Rassismus-Vorwurf! Semsrott verlässt Die Partei, Sonneborn entschuldigt sich

Brüssel - Der Europa-Abgeordnete Nico Semsrott (34) hat seinen Austritt aus der Partei "Die Partei" verkündet.

Kabarettist und Poet Nico Semsrot (34) hat seinen Austritt aus der Partei Die Partei verkündet.
Kabarettist und Poet Nico Semsrot (34) hat seinen Austritt aus der Partei Die Partei verkündet.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Der Hamburger Satiriker begründete dies am Mittwoch damit, wie Parteichef Martin Sonneborn (55) mit Rassismusvorwürfen umgehe.

"Ich finde seine Reaktion auf die Kritik falsch und inakzeptabel. Das ging mir in der Vergangenheit schon in anderen Fällen so", heißt es in einer Erklärung, die Semsrott auf Twitter verbreitete.

Hintergrund ist unter anderem ein mittlerweile gelöschter Tweet Sonneborns von vergangener Woche. Dort war der Partei-Chef mit einem T-Shirt zu sehen, dessen Schriftzug suggeriert, Asiaten könnten kein R aussprechen. Etliche Nutzer gaben an, sich rassistisch beleidigt zu fühlen.

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Sonneborn legte mit einem weiteren Tweet nach, der ein Cover der Satire-Zeitschrift "Titanic" zeigt, deren Chefredakteur er früher war. Dazu schrieb er: "So, und jetzt bitte schön diskutieren, was Satire darf & soll, die Grenzen bitte nicht vergessen. Merke: der erste Zugriff ("Wah! Rassismus!") ist oft nicht der beste."

Semsrott wurde 2019 auf der Liste von Die Partei ins Europaparlament gewählt. Anders als Sonneborn, der als fraktionsloser Abgeordneter im EU-Parlament sitzt, hat er sich der Grünen-Fraktion angeschlossen.

"Ignoranter Umgang mit Feedback"

Als Europaabgeordneter will Semsrott vorerst weiter mitmischen.
Als Europaabgeordneter will Semsrott vorerst weiter mitmischen.  © Amelie Richter/dpa

Semsrott warf Sonneborn nun einen "ignoranten Umgang mit Feedback" vor. "Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren."

Wenn er Kritik keinen Raum geben könne, den gesellschaftlichen Kontext ausblende, "beleidigt seine Machtposition ausnutzt, sobald Betroffene sich gegen Beleidigungen wehren" und den Schwerpunkt darauf lege, dass "andere nur zu doof seien, seine Kunst zu verstehen", solle er gehen, "weil er aus der Zeit gefallen und am falschen Ort ist".

Er habe Sonneborn vor einigen Tagen gebeten, sich zu entschuldigen, schrieb Semsrott. "Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so."

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Die Partei sei in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch vor allem Sonneborns Projekt. Dafür wolle er sein Gesicht nicht weiter hergeben, so Semsrott. Sein Mandat als Europaabgeordneter werde er jedoch behalten.

Rassismus-Vorwurf: Sonneborn bedauert T-Shirt-Aufdruck

Der Satiriker, Mitglied des Europäischen Parlamentes und Bundesvorsitzende der Partei Die PARTEI, Martin Sonneborn (55).
Der Satiriker, Mitglied des Europäischen Parlamentes und Bundesvorsitzende der Partei Die PARTEI, Martin Sonneborn (55).  © picture alliance / Gregor Fischer/dpa

Der Europaabgeordnete Martin Sonneborn hat den als rassistisch kritisierten Witz inzwischen bedauert.

Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass sich jemand durch den Aufdruck eines satirisch gemeinten T-Shirts rassistisch diskriminiert fühlen könnte, erklärte der Chef der Satirepartei Die Partei auf Twitter.

"Wenn ein Witz aber zu rassistischer Verletzung führt, statt Reflexionsanstöße zu geben oder zumindest ein befreiendes Lachen nach sich zu ziehen, dann ist es ein misslungener Witz."

Und weiter: "Es tut mir leid, dass Menschen durch die Reproduktion dieser Stereotype verletzt wurden."

In seiner Erklärung vom Mittwochabend schrieb Sonneborn: "Die Exegese von Witzen gehört eigentlich nicht zu meiner Berufsbeschreibung."

Mit dem T-Shirt habe er nach dem Sturm von Anhängern des US-Präsidenten Donald Trump (74) auf das Kapitol die "zunehmend gegenstandsloser werdende weltpolitische Überheblichkeit der USA" und die "sinophoben Ausfälle und Polemiken ihres Präsidenten" karikieren wollen. Bei der Gestaltung des Shirts habe er sich "sprachlicher Stereotype bedient und ein billiges Klischee aufgenommen". Die Wirkung habe er unterschätzt.

Titelfoto: Philipp von Ditfurth/dpa

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