Ehepaar in Bayern verhaftet: Ex-Polizist weist "NSU 2.0"-Vorwürfe zurück

München/Frankfurt/Main - Nach Festnahmen in Bayern (TAG24 berichtete) gehen die Ermittlungen in der Affäre um die rechtsextreme Drohschreiben-Serie "NSU 2.0" weiter. 

Ein Demonstrantin hält während einer Kundgebung ein Plakat mit der Aufschrift "Solidarität mit den Betroffenen des NSU 2.0".
Ein Demonstrantin hält während einer Kundgebung ein Plakat mit der Aufschrift "Solidarität mit den Betroffenen des NSU 2.0".  © Arne Dedert/dpa

Die hessische SPD-Vorsitzende Nancy Faeser erklärte, diese könnten nur ein erster Schritt zur Aufklärung der Affäre sein. "Wir wissen bisher nicht, welche Verbindungen zu hessischen Sicherheitsbehörden das Ehepaar aus Bayern hat", erklärte Faeser in Wiesbaden. "Wir wissen nicht, ob die beiden vorübergehend Festgenommenen die Urheber der unsäglichen Drohschreiben sind."

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion in Hessen, Stefan Müller, erklärte: "Die Ermittlungsbehörden müssen nun klären, ob es einen Zusammenhang mit Datenabfragen in hessischen Polizeicomputern gibt und ob möglicherweise auch in bayerischen Polizei-Dienststellen auf persönliche Daten zugegriffen wurde."

Im bayerischen Landshut waren am vergangenen Freitag ein 63-jähriger ehemaliger bayerischer Polizeibeamter und seine 55 Jahre alte Ehefrau vorläufig festgenommen worden, wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Vortag mitgeteilt hatte. Das Ehepaar werde verdächtigt, mehrere E-Mails mit beleidigenden, volksverhetzenden und drohenden Inhalten an Bundestagsabgeordnete und verschiedene andere Adressaten verschickt zu haben.

Es bestehe der Verdacht der Bedrohung, der Volksverhetzung, der verfassungsfeindlichen Verunglimpfung von Verfassungsorganen sowie der Beleidigungen. 

"Es geht um sechs Mails, die im Juli verschickt worden sind", erläuterte eine Sprecherin der Behörde.

Disziplinarverfahren gegen Ex-Polizisten eingeleitet: Hat er die Drohschreiben verfasst?

Joachim Herrmann (CSU, 63), Innenminister von Bayern, bestätigte, dass gegen den ehemaligen Polizisten ein Verfahren eingeleitet wurde.
Joachim Herrmann (CSU, 63), Innenminister von Bayern, bestätigte, dass gegen den ehemaligen Polizisten ein Verfahren eingeleitet wurde.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mitteilte, wurde gegen den Ex-Polizisten aus Bayern ein Disziplinarverfahren eingeleitet. "Auch ein Beamter im Ruhestand darf sich nicht extremistisch betätigen", sagte Herrman. 

"Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen dem ehemaligen Beamten harte dienstrechtliche Sanktionen bis hin zur Aberkennung des Ruhegehalts."

Der ehemalige Polizist, der bereits in der Vergangenheit wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten sein soll, sei seit 16 Jahren nicht mehr im Dienst.

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass Linken-Politikerinnen mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohschreiben erhalten hatten. Weitere bekannte Empfängerinnen von Drohmails waren die Kabarettistin İdil Baydar und die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die im Münchner Prozess um die Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) Opferfamilien vertreten hatte.

Den Ermittlern des hessischen Landeskriminalamtes lagen zuletzt Informationen über 69 rechtsextreme Drohschreiben vor. Diese richteten sich nach Angaben von Innenminister Peter Beuth (CDU) an 27 Personen und Institutionen in insgesamt acht Bundesländern.

Als NSU hatten sich die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnet, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten. Es waren acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Ihre Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 verurteilt.

Update 11.45 Uhr: Beschuldigter in Drohmail-Affäre weist Vorwürfe zurück

Der in der Affäre um die rechtsextreme Drohschreiben-Serie "NSU 2.0" vorläufig festgenommene Ex-Polizist hat die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. 

Das bestätigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Dienstag. Er habe nichts mit den Drohmails zu tun und wisse auch nicht, wer dahinterstecke, sagte der 63-Jährige im Gespräch mit "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR. 

Jemand wolle offenbar gezielt die Polizei auf eine falsche Spur lenken.

Wie der Beschuldigte der "Landshuter Zeitung" sagte, soll sein Name samt Anschrift "und allem Pipapo" am Ende der Drohmail stehen, die zu seiner Festnahme führte.

Update 13.55 Uhr: Nach Festnahme ermittelt auch Verfassungsschutz

Nach der vorübergehenden Festnahme eines bayerischen Ex-Polizisten im Zusammenhang mit der Affäre um die rechtsextreme Drohschreiben-Serie "NSU 2.0" ermittelt auch das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz. 

Das bestätigte das bayerische Innenministerium am Dienstag in München auf Anfrage. Es gehe darum, "ein Gesamtbild zu bekommen", sagte ein Sprecher. 

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Montag angekündigt, die hessischen Behörden unterstützen zu wollen.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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