Skandal um rechtsextreme Droh-Schreiben: Forscher kritisiert "Code of Silence" bei Polizei

Wiesbaden/Hamburg - Der Hamburger Polizeiforscher Rafael Behr (62) hat den Rücktritt des hessischen Polizeipräsidenten Udo Münch (64) als "politische Angelegenheit" bezeichnet, "die in der Sache nichts verbessert". 

Gibt es bei der Polizei eine Mauer des Schweigens, einen sogenannten "Code of Silence" (Symbolbild)?
Gibt es bei der Polizei eine Mauer des Schweigens, einen sogenannten "Code of Silence" (Symbolbild)?  © Boris Roessler/dpa

Hessens Innenminister Peter Beuth (52, CDU) hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass Münch um seine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand gebeten habe, weil aus seinem Haus wichtige Informationen zur Abfrage persönlicher Daten nicht an das hessische Innenministerium weitergegeben wurden (TAG24 berichtete).

Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar hatten nach den Abfragen ihrer öffentlich nicht zugänglichen Daten an hessischen Polizeicomputern rechtsextreme Drohschreiben erhalten – überwiegend mit der Unterschrift "NSU 2.0".

Neben dem Thema Rechtsextremismus in der Polizei gehe es auch um die Zusammenarbeit der polizeilichen Funktionsträger, sagte Polizeiforscher Behr am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. 

"Möglicherweise ist das genauso skandalträchtig wie das Thema Rechtsextremismus und möglicherweise haben die Reibungen in der Führungsspitze auch eine effektive Strafverfolgung und Ermittlungsarbeit eher behindert als befördert."

Behr forscht an der Akademie der Polizei Hamburg unter anderem zur Organisationskultur der Polizei, etwa zur sogenannten "Cop Culture", die nach außen zu internen Problemen und Missständen schweigt. 

"Jedenfalls wird jetzt deutlich, dass es nicht nur in der Cop Culture einen Code of Silence gibt, sondern auch in der 'Top Culture' der Polizei."

Hessens Innenminister Beuth hatte nach Bekanntwerden der Drohschreiben an Wissler nicht länger ausgeschlossen, dass es ein rechtes Netzwerk innerhalb der hessischen Polizei geben könnte und einen Sonderermittler berufen.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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