Schülerin (15) macht Hausaufgaben nicht: Über den Sommer bleibt sie im Gefängnis!

Detroit (USA) - Im US-Bundesstaat Michigan ist eine Schülerin (15) seit zwei Monaten im Gefängnis, nachdem sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Noch für drei weitere Monate soll sie dort bleiben.

Weil Grace wegen Körperverletzung und Diebstahls vor Gericht stand, musste sie ihre Hausaufgaben nun besonders ernst nehmen. (Symbolbild)
Weil Grace wegen Körperverletzung und Diebstahls vor Gericht stand, musste sie ihre Hausaufgaben nun besonders ernst nehmen. (Symbolbild)  © Unsplash/Kelly Sikkema

Die 15-jährige Grace hat es wohl nicht leicht. Durch eine Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) braucht sie in der Schule besonders viel Aufmerksamkeit.

Zu Hause schaut zweimal pro Woche ein Therapeut nach der Schülerin. Zudem befindet sich die Familie in einer gemeinsamen Therapie. Die 15-Jährige benötigt weiterhin akademische Nachhilfe, berichten die US-amerikanischen Investigativjournalisten von "ProPublica".

Im vergangenen Jahr wurde Grace jedoch wegen Diebstahls und Körperverletzung angeklagt. 

Nachdem sie einem Mitschüler das Handy gestohlen hatte, kam heraus, dass die 15-Jährige ihrer Mutter in den Finger gebissen und diese gefährlich an den Haaren gezogen hatte.

Eine Richterin legte der Jugendlichen im April dieses Jahres eine Bewährungsstrafe auf. Sie sollte unter anderem ihre Schulaufgaben in dem zum Zeitpunkt noch laufenden Schuljahr beenden.

Corona machte 15-jähriger ADHS-Schülerin zu schaffen

Die 15-Jährige muss mehrere Monate in den Knast. (Symbolbild)
Die 15-Jährige muss mehrere Monate in den Knast. (Symbolbild)  © Unsplash/Paweł Czerwiński

Als die Schule wenig später auf Online-Lehre umstellen musste, weil die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus in der Bildungseinrichtung zu groß war, fiel die 15-Jährige zurück in alte Muster.

Grace kam mit den Hausaufgaben nicht mehr hinterher, loggte sich wohl auch nicht regelmäßig in die Video-Unterrichtsstunden ein. 

Ihr Bewährungshelfer reichte deshalb einen Verstoß vor Gericht ein.

Die Konsequenz: Die Schülerin musste sich erneut vor der Richterin verantworten und wurde anschließend Mitte Mai ins Gefängnis gesteckt!

Am Montag dieser Woche verlangte ihr Anwalt eine neuerliche Anhörung vor Gericht, weil sich Grace erheblich gebessert habe und Bestleistungen in der Gefängnisschule abliefere.

Sie nimmt zudem dort an einem fünfteiligen Programm teil, jede Phase dauert etwa einen Monat.

Die Richterin befand, dass Grace weiterhin in der Jugendstrafeinrichtung bleiben soll. Nach Abschluss des Programms würde es ihr wesentlich besser gehen und sie von nachhaltigeren Effekten profitieren.

Grace bleibt trotz großem Protests weiterhin im Gefängnis

Vor der Schule protestierten mehrere Klassenkameraden für Graces Freilassung.
Vor der Schule protestierten mehrere Klassenkameraden für Graces Freilassung.  © Twitter/LynMCain

"Sie haben bedeutende Fortschritte gemacht", erklärte die Betreuerin der 15-Jährigen bei der Anhörung im Gericht. "Im Gespräch mit ihrer Mutter berichtet diese, dass sie viel besser miteinander kommunizieren konnten, [Grace] ist selbstbewusster, sie ist ernster, sie ist nachdenklicher."

"Wenn ich diesen Bericht lese, ist das so gut wie es nur geht... Das ist ausgezeichnet", resümierte die Richterin. "Das Schlimmste, was ich tun kann, ist zu sagen, dass es dir gut geht. Jetzt bringen wir dich nach Hause, nur um sehen zu, wie der Fortschritt in die Luft fliegt."

Vor der Schule der 15-Jährigen formierte sich deshalb vor dem Wochenende ein Protest aus zahlreichen Mitschülern und deren Eltern gegen die Entscheidung. 

Die Richterin erklärte den Sachverhalt deshalb vor Gericht ganz klar: "Sie wurde nicht festgenommen, weil sie ihre Hausaufgaben nicht abgegeben hat. Sie wurde festgenommen, weil ich sie nach allem, was ich wusste, als Bedrohung für ihre Mutter empfand."

Und an diesem Weg der Besserung will die Richterin weiter arbeiten, damit die 15-Jährige nicht rückfällig wird. 

Grace soll "sich die Chance geben, noch etwas durchzuhalten und das Programm zu beenden", bat die Richterin um Verständnis für die harte Entscheidung.

Graces Anwalt will nun in Berufung gegen die Rechts-Entscheidung gehen.

Titelfoto: Unsplash/Kelly Sikkema, Unsplash/Paweł Czerwiński

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