Brandstifter sucht im Netz nur nach einer Adresse, dann klicken die Handschellen!

Detroit (USA) - Die Polizei bekam Hilfe von einem Tech-Giganten, um einen Brandstifter ausfindig zu machen.

Die Polizei ermittelte wegen einer Brandstiftung. (Symbolbild)
Die Polizei ermittelte wegen einer Brandstiftung. (Symbolbild)  © Unsplash/Julius Jansson

Weil Michael Williams die Adresse seines Opfers im Netz suchte, wurde die Polizei auf ihn aufmerksam. 

Aber von vorn: Williams ist ein Freund von Skandal-Rapper R. Kelly, der mindestens zehn Kinder missbraucht haben soll, und wollte wohl genau ihn schützen.

Wie ein Gerichtsreporter aus Detroit auf Twitter berichtete, soll der Mann im Juni einen wichtigen Zeugen über Google ausfindig gemacht haben. Er suchte die Adresse des Zeugen und fuhr anschließend dahin. Dort angekommen, steckte Williams einen Geländewagen in Brand.

Die Polizei tappte lange im Dunkeln und wandte sich deshalb an den Technik-Konzern. Weil es einen gerichtlichen Durchsuchungsbefehl gab, sollte Google aktuelle Daten zu Suchanfragen nach der Anschrift des Opfers offenlegen.

Polizisten ordneten die IP-Adressen der Tatverdächtigen ihren Handynummern zu und ermittelten so, wer sich nach der Adress-Suche in der Nähe aufhielt. Dabei stießen sie auf den Freund des Musikers. 

Doch Michael Williams suchte nicht nur nach der Anschrift, auch nach "Wo kann ich eine Maschinenpistole kaufen?", "Zeugen-Einschüchterung" und "Länder, die keinen Auslieferungsvertrag mit den USA haben", wie Google den Beamten später mitteilte.

Google deckt auf: Freund von R. Kelly wollte Zeugen einschüchtern

R. Kelly, Musiker aus den USA, verlässt nach einer Anhörung ein Gericht in Chicago. (Archivbild)
R. Kelly, Musiker aus den USA, verlässt nach einer Anhörung ein Gericht in Chicago. (Archivbild)  © dpa/AP/Chicago Sun-Times/Ashlee Rezin

Googles Kooperation mit der Polizei geriet daraufhin in die Kritik. Das Unternehmen erklärte jedoch: "Um eine solche Anfrage der Polizei zu beantworten, benötigen wir einen behördlichen Vollziehungsbefehl." Die einfache Bitte eines Beamten reiche also nicht aus, um solch sensible Daten zu offenbaren.

Auch wurden die weiteren Suchanfragen Williams' erst nach dem Eingang eines weiteren Durchsuchungsbeschlusses offengelegt.

Bei allgemeinen Suchbegriffen oder Orten bittet der Technik-Konzern zudem darum, die Suche nach Tätern weiter einzugrenzen. So soll die Privatsphäre der betroffenen Google-Nutzer besser geschützt werden.

Laut CNet.com plant der Anwalt von Williams nun, gegen die Ermittlungen zu klagen. Der Durchsuchungsbefehl habe die Rechte seines Mandanten verletzt, argumentierte Anwalt Todd Spodek. "Denken Sie an die Auswirkungen in der Zukunft, wenn jeder, der etwas in der Privatsphäre seines eigenen Zuhauses suchte, plötzlich von Bundesagenten befragt werden würde", so der Anwalt. 

Spodek weiter: "Jemand könnte nur daran interessiert sein, wie Menschen auf eine bestimmte Weise sterben oder wie Drogengeschäfte laufen und es könnte in Ermittlungen falsch aufgefasst werden."

Spodek nennt diese Ermittlungsweise verfassungswidrig und will ein generelles Verbot dieser Datenbeschaffung erwirken.

Wie sein Vorhaben und die Verteidigung seines Mandanten Michael Williams ausgehen, ist noch ungewiss.

Titelfoto: Unsplash/Julius Jansson

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