Terror-Attacken, Amokläufe: Ab heute gibt es eine Anlaufstelle für die Opfer

Stuttgart - Opfer von Terroranschlägen oder Amokläufen sowie deren Angehörige können sich in Baden-Württemberg an einen Beauftragten wenden.

Justizminister Guido Wolf.
Justizminister Guido Wolf.  © Christoph Schmidt/dpa

Justizminister Guido Wolf (CDU) stellt ihn am Mittwoch (9.30 Uhr) öffentlich vor. Der Beauftragte nimmt am selben Tag seine Arbeit auf. 

Die zentrale Anlaufstelle für Opfer und ihre Angehörigen ist im Justizministerium angesiedelt. Die Organisation Weißer Ring hatte sich zum Jahresbeginn skeptisch geäußert. 

Der neue Beauftragte dürfe kein Feigenblatt für fehlende Unterstützung von Opfern sein, hatte Landeschef Erwin Hetger damals gemahnt.

Bei einem islamistischen Anschlag 2016 auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin waren elf Menschen gestorben (TAG24 berichtete). Die Bundesregierung ernannte damals den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck zum Beauftragten für die Anliegen der Opfer dieses Anschlags und deren Hinterbliebenen.

Beck empfahl in seinem Abschlussbericht Anlaufstellen für Opfer auch in den Ländern zu schaffen. Diese Empfehlung setzt Baden-Württemberg jetzt um.

Update 11.04 Uhr: Baden-Württemberg hat einen Beauftragten eingesetzt, der sich um die Opfer von Terroranschlägen und Amokläufen und deren Angehörige kümmern soll. "Wir treffen Vorsorge und wappnen uns für einen Fall, der hoffentlich nie eintritt", sagte Justizminister Guido Wolf (CDU) am Mittwoch in Stuttgart. Die Stelle wurde mit Uwe Schlosser besetzt, der bislang Generalstaatsanwalt in Karlsruhe war und seine neue Arbeit am Mittwoch aufnahm. Schlosser ist ehrenamtlich tätig. Er bekommt aber eine Aufwandsentschädigung und eine Geschäftsstelle mit vier Mitarbeitern an die Hand.

Update: 14.30 Uhr

Weißer Ring: Schlosser ist "richtiger Mann"

Der Landesvorsitzende der Opferorganisation Weißer Ring, Erwin Hetger, bezeichnete Schlosser als "richtigen Mann" für die Stelle. Er müsse aber innerhalb der Landesregierung tatsächlich eine Koordinierungsfunktion zugunsten der Opfer wahrnehmen können. 

Wenn diese gelinge, handele es sich für die Opfer um einen Schritt nach vorn. Nach Hetgers Meinung wird aber auch der neue Opferbeauftragte sehr schnell an Grenzen kommen: So gebe es in Baden-Württemberg nur sechs Trauma-Ambulanzen. Das sei zu wenig, um nach einem Großereignis alle traumatisierten Menschen versorgen zu können.

Hetger kritisierte auch, dass die Heidelberger Gewaltambulanz die einzige ihrer Art im Südwesten sei. Opfer von Gewalt können sich in Heidelberg unmittelbar nach der Tat an die rund um die Uhr besetzte Ambulanz wenden, um ihre Verletzungen dokumentieren zu lassen. 

Die rasche Sicherung der Spuren - etwa Sperma - ist wichtig, weil sie 24 Stunden später kaum noch nachgewiesen werden können.

Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

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