Ex-Präsident Obamas heftige Abrechnung mit Donald Trump

Washington (USA) - Der ehemalige US-Präsident Barack Obama (59) hat beim Parteitag der Demokraten in außergewöhnlich scharfen Worten seinen Nachfolger Donald Trump (74) kritisiert. 

Das Videostandbild zeigt Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, während des Parteitages der US-Demokraten.
Das Videostandbild zeigt Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, während des Parteitages der US-Demokraten.  © dpa/AP/Democratic National Convention/Uncredited

Er warnte vor einer Gefahr für die Demokratie und appellierte an die Amerikaner, für Joe Biden (77) und seine Vize-Kandidatin Kamala Harris (55) zu stimmen.

Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert die Ansprache in Auszügen:

"Das einzige vom ganzen Volk gewählte Verfassungsamt ist die Präsidentschaft. Wir sollten also mindestens von einem Präsidenten erwarten, dass er sich für die Sicherheit und das Wohlergehen aller 330 Millionen von uns verantwortlich fühlt - unabhängig davon, wie wir aussehen, wie wir Religion ausüben, wen wir lieben, wie viel Geld wir haben - oder wen wir gewählt haben.

Aber wir sollten auch von einem Präsidenten erwarten, dass er der Hüter dieser Demokratie ist. Wir sollten erwarten, dass der Präsident unabhängig von Ego, Ehrgeiz oder politischen Überzeugungen die Freiheiten und Ideale bewahren, schützen und verteidigen wird, für die so viele Amerikaner demonstriert haben und ins Gefängnis gekommen sind, für die sie gekämpft haben und gestorben sind.

Ich habe mit beiden Männern, die sich jetzt um das Präsidentenamt bewerben, im Oval Office gesessen. Ich hatte nie erwartet, dass mein Nachfolger sich meine Vision aneignen oder meine Politik fortführen würde. 

Ich hatte gehofft - im Interesse unseres Landes -, dass Donald Trump etwas Interesse daran zeigen würde, den Job ernstzunehmen; dass er das Gewicht dieses Amtes spüren und etwas Ehrfurcht vor der Demokratie entdecken würde, die ihm anvertraut wurde. Aber er hat es nie getan."

Schwere Vorwürfe gegen Donald Trump

Donald Trump (74), Präsident der USA, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung auf dem internationalen Flughafen Yuma zu seinen Unterstützern.
Donald Trump (74), Präsident der USA, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung auf dem internationalen Flughafen Yuma zu seinen Unterstützern.  © dpa/AP/Matt York

"In nun fast vier Jahren hat er kein Interesse daran gezeigt, Arbeit reinzustecken. Kein Interesse daran, Gemeinsamkeiten zu finden. Kein Interesse daran, die enorme Macht seines Amtes zu nutzen, um jemandem außer sich selbst und seinen Freunden zu helfen. 

Kein Interesse daran, in der Präsidentschaft mehr als eine weitere Reality-Show zu sehen, die er nutzen kann, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, nach der er sich sehnt.

Donald Trump ist nicht in den Job hineingewachsen, weil er es nicht kann. Und die Folgen dieses Versagens sind schwerwiegend. 170.000 Amerikaner sind tot. Millionen Jobs sind weg, während die da oben mehr denn je einnehmen. Unsere schlimmsten Impulse sind entfesselt, unser stolzes Ansehen rund um die Welt übel geschmälert - und unsere demokratischen Institutionen sind bedroht wie nie zuvor. (…)

Was ich über Joe und Kamala vor allem weiß, ist, dass ihnen jeder Amerikaner wichtig ist. Und dass ihnen diese Demokratie zutiefst wichtig ist.

Sie glauben daran, dass in einer Demokratie das Recht zu wählen heilig ist. Und dass wir es den Menschen einfacher machen sollten, ihre Stimme abzugeben - und nicht schwieriger.

Sie glauben daran, dass niemand - inklusive des Präsidenten - über dem Gesetz steht und dass kein Amtsträger - auch nicht der Präsident - sein Amt nutzen sollte, um sich oder seine Unterstützer zu bereichern."

Obama über Joe Biden und Vize-Kandidatin Kamala Harris

Joe Biden (77), Präsidentschaftskandidat der Demokraten, und Kamala Harris (55), Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, stehen während des Parteitages der US-Demokraten auf der Bühne.
Joe Biden (77), Präsidentschaftskandidat der Demokraten, und Kamala Harris (55), Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, stehen während des Parteitages der US-Demokraten auf der Bühne.  © dpa/AP/Carolyn Kaster

"Sie verstehen, dass in dieser Demokratie der Oberbefehlshaber die Männer und Frauen unseres Militärs, die bereit sind, alles zum Schutze unserer Nation zu riskieren, nicht als politische Requisite gegen friedliche Demonstranten auf unserem eigenen Boden einsetzt. 

Sie verstehen, dass politische Opponenten nicht 'unamerikanisch' sind, nur weil sie eine andere Meinung haben; dass eine freie Presse nicht der 'Feind' ist, sondern der Weg, auf dem wir unsere Amtspersonen zur Rechenschaft ziehen; dass unsere Fähigkeit, zur Lösung großer Probleme wie einer Pandemie zusammenzuarbeiten, von der Treue zu Fakten und Wissenschaft und Logik abhängt - und nicht davon, sich einfach Sachen auszudenken.

Nichts davon sollte kontrovers sein. Das sollten nicht republikanische Grundsätze oder demokratische Grundsätze sein. Das sind amerikanische Grundsätze. 

Aber in diesem Moment haben dieser Präsident und die, die ihn befähigen, gezeigt, dass sie an diese Dinge nicht glauben.

Heute bitte ich Euch, an die Fähigkeit von Joe und Kamala zu glauben, dieses Land aus diesen dunklen Zeiten zu führen und besser wieder aufzubauen. 

Aber die Sache ist, kein einzelner Amerikaner kann dieses Land allein in Ordnung bringen. Nicht einmal ein Präsident. Demokratie war nie als Transaktion gedacht - Du gibst mir Deine Stimme, ich mache alles besser. Sie braucht aktive und informierte Bürger. Also bitte ich Euch, auch in Eure eigene Fähigkeit zu glauben - und Eure Verantwortung als Bürger anzunehmen - um sicherzustellen, dass die Grundsätze der Demokratie fortbestehen. 

Denn genau das steht jetzt auf dem Spiel. Unsere Demokratie."

"Sie werden unsere Demokratie niederreißen"

"(...) Lasst nicht zu, dass sie Euch Eure Demokratie wegnehmen. Macht gleich jetzt einen Plan, wie Ihr Euch engagieren werdet und wählt. Macht es so frühzeitig wie Ihr könnt und sagt Familie und Freunden, wie sie abstimmen können. (...)

Ihr könnt unserer Demokratie neuen Sinn verleihen. Ihr könnt sie besser machen. Ihr seid die fehlende Zutat - diejenigen, die darüber entscheiden werden, ob Amerika als Land seinem Credo voll gerecht wird.

Diese Arbeit wird lange nach dieser Wahl weitergehen. Aber jede Chance auf Erfolg hängt vom Ausgang dieser Wahl ab.
Diese Regierung hat gezeigt, dass sie unsere Demokratie niederreißen wird, wenn das nötig ist, um zu gewinnen. Also müssen wir sie schleunigst aufbauen - indem wir alle unsere Anstrengungen in diese 76 Tage einbringen. 

Und indem wir abstimmen wie nie zuvor - für Joe und Kamala und Kandidaten auf allen Ebenen, damit wir keinen Zweifel daran lassen, wofür dieses Land steht, das wir lieben, heute und für alle unsere Tage. (...)"

Titelfoto: dpa/AP/Matt York, dpa/AP/Democratic National Convention/Uncredited

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