Lkw rast in Demo, brennende Autos: Proteste in den USA gehen weiter!

Washington - In den USA reißen Proteste gegen Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd nicht ab. Auch vor dem Weißen Haus kommt es wieder zu Demonstrationen. US-Präsident Trump sieht Linksradikale hinter den Ausschreitungen - und kündigt Maßnahmen an.

Los Angeles: Ein Kommandeur des Los Angeles Police Department, steht während eines Protests zwischen mehreren zerstörten, in Flammen stehenden Polizeiautos.
Los Angeles: Ein Kommandeur des Los Angeles Police Department, steht während eines Protests zwischen mehreren zerstörten, in Flammen stehenden Polizeiautos.  © Mark J. Terrill/AP/dpa

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die USA nicht zur Ruhe. In mehreren US-Metropolen kam es in der sechsten Nacht in Folge zu Protesten, die teils in Gewalt ausarteten. 

Der Sender CNN berichtete, in New York seien Tausende Menschen auf die Straße gegangen. 

Auf Fernsehbildern waren brennende Fahrzeuge in Boston und Plünderungen in Philadelphia zu sehen.

In der US-Hauptstadt Washington zogen Demonstranten am Sonntagabend (Ortszeit) erneut vor das Weiße Haus. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten skandierten "Kein Frieden ohne Gerechtigkeit", wie ein dpa-Reporter berichtete. 

CNN meldete, bereits am Freitag sei US-Präsident Donald Trump wegen der Proteste vor dem Weißen Haus für knapp eine Stunde in einen Bunker gebracht worden.

Nach CNN-Angaben verhängten mindestens 40 Städte nächtliche Ausgangssperren, darunter auch Washington. Von den Maßnahmen waren demnach insgesamt zehn Millionen Menschen betroffen. 

Trump macht Antifa für Ausschreitungen verantwortlich, 15 Bundesstaaten mobilisieren Nationalgarde

Eine Demonstrantin schreit während Unruhen vor Wut über Rassismus.
Eine Demonstrantin schreit während Unruhen vor Wut über Rassismus.  © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Der Gouverneur des Bundesstaats Arizona, Doug Ducey, erließ sogar für die gesamte Woche bis zum 8. Juni eine nächtliche Ausgangssperre. 

Mindestens 15 der 50 US-Bundesstaaten und der Hauptstadtbezirk Washington mobilisierten die Nationalgarde, wie unter anderem CNN berichtete. 

Die Nationalgarde gehört zur Reserve der US-Streitkräfte und kann in Bundesstaaten in Ausnahmesituationen zu Hilfe gerufen werden.

Trump machte am Sonntag linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich. Er kündigte an, die Antifa solle in den USA als Terrororganisation eingestuft werden. Details ließ er zunächst offen. 

Zum Antifaschismus bekennen sich zahlreiche unterschiedliche linke oder auch linksradikale Gruppen in den USA. Die Antifa hat aber keine zentrale Führungs- oder Organisationsstruktur. 

Trump hatte bereits im vergangenen August mitgeteilt, man erwäge ein Verbot.

Tausende Soldaten im Einsatz, Lkw fährt durch Demo-Zug

Nach den Ausschreitungen rief US-Präsident Donald Trump demokratische Bürgermeister und Gouverneure am Sonntag zu einem entschiedeneren Durchgreifen auf.
Nach den Ausschreitungen rief US-Präsident Donald Trump demokratische Bürgermeister und Gouverneure am Sonntag zu einem entschiedeneren Durchgreifen auf.  © Evan Vucci/AP/dpa

Bereits in den vergangenen Nächten war es bei Protesten in Minneapolis und zahlreichen anderen Städten zu Gewalt gekommen - von New York an der Ostküste bis Los Angeles an der Westküste. 

Auf Fernsehbildern waren vielerorts brennende Autos und Geschäfte zu sehen. Die Nationalgarde von Minnesota teilte am Sonntag mit, mehr als 5000 von insgesamt bis zu 10 000 mobilisierten Soldaten seien bereits im Einsatz. Die anderen Soldaten stünden bereit.

Am Sonntagabend gegen 18 Uhr (Ortszeit) sei zudem sogar ein Lkw in eine Menschenmenge gerast. Der Laster fuhr über einen Highway, welcher für die Prosteste eigentlich gesperrt worden war. Die Demonstranten konnten dem Wagen glücklicherweise alle ausweichen und versuchten im Anschluss den Fahrer aus seinem Fahrerhaus zu reißen.

Nach den Ausschreitungen rief Trump demokratische Bürgermeister und Gouverneure am Sonntag zu einem entschiedeneren Durchgreifen auf.

"Legen Sie eine härtere Gangart ein", schrieb Trump auf Twitter. "Diese Menschen sind Anarchisten. Rufen Sie jetzt unsere Nationalgarde. Die Welt schaut zu und lacht Sie und den Schläfrigen Joe aus." 

Der Republikaner Trump verunglimpft seinen voraussichtlichen Herausforderer bei der Präsidentenwahl im November, den demokratischen Ex-Vizepräsidenten Joe Biden, regelmäßig als "Schläfrigen Joe".

In weiteren Tweets lobte Trump am Sonntagabend erneut den Einsatz der Nationalgarde im US-Bundesstaat Minnesota, wo die Proteste ausgebrochen waren, und mahnte, die Kräfte hätten früher angefordert werden sollen. 

In einem anderen Tweet schrieb der Präsident in Großbuchstaben schlicht: "Recht & Ordnung!" Trump wirft den Demokraten immer wieder vor, nicht hart genug gegen Kriminalität vorzugehen.

Titelfoto: Mark J. Terrill/AP/dpa ; Evan Vucci/AP/dpa

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