Vor laufenden Kameras: TV-Team wird bei Demo gegen Polizeigewalt verhaftet

Minneapolis (USA) - Bei den Demonstrationen gegen Polizeigewalt aufgrund des grausamen Mordes an George Floyd (TAG24 berichtete) wurde in der vergangenen Nacht ein komplettes CNN-Nachrichtentem von der Landespolizei verhaftet. Gründe nannte die Behörde nicht.

Die Landespolizei verhaftete den Produzenten der Nachrichtensendung.
Die Landespolizei verhaftete den Produzenten der Nachrichtensendung.  © Twitter/CNN

Das dürfte es in der langjährigen Geschichte des US-amerikanischen TV-Senders CNN noch nie gegeben haben: Während einer Liveübertragung von den massiven Protesten gegen die Gewalt der Polizei wurde die Redaktion vor Ort verhaftet.

Wie der Sender am heutigen Freitagmittag mitteilte, haben die Beamten womöglich nicht realisiert, dass sie während der Aktion live ins Fernsehen übertragen wurden.

So verhafteten sie zuerst gegen 5.11 Uhr Central Time (12.11 Uhr mitteleuropäischer Zeit) den Reporter Omar Jimenez und nur zwei Minuten später den Produzenten der Live-Nachrichtensendung. 

Anschließend wurde dem Kameramann sein Equipment abgenommen und auf den Boden gelegt. Im Bild war zu erkennen, wie ihm Handschellen angelegt wurden.

Gab offenbar keinen Grund für Verhaftung

CNN-Reporter Omar Jimenez wurde ebenso vor laufenden Kameras verhaftet.
CNN-Reporter Omar Jimenez wurde ebenso vor laufenden Kameras verhaftet.  © PR/CNN

In der Übertragung moderierte Jimenez seine Verhaftung sogar noch selbst an. 

Zwei Kollegen im TV-Studio in Atlanta konnten es nicht glauben, einer sagte sogleich "I've never seen anything like this" (deutsch: Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen).

Seine Kollegin im Studio erklärte den Zuschauern indes, dass das Kamerateam eine Genehmigung hatte, die Demonstration zu filmen und sich zu jeder Zeit an den von den Beamten vorgegeben Standort hielten.

Momente zuvor hörten die Zuschauer den Reporter zudem die Beamten fragen, ob der Platz nach wie vor in Ordnung sei oder sie lieber woanders stehen sollten. Jimenez wies sich zudem als akkreditierter CNN-Reporter aus.

Kurz darauf klickten aber die Handschellen. Warum, wurde weder den Betroffenen noch den Kollegen im Studio erklärt.

Die Verhaftung im Video

CNN-Team nach Stunden freigelassen

Das "Reporters Committee for Freedom of the Press", eine Organisation, die die Pressefreiheit in den USA verteidigt, verurteilt die Verhaftung aufs Schärfste: "Die Polizei darf Journalisten nicht daran hindern, über Proteste zu berichten, wenn sich die Reporter an einem Ort befinden, an dem die Öffentlichkeit zugelassen ist und die Strafverfolgungsbehörden nicht stören oder behindern." 

Und weiter: "Nur in der Nähe eines Protestes oder eines anderen wichtigen Ereignisses zu sein, ist kein Verbrechen."

Kritik kam auch von Charles Ramsey, einem ehemaligen Polizeichef: Er sagte gegenüber CNN, die Verhaftung habe "keinen Sinn ergeben". Die Behörde nun eine Vielzahl an Fragen zu beantworten. "So etwas sollte es auf keinen Fall geben."

Die Journalisten sind nach wenigen Stunden wieder freigelassen worden, als sich klärte, dass sie Medienvertreter seien, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.

Titelfoto: Twitter/CNN, PR/CNN

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