Schockierende Vorwürfe von Amazon-Mitarbeitern: Wir müssen in Flaschen pinkeln!

Seattle - Die Arbeitsbedingungen des riesigen Versandhandels Amazon standen schon des Öfteren in der Kritik. Doch ein neuer Vorfall sorgt weltweit für Schlagzeilen. Amerikanische Mitarbeiter berichten, dass sie während ihrer Schicht gezwungenermaßen in Wasserflaschen oder Kaffeebechern pinkeln müssen.

Der Versandhandel erlebt aufgrund von Corona einen weltweiten Boom. Dabei steht der US-amerikanische Anbieter Amazon heftig in der Kritik.
Der Versandhandel erlebt aufgrund von Corona einen weltweiten Boom. Dabei steht der US-amerikanische Anbieter Amazon heftig in der Kritik.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Wie kann das sein? Die Angestellten behaupten, dass sie während ihrer Schicht schlichtweg zu wenig Zeit hätten, eine öffentliche Toilette aufzusuchen.

Denn: Wer zu wenig Pakete ausliefert, läuft vor allem in den USA Gefahr, gekündigt zu werden.

Weltweit bekannt wurden die Vorwürfe erst durch einen viral gewordenen Tweet. Darin hatte der Demokrat Mark Pocan (56) geschrieben, dass Amazon noch lange kein fortschrittlicher Betrieb sei.

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Angeblich würde Amazon die Gründung von Gewerkschaften verhindern. Zudem müssten die Mitarbeiter in Wasserflaschen pinkeln. Das ließ der Versandhändler nicht lange auf sich sitzen und antwortete auf Twitter, dass der Politiker die "Sache mit dem Pinkeln in Flaschen" doch nicht wirklich glauben würde.

Die mehr als eine Million Mitarbeiter des Konzerns weltweit seien stolz auf ihre tägliche Arbeit, die sie ausführen. Sie hätten, so hieß es in dem Tweet weiter, "großartige Löhne und Gesundheitsvorsorge".

Blöd nur, dass kurz darauf Hunderte (!) Beschwerden unter Amazons Beitrag eintrudelten, welche die Behauptungen von Pocan stützten!

Dieser Tweet sorgt für Furore: Amazon dementiert, dass Mitarbeiter in Flaschen pinkeln

Zahlreiche Mitarbeiter reagieren und behaupten, dass das Flaschen-Pinkeln stimmt!

PR-Desaster für Amazon

Zahlreiche Mitarbeiter beklagen sich über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, vorrangig in den USA. (Symbolbild)
Zahlreiche Mitarbeiter beklagen sich über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, vorrangig in den USA. (Symbolbild)  © 123RF/windsurfer62

"Ja, ich habe bereits mal in Flaschen gepinkelt", hieß es in nicht wenigen Kommentaren. Andere gingen noch weiter und veröffentlichten Bilder ihrer Pinkel-Becher auf der Plattform.

Komplett neu sind die Vorwürfe übrigens nicht. Bereits 2018 fand eine Studie des Guardian heraus, dass 74 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens mit Hauptsitz in Seattle, Washington, Angst davor hätten, pinkeln zu gehen, weil die verlorene Zeit dafür sorgen könnte, dass sie ihr Produktivitäts-Ziel nicht erreichen könnten.

Für Amazon ist das alles ein weiteres PR-Desaster. Denn der Konzern befindet sich in dem US-Bundesstaat Alabama in einer richtigen Schlammschlacht mit seinen Mitarbeitern. Kurz erklärt: Diese wollen sich gewerkschaftlich organisieren. Amazon versucht das mit allen Mitteln zu verhindern.

Zahlreiche Promis gehen nun gegen das von Jeff Bezos (57) gegründete Unternehmen auf die Barrikaden. Auch der Politiker Bernie Sanders (79) ist mit dabei.

Fakt ist: 15 Dollar Stundenlohn sind tatsächlich für US-amerikanische Verhältnisse ganz gut.

Allerdings sorgen die katastrophalen Arbeitsbedingungen sowie der Druck, der bei den Mitarbeitern herrscht, für immer mehr Negativ-Schlagzeilen.

Auch in Deutschland werden Amazons Arbeitsbedingungen heftig kritisiert, wie hier bei einer Demo in Berlin. Besagten Tarifvertrag haben sie auch im Jahr 2021 noch nicht bekommen.
Auch in Deutschland werden Amazons Arbeitsbedingungen heftig kritisiert, wie hier bei einer Demo in Berlin. Besagten Tarifvertrag haben sie auch im Jahr 2021 noch nicht bekommen.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Hierzulande ist Kritik an Amazon keine Seltenheit. Erst zur Weihnachtszeit rief die Gewerkschaft ver.di zu einem Streik auf. Die Forderung: Bessere Arbeitsbedingungen.

Ob es auch in den USA nach all der Aufregung nun erstmals eine Gewerkschaft bei Amazon geben wird, bleibt abzuwarten.

Titelfoto: Bildmontage: 123RF/windsurfer62, Rolf Vennenbernd/dpa

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