Nach Sturm auf US-Kapitol: 68 Festnahmen, Polizist stirbt nach Zusammenbruch

Washington - Bei den Ausschreitungen von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump am Kapitol in Washington (TAG24 berichtete) sind mindestens 68 Menschen festgenommen worden.

Soldaten und Polizeibeamte stehen vor dem US-Kapitol, während dort ein Sicherheitszaun errichtet wird.
Soldaten und Polizeibeamte stehen vor dem US-Kapitol, während dort ein Sicherheitszaun errichtet wird.  © John Minchillo/AP/dpa

Die Polizei in der US-Hauptstadt teilte am Donnerstag mit, 56 Polizisten seien verletzt worden, zwei davon würden im Krankenhaus behandelt. Zwei Rohrbomben und sechs Schusswaffen seien sichergestellt worden.

Inzwischen ist auch übermittelt, dass ein Polizist an seinen Verletzungen gestorben sei.

Die Kapitols-Polizei teilte in der Nacht zu Freitag mit, der Beamte sei bei einer Auseinandersetzung mit Demonstranten am Mittwoch verletzt worden und später zusammengebrochen.

Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er am Donnerstagabend gestorben sei. Damit haben die Krawalle vom Mittwoch mindestens fünf Menschen das Leben gekostet.

Die Polizei identifizierte am Donnerstag die vier Toten, die bereits am Vortag gemeldet worden waren. Bei der Frau, die infolge einer Schussverletzung starb, handelte es sich demnach um eine 35-Jährige aus Maryland.

Die drei Menschen, die bei nicht näher definierten "medizinischen Notfällen" ums Leben kamen, waren im Alter von 34 bis 55 Jahren. Sie kamen aus Georgia, Alabama und Pennsylvania.

Staatsanwalt Mike Sherwin sagte in einer Telefonschalte mit Journalisten, im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kapitol seien binnen 36 Stunden in insgesamt 55 Fällen Strafanzeigen gestellt worden.

Ermittler durchsuchen soziale Medien, um potenzielle Täter zu identifizieren

Ein Unterstützer des scheidenden US-Präsidenten Trump ist mit einem Anhänger unterwegs, auf dem "Trump Unity" (Trump-Einheit) und verschiedene Parolen wie "Build the Wall" (Baut die Mauer) oder "Making America Great Again" (Amerika wieder groß machen) zu lesen sind.
Ein Unterstützer des scheidenden US-Präsidenten Trump ist mit einem Anhänger unterwegs, auf dem "Trump Unity" (Trump-Einheit) und verschiedene Parolen wie "Build the Wall" (Baut die Mauer) oder "Making America Great Again" (Amerika wieder groß machen) zu lesen sind.  © Evan Vucci/AP/dpa

In den meisten Fällen laute der Vorwurf auf unerlaubtes Betreten bestimmter Bereiche, in manchen Fällen gehe es aber auch um Körperverletzung oder unerlaubten Waffenbesitz. Bei den Vorwürfen seien aber "alle Optionen auf dem Tisch", darunter auch Aufruhr.

Sherwin betonte, man stehe bei der Strafverfolgung erst am Anfang. Ermittler sichteten Videomaterial. Hunderte Mitarbeiter durchsuchten soziale Medien, um potenzielle Straftäter zu identifizieren.

Nach Angaben der Polizei kamen nur zwölf der Festgenommenen aus Washington oder den angrenzenden Bundesstaaten Maryland und Virgina.

50 weitere kamen aus weiter entfernten Bundesstaaten, sechs Personen hatten keine Meldeadresse.

Chef der Kapitols-Polizei tritt zurück

Soldaten der DC National Guard, einem Teil der US-Nationalgarde, patrouillieren rund um das Kapitol Gelände.
Soldaten der DC National Guard, einem Teil der US-Nationalgarde, patrouillieren rund um das Kapitol Gelände.  © Julio Cortez/AP/dpa

Nach dem Sturm auf das Parlament kündigte der Chef der Kapitols-Polizei, Steven Sund, Medienberichten zufolge am Donnerstag seinen Rücktritt an.

Sund werde sein Amt am 16. Januar niederlegen, berichteten der Sender CNN und die Washington Post unter Berufung auf Polizeikreise.

Der Kapitols-Polizei war vorgeworfen worden, auf den Ansturm des gewalttätigen Mobs nach einer Trump-Kundgebung am Mittwoch nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein.

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hatte Sunds Rücktritt gefordert. Der Chef der Kapitols-Polizei hatte am Donnerstag mitgeteilt, der gewalttätige Angriff sei anders als alles gewesen, was er in seinen 30 Jahren als Polizist in Washington erlebt habe. Angesichts der Situation hätten seine Beamten "heldenhaft" gehandelt.

Sund hatte eine eingehende Untersuchung des Vorfalls und der Sicherheitsplanungen angekündigt.

Titelfoto: John Minchillo/AP/dpa

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