Gipfeltreffen von Putin und Biden: US-Präsident verlässt es viel früher als erwartet

Genf (Schweiz) - Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Joe Biden (78) und dem russischen Staatschef Wladimir Putin (68) in Genf ist zu Ende. Biden verließ die Villa La Grange oberhalb des Genfersees als erster.

Joe Biden (l.), Präsident der USA, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, gehen während ihres Treffens in der "Villa la Grange" nebeneinander in einen Saal.
Joe Biden (l.), Präsident der USA, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, gehen während ihres Treffens in der "Villa la Grange" nebeneinander in einen Saal.  © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Er stieg in seine Limousine und streckte den Daumen nach oben. Geplant war eine Pressekonferenz Bidens in einem nahe gelegenen Hotel.

Gut 20 Minuten später verließ Putin die Villa zu Fuß und machte sich auf den Weg zu einer Pressekonferenz in einem dafür aufgebauten Zelt.

Geplant war, dass sich zuerst Putin, dann Biden vor der Presse äußern. Beide Präsidenten wollten noch am Mittwoch in ihre Heimat zurückreisen.

Nach Angaben aus amerikanischen Delegationskreisen dauerte das Treffen drei Stunden und 21 Minuten - weniger, als beide Seiten vorher in Aussicht gestellt hatten.

Die russische Delegation hatte sich auf mindestens vier bis fünf Stunden Gespräche eingestellt.

Es war das erste Gipfeltreffen der Präsidenten der beiden größten Atommächte seit Bidens Amtsantritt im Januar.

Putin: USA und Russland vereinbaren Rückkehr ihrer Botschafter

Joe Biden (l.), Präsident der USA, und Wladimir Putin, Präsident von Russland (r.), unterhalten sich während ihres Treffens in der "Villa la Grange".
Joe Biden (l.), Präsident der USA, und Wladimir Putin, Präsident von Russland (r.), unterhalten sich während ihres Treffens in der "Villa la Grange".  © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Themen sollten bei dem Treffen unter anderem die strategische Stabilität in der Welt, atomare Abrüstung, Kontrolle der Waffenarsenale sowie die Konflikte in Afghanistan, Libyen, Syrien und der Streit um die Atomprogramme im Iran und in Nordkorea sein.

Biden wollte nach eigenen Angaben auch Menschenrechtsverletzungen in Russland ansprechen.

Der US-Präsident und der russische Staatschef Wladimir Putin haben sich nach Angaben Putins bei ihrem Gipfel in Genf auf eine Rückkehr ihrer Botschafter nach Moskau und Washington geeinigt.

Das sagte Putin nach dem Treffen am Mittwoch. Die Diplomaten waren im Frühjahr im Zuge wachsender Spannungen zwischen beiden Ländern jeweils in ihre Heimat zurückgekehrt.

Update, 20.22 Uhr: Biden: Putin will keinen "neuen Kalten Krieg"

Der russische Präsident Wladimir Putin will nach Darstellung von US-Präsident Joe Biden keinen neuen Kalten Krieg mit den Vereinigten Staaten.

"Ich denke, das letzte, was er jetzt will, ist ein Kalter Krieg", sagte Biden am Mittwoch nach seinem Gipfeltreffen mit Putin in Genf. Er habe Putin gesagt: "Das ist kein Kumbaya-Moment, wie wir in den 60er-Jahren in den Vereinigten Staaten zu sagen pflegten."

Es gehe nicht darum, sich zu "umarmen" und zu "lieben". Es sei aber in niemandes Interesse, wenn sich beide Länder wieder in einer Situation befänden, "in der wir in einem neuen Kalten Krieg sind". Putin habe weiterhin Sorgen, was die USA angehe.

"Es gab keine Drohungen", sagte Biden über sein Treffen. Es gehe nicht um Vertrauen. "Hier geht es um Selbstinteresse."

US-Präsident Joe Biden auf seiner Pressekonferenz.
US-Präsident Joe Biden auf seiner Pressekonferenz.  © Patrick Semansky/AP/dpa

Update, 19.44 Uhr: Biden und Putin einigen sich auf Gespräche zur Rüstungskontrolle

Die USA und Russland haben sich als die beiden größten Atommächte auf neue strategische Gespräche zur Rüstungskontrolle geeinigt.

"Ich freue mich, dass wir uns heute darauf geeinigt haben, einen bilateralen strategischen Stabilitätsdialog zu starten", sagte US-Präsident Joe Biden am Mittwoch nach seinem Gipfel mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin in Genf.

Militärexperten und Diplomaten beider Länder sollten an einem Mechanismus arbeiten, der zu einer Kontrolle neuer und hochentwickelter Waffen führen könne. Die Gespräche über die strategische Stabilität gelten als wichtiges Signal für die globale Sicherheit.

Die USA hatten sich zuletzt aus mehreren Abkommen verabschiedet, weil sich Russland nicht an die Regeln gehalten haben soll. Moskau wies dies zurück und warnte immer wieder davor, dass ein Ausstieg aus den Abkommen zu einem Wettrüsten führen könnte.

So zogen sich die USA etwa unter Biden-Vorgänger Donald Trump (75) aus dem INF-Vertrag über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen zurück.

Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, und Joe Biden, Präsident der USA, lachen nach ihrer Ankunft zu einem Treffen in der "Villa la Grange".
Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, und Joe Biden, Präsident der USA, lachen nach ihrer Ankunft zu einem Treffen in der "Villa la Grange".  © Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Update, 19.40 Uhr: Biden: Werde Menschenrechtsverletzungen in Russland weiter anprangern

US-Präsident Joe Biden hat nach eigenen Angaben Kremlchef Wladimir Putin zu verstehen gegeben, dass die USA Menschenrechtsverletzungen in Russland weiter anprangern werden.

Er habe Putin beim Gipfeltreffen in Genf gesagt, dass er keine Agenda gegen Russland habe. "Es geht nicht darum, Russland anzugreifen, wenn sie Menschenrechte verletzen", sagte Biden am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen.

Es gehe darum, demokratische Werte zu verteidigen. Kein Präsident der Vereinigten Staaten könnte das Vertrauen des amerikanischen Volkes halten, wenn dies nicht geschehe.

"Das ist einfach Teil der DNA unseres Landes. Also werden Menschenrechte immer auf dem Tisch sein, habe ich ihm gesagt», erklärte Biden. Es müsse einige "grundlegende Regeln" geben, an die sich alle halten.

Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, spricht mit Joe Biden, Präsident der USA, nach ihrer Ankunft zu einem Treffen in der "Villa la Grange".
Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, spricht mit Joe Biden, Präsident der USA, nach ihrer Ankunft zu einem Treffen in der "Villa la Grange".  © Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Update, 18.52 Uhr: Gefangenenaustausch: Putin hält Kompromiss mit USA für möglich

US-Präsident Joe Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin haben bei ihrem Gipfeltreffen in Genf nach Angaben des Kremlchefs auch über einen möglichen Austausch von Gefangenen gesprochen.

"Präsident Biden hat dieses Thema in Bezug auf amerikanische Staatsbürger in Gefängnissen der Russischen Föderation angesprochen", sagte Putin am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz nach Abschluss des Treffens. "Es können gewisse Kompromisse gefunden werden. Das russische Außenministerium und das US-Außenministerium werden in diese Richtung arbeiten."

Vor dem Gipfeltreffen war insbesondere in den USA spekuliert worden, dass sich die Präsidenten darauf einigen könnten, dass die in Russland inhaftierten Amerikaner Paul Whelan und Trevor Reed gegen die in den USA verurteilten russischen Staatsbürger Viktor But und Konstantin Jaroschenko ausgetauscht werden könnten.

Wladimir Putin, Präsident von Russland, spricht auf einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit US-Präsident Biden in der "Villa la Grange".
Wladimir Putin, Präsident von Russland, spricht auf einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit US-Präsident Biden in der "Villa la Grange".  © Denis Balibouse/KEYSTONE POOL REUTERS/dpa

Update, 18.45 Uhr: Putin nennt Gipfel mit Biden "äußerst konstruktiv"

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat den Gipfel mit US-Präsident Joe Biden als "äußerst konstruktiv" bezeichnet. "Ich meine, dass es keinerlei Feindseligkeit gab - im Gegenteil", sagte Putin am Mittwoch nach dem Treffen in Genf.

Er lobte Biden als "sehr erfahrenen Menschen". Man habe zwei Stunden lang zu zweit geredet - das sei nicht mit allen Staatsführern so. Der US-Präsident und er hätten "eine gemeinsame Sprache" gesprochen, sagte Putin.

Themen seien unter anderem die strategische Sicherheit in der Welt, Cybersicherheit, der Ukraine-Konflikt und Interessen in der Arktis gewesen.

Titelfoto: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

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