teil einer internationalen Spielekultur zu sein."

B. sei völlig isoliert und ausschließlich in einem virtuellen Spektrum aktiv gewesen. Das Internet und Chaträume sollen eine wichtige Rolle bei seiner Radikalisierung gespielt haben, sagt der Extremismus-Experte.

Hartleb zufolge stehen diese virtuellen Räume noch nicht ausreichend im Fokus der Polizei. "Die Behörden sind darauf nicht vorbereitet. Sie denken immer noch in konservativen Mustern."

Der Prozess gegen Stephan B. soll am Dienstag beginnen.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/ZB/dpa

Mehr zum Thema Terror:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0