Frau hat 30 Jahre keine Ahnung, dass sie Mutter ist, bis ihre Tochter auftaucht

Kansas City - Melissa Ohden wurde nach einer fehlgeschlagenen Abtreibung zur Adoption freigegeben. Ihre leibliche Mutter erfuhr 30 Jahre lang nicht, dass sie existierte.

Ruth (l) ahnte drei Jahrzehnte lang nicht, dass ihre Tochter Melissa (r) lebendig zur Welt gekommen war.
Ruth (l) ahnte drei Jahrzehnte lang nicht, dass ihre Tochter Melissa (r) lebendig zur Welt gekommen war.  © Facebook/melissaohdensurvivor

Die heute 42-jährige Melissa aus den USA wusste bereits seit ihrer Kindheit, dass sie adoptiert worden war. Ihre Eltern Ron (70) und Linda (71) hatten nie ein Geheimnis daraus gemacht.

Gegenüber der britischen Zeitschrift "The Sun" sagt sie: "Es machte mir nichts aus. Ich hatte eine wirklich glückliche Kindheit mit meiner Schwester Tammy, die vier Jahre älter ist. Ich wusste, dass ich geliebt und gewollt wurde." Sie dachte, ihre leiblichen Eltern hätten sie zur Adoption freigegeben, da sie sich zu jung für eine Elternschaft fühlten.

Doch mit 14 Jahren musste sie eine grauenhafte Entdeckung machen. Eines Abends rutschte ihrer Schwester etwas heraus. Sie sagte: "Wenigstens meine Eltern wollten mich haben." Linda setzte sich daraufhin mit Melissa hin und erklärte ihr, was Tammy mit den Worten meinte.

"Sie erzählte mir, dass sie und mein Vater mich erst Monate, nachdem ich zur Adoption freigegeben worden war, kennengelernt hatten. Meine leibliche Mutter hatte in ihrem siebten Schwangerschaftsmonat eine gescheiterte Abtreibung mit Kochsalzlösung erhalten."

Die Wahrheit ließ die damalige Teenagerin zerbrechen. "Nachdem ich das herausgefunden hatte, verinnerlichte ich meinen Schmerz und ließ alle glauben, es ginge mir gut. Aber innerlich war ich am Boden zerstört. Ich kämpfte sehr stark und fing an zu trinken."

Zehn Jahre suchte sie nach ihren Eltern

Melissa verarbeitete ihre Erlebnisse u. a. in einem Buch. Mit ihrer leiblichen Mum hat sie auch heute noch engen Kontakt.
Melissa verarbeitete ihre Erlebnisse u. a. in einem Buch. Mit ihrer leiblichen Mum hat sie auch heute noch engen Kontakt.  © Facebook/melissaohdensurvivor

Es dauerte einige Jahre, bis sie den Schmerz verarbeiten konnte. Doch mit 19 Jahren beschloss Melissa, ihre leiblichen Eltern zu finden. Ihre Mum und Dad waren misstrauisch, sie fürchteten, dass sie verletzt werden könnte. Doch Melissa ließ sich nicht beirren.

Mehr als zehn Jahre lang durchsuchte sie alte Aufzeichnungen. Im Jahr 2007 gelang es ihr, ihren Vater über das Internet ausfindig zu machen.

"Ich verbrachte einige Zeit damit, über ihn zu recherchieren, bevor ich mich für eine Kontaktaufnahme entschied. Ich wollte nicht in sein Familienhaus eindringen, also beschloss ich stattdessen, einen Brief an sein Büro zu schicken, ohne zu wissen, ob er überhaupt von meiner Existenz wusste." Doch sie erhielt keine Antwort. Sie wusste nicht, ob der Brief je angekommen oder ob es einfach zu viel für ihn gewesen war.

Sechs Monate später verstarb ihr Vater im Alter von 51 Jahren durch natürliche Umstände. Melissa las die Todesanzeige im Internet. Sie dachte, somit hätte sich der Kontakt mit ihren Blutsverwandten endgültig erledigt. Doch sie sollte sich irren.

Beim Ausräumen des Büros wurde Melissas Brief gefunden. Sie wurde kontaktiert und lernte ihren Großvater kennen. Zudem fand die Amerikanerin den Namen ihrer Mutter heraus. Doch diese hatte sich von Melissas leiblichem Vater entfremdet. Schon wieder verlief eine Spur ins Nichts.

Im Jahr 2013 hatte die Suche schließlich ein Ende. Eine Cousine von Ruth, Melissas leiblicher Mum, meldete sich und vermittelte zwischen den beiden. Ruth hatte erst 2007 von der Existenz von Melissa erfahren. Sie hatte sich bislang nicht stark genug gefühlt, den Kontakt mit Melissa aufzunehmen. Das sollte sich nun ändern. Zaghaft tauschten sie erste Briefe und Mails aus.

Melissa erfuhr immer mehr von den grauenhaften Umständen ihrer Adoption. Ruth war von ihrer inzwischen verstorbenen Mutter zu der Abtreibung gezwungen worden. Sie dachte, die Abtreibung sei erfolgreich gewesen. Doch ohne Ruths Wissen wurde Melissa lebendig geboren. Ruths Mutter sagte dem Personal, Melissa sei "medizinischer Abfall" und sollte beiseite gelegt werden.

Nur dank einer Krankenschwester, die sich weigerte, überlebte Melissa. Ruth brach später den Kontakt mit ihrer Mutter ab. Im Jahr 2016 trafen sich die beiden schließlich das erste Mal im Zoo. Sie umarmten sich, als sie sich sahen, sehr lang. Ruth sagte: "Ich hatte nie die Chance, dich zu halten." Auch heute haben die beiden noch intensiven Kontakt miteinander.

Melissa ist Gründerin von "The Abortion Survivors Network". Sie hat des Öfteren TV-Auftritte und bereits ein Buch über ihre Geschichte veröffentlicht.

Titelfoto: Facebook/melissaohdensurvivor

Mehr zum Thema USA:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0