Missbrauchs-Beauftragte mit Forderung: "Aufarbeitung nicht Kirchen und Zufall überlassen"

Köln - Die neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus (59), fordert angesichts der kirchlichen Missbrauchsskandale ein gesetzlich verankertes "Recht auf Aufarbeitung".

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus (59), fordert die Einführung eines Rechts auf Aufarbeitung und will den Kirchen jede Chance zur Vertuschung und Täuschung nehmen.
Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus (59), fordert die Einführung eines Rechts auf Aufarbeitung und will den Kirchen jede Chance zur Vertuschung und Täuschung nehmen.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Aufarbeitung könne nicht den Kirchen und dem Zufall überlassen werden, es brauche qualitativ verbindliche Standards und ein staatliches Mandat, sagte Claus am heutigen Dienstag dem Radioprogramm WDR 5.

"Die Strafverfolgung wurde unterlassen", sagte Claus. Die Aufarbeitung müsse daher rückwirkend auch für verjährte Fälle gelten.

Sie habe ein Problem damit, den Tätern, die immer weitere Taten sexualisierter Gewalt angebahnt hätten, Straffreiheit zu gewähren.

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Die Bundesregierung habe sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, die Aufarbeitung zu stärken, sagte Claus.

Dies könne nur in externen Strukturen wirklich funktionieren. Diese sollten bei ihrem Amt angesiedelt sein. "Wir arbeiten momentan ganz konkret an den Grundlagen dieses Gesetzes. Ich möchte, dass dieses Gesetz 2023 verabschiedet wird. Es gehe um ein verlässliches Mandat, Kontrolle und Ressourcen."

Historiker hatten der katholischen Kirche im Bistum Münster am gestrigen Montag die Rolle einer Mittäterschaft attestiert. Der Bistumsleitung sei jahrzehntelanges Versagen und Strafvereitelung nachweisbar. Überführte Priester seien nicht aus dem Klerikerstand entfernt worden und hätten so weitere Kinder missbrauchen können.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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