Islamistischer Terror in Wien: Deutsche unter den Todesopfern

Wien - In der Wiener Innenstadt sind am Montagabend Schüsse gefallen. Vier Menschen, darunter eine Deutsche, kamen dabei ums Leben. Mindestens 15 Menschen wurden verletzt, darunter sieben lebensgefährlich.

Einsatzkräfte der Polizei stehen am Schwedenplatz.
Einsatzkräfte der Polizei stehen am Schwedenplatz.  © Georg Hochmuth/APA/dpa

Das Innenministerium sprach gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA von einem islamistischen Terroranschlag

Nach offiziellen Angaben bei der Attacke sind mindestens vier Passanten getötet worden. Es handele sich um zwei Männer und zwei Frauen, bestätigte der österreichische Innenminister Karl Nehammer der Nachrichtenagentur APA. 

Zudem wurde ein Täter mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund von der Polizei erschossen. Ob er einen oder mehrere Komplizen hatte, ist aus Sicht der Behörden weiter unklar. "Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt", sagte Nehammer am frühen Morgen. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen. 

Der Terrorangriff ereignete sich wenige Stunden vor Beginn des teilweisen Lockdowns in Österreich. Seit Mitternacht sind alle Gaststätten im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschlossen. Die ersten Schüsse fielen am Montagabend gegen 20 Uhr nahe der Hauptsynagoge in einem Ausgehviertel Wiens. 

Nach Augenzeugenberichten feuerte der Täter wahllos in die Lokale. Ein Mann brach tödlich getroffen auf einem Bürgersteig zusammen. Viele Passanten rannten in Panik davon. Einige erhoben die Hände, um der Polizei zu zeigen, dass sie nicht bewaffnet sind.   

Auf Videos, die der Privatsender "Oe24" am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. 

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte sind nach den Schüssen in der Wiener Innenstadt im Einsatz.
Schwerbewaffnete Einsatzkräfte sind nach den Schüssen in der Wiener Innenstadt im Einsatz.  © -/AP/dpa

Update, 21.38 Uhr: Ein mutmaßlicher Täter in Wien festgenommen

Nach den Schüssen ist ein mutmaßlicher Täter festgenommen worden. Dies berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Montagabend unter Berufung auf das Innenministerium. 

Einer Ministeriumssprecherin zufolge wurde bei dem Schusswechsel in der Nähe des Schwedenplatzes ein Polizeibeamter angeschossen und schwer verletzt.

Es habe mehrere Verletzte gegeben, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA
Es habe mehrere Verletzte gegeben, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA  © Georg Hochmuth/APA/dpa

Update, 21.55 Uhr: Innenminister: "Augenscheinlicher Terroranschlag" in Wien

Bei den Schüssen in Wien handelt es sich nach den Worten von Innenminister Karl Nehammer augenscheinlich um einen Terroranschlag. "Der Angriff läuft noch", sagte der Minister am Montagabend im ORF.

Nehammer sagte, es gebe mehrere Verletzte und wohl auch Tote. Genaueres sei in diesem Moment noch schwierig zu sagen.

Update, 22.28 Uhr: Polizei gibt weitere Infos

Die Polizei hat auf Twitter weitere Infos bekannt gegeben. So seien gegen 20 Uhr mehrere Schüsse ausgehend vom Bereich Seitenstettengasse gefallen. Es habe sich dabei um mehrere Täter mit Gewehren gehandelt, die an sechs Tatorten um sich schossen. 

Es gibt ein Todesopfer, mehrere Schwerverletzte, darunter ein Polizist. 

Ein Täter konnte von der Polizei erschossen werden.

Update, 22.33 Uhr: Mehrere Tote

Nach Angaben des Wiener Rettungsdienstes habe es mehrere Tote und Verletzte gegeben. 

"Zahlenmäßig eingrenzen können wir das noch nicht, wir sind noch dabei, uns einen Überblick zu verschaffen", sagte der Sprecher der Wiener Berufsrettung, Daniel Melcher, der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Montagabend.

Update, 22.46 Uhr: 15 Verletzte

Bis zum späten Montagabend sind 15 Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert worden. Das sagte der Sprecher des Wiener Gesundheitsverbunds, Christoph Mierau, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Mindestens sieben der Opfer hätten schwere Verletzungen davongetragen. 

Die Polizei konnte einen Täter erschießen.
Die Polizei konnte einen Täter erschießen.  © Roland Schlager/APA/dpa

Update, 22.58 Uhr: Straßen in Wien menschenleer

Über der Wiener Innenstadt kreisen am späten Montagabend Hubschrauber, Polizeisirenen klingen durch die Nacht. Einsatzwagen rasen aus den Außenbezirken in Richtung Innenstadt. 

Im 1. Bezirk, der historischen Wiener Innenstadt, sitzen Gäste in Lokalen und warten darauf, dass die Polizei ihnen grünes Licht zum Verlassen bietet. Um den Schwedenplatz, einer belebten Ausgehmeile an einem Verkehrsknotenpunkt am Donaukanal, in dessen Nähe die ersten Schüsse gefallen sind, sind die Straßen voller Blaulicht, weiträumig ist der ganze Bezirk abgesperrt.

Unmittelbar nach den Schüssen war auf Videos zu sehen, wie Passanten in Panik durch die Fußgängerzonen rannten. Nach Angaben von Reportern hoben manche die Arme, um den Polizisten zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren.

Die Polizei appelliert an alle Menschen in Wien, zuhause zu bleiben. Die Straßen in den innenstadtnahen Bezirken haben sich geleert, vereinzelte Passanten gehen mit schnellerem Schritt vorbei. Vor einer Bar einige Straßen stadtauswärts des Rings sitzen noch einige Gäste, fast jeder von ihnen schaut gebannt auf sein Smartphone.

Update, 23.23 Uhr: Wiener sollen weiterhin nicht nach draußen

Die Wiener Polizei fordert erneut die Bevölkerung auf, Zuhause zu bleiben. "Wenn unterwegs -Zuflucht suchen! Öffentliche Plätze meiden, keine Öffis benutzen!", heißt es auf Twitter.

Update, 23.32 Uhr: Österreichs Kanzler Kurz: "Widerwärtiger Terroranschlag"

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat den mutmaßlichen Anschlag in Wien am Montagabend als "widerwärtigen Terroranschlag" verurteilt. "Unsere Polizei wird entschlossen gegen die Täter dieses widerwärtigen Terroranschlags vorgehen", schrieb der österreichische Regierungschef im Kurznachrichtendienst Twitter. 

Das österreichische Bundesheer werde ab sofort den bisher durch die Polizei vorgenommenen Objektschutz in Wien übernehmen, damit sich die Polizei auf die Terrorismusbekämpfung konzentrieren könne.

"Wir erleben gerade schwere Stunden in unserer Republik. Ich möchte allen Einsatzkräften danken, die insbesondere heute für unsere Sicherheit ihr Leben riskieren", schrieb Kurz weiter. 

"Das ganze Land ist in Gedanken bei den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefes Mitgefühl ausdrücke." Kurz dankte auch der EU-Spitze und anderen Staatschefs, die nach dem Anschlag am Montagabend bereits ihr Mitgefühl ausgedrückt hatten.

Update, 23.36 Uhr: Wiens Bürgermeister nach Schüssen: Zahl der Täter noch unklar

Nach Angaben des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig ist noch unklar, wie viele Täter an dem mutmaßlichen Terrorangriff in der österreichischen Hauptstadt beteiligt waren. Auch zu den Hintergründen gebe es noch "keine gesicherten Erkenntnisse", sagte der 59-Jährige am Montagabend im ORF. 

Ludwig erklärte, dass bei dem Angriff "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen worden sei - vor allem auf jene, die draußen saßen. Es könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob es "weitere Gefahrenmomente gibt". 

Er rief die Wiener Bevölkerung daher dazu auf, zu Hause zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Schwer bewaffnete Polizisten sichern die Innenstadt.
Schwer bewaffnete Polizisten sichern die Innenstadt.  © Georg Hochmuth/APA/dpa

Update, 23.40 Uhr: Wiens Bürgermeister: Attentäter hatte womöglich Sprengstoffgürtel um

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat nach dem mutmaßlichen Terrorangriff in der österreichischen Hauptstadt erklärt, dass einer der Angreifer womöglich einen Sprengstoffgürtel getragen hat.

Es gebe diese Vermutung, sagte er am Montagabend im ORF. "Wir werden bald mehr wissen, ob es sich um einen solchen Sprengstoffgürtel gehandelt hat", erklärte der Politiker.

Titelfoto: Ronald Zak/AP/dpa

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