Anschlag Breitscheidplatz: Polnischer Spediteur klagt über deutsche Behörden

Sobiemysl/Berlin - Es sei ein Kampf wie David gegen Goliath, sagte der polnische Speditionsbesitzer Ariel Zurawski vor wenigen Tagen gegenüber der dpa. Gemeint ist sein Kampf um deutsche Entschädigungszahlungen (TAG24 berichtete).

Der polnische Speditionsbesitzer Ariel Zurawski zeigt Journalisten ein Foto seines Cousins auf seinem Handy, das nur wenige Stunden vor dessen Tod aufgenommen wurde.
Der polnische Speditionsbesitzer Ariel Zurawski zeigt Journalisten ein Foto seines Cousins auf seinem Handy, das nur wenige Stunden vor dessen Tod aufgenommen wurde.  © Marcin Bielecki/PAP/dpa

Sein fast neuer LKW wurde 2016 für den Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz geklaut. Zurawski steht vor dem Ruin.

Der finanzielle Schaden: 90.000 Euro. Bekommen hat er bislang aber nur 10.000 Euro.

Außerdem kam damals auch der Fahrer ums Leben: Attentäter Anis Amri erschoss Fahrer Lukasz Urban kaltblütig vermutlich aus nächster Nähe, in der Fahrerkabine. Urban war Zurawskis Cousin.

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Zwei Jahre nach dem Anschlag in Berlin wartet der polnische Spediteur noch immer auf eine Entschädigung von den deutschen Behörden. Im Augenblick sei das jedoch eher aussichtslos, sagt ihm auch sein Anwalt. Selbst die Familien der Opfer hätten mehr Geld bekommen als der Besitzer des gestohlenen LKWs, berichtet das polnische Nachrichtenmagazin "PolsatNews".

Wie "PolsatNews" weiter schreibt, leiden auch die Ehefrau von Lukasz Urban und sein Kind noch immer unter der Tragödie. Auch sie müssten zusehen, wie sie klarkommen.

"Die Zeit kann nicht zurückgedreht werden", sagt Zurawski, doch wie deutsche Behörden mit den Opfern umgehen, sei "sehr unangenehm" - und das sei noch nett formuliert. "Ich möchte nicht reich werden", betont der Unternehmer. "Aber eine Entschädigung sollte für ein so reiches Land wie Deutschland eine Ehrensache sein."

Die einmalige Zahlung in Höhe von 10.000 Euro sei eine moralische Entschädigung für den erlittenen Verlust seines Cousins, der ein erfahrener, fleißiger Kollege gewesen sei.

"Ich bin an diesem Verbrechen nicht Schuld!", sagt Zurawski. Er will Gerechtigkeit. Und er glaubt, dass er nur deshalb von Deutschland so ungerecht behandelt wird, "weil ich Pole bin".

Auf der anderen Seite lobte er die Unterstützung der polnischen Behörden. Sie hätten sich um die Überführung der Leiche von Lukasz Urban gekümmert, außerdem die Kosten für dessen Beerdigung übernommen. Sogar der polnische Präsident Andrzej Duda kam zur Beisetzung. Und der Familie des Fahrers sprach die polnische Regierung ohne zu Zögern die Zahlung einer Sonderrente zu.

Der LKW mit zerstörter Scheibe wird am 20.12.2016 am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin abgeschleppt.
Der LKW mit zerstörter Scheibe wird am 20.12.2016 am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin abgeschleppt.  © Michael Kappeler/dpa
Eine Schneise der Verwüstung ist am 20.12.2016 auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war.
Eine Schneise der Verwüstung ist am 20.12.2016 auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa, Marcin Bielecki/PAP/dpa

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