Riss in der Union durch die K-Frage: Gehen Unterschriften-Sammlungen herum?

Berlin - Kurz vor der Entscheidung entzweien sich CDU-Abgeordnete, um dem Favoriten Söder oder Laschet zum Sieg in der K-Frage zu verhelfen.

Söder (r., 54, CSU) hat auch in der CDU viele Fans. Dennoch traut sich Laschet (60, CDU) zu, die Meinung in der Fraktion zu seinen Gunsten zu drehen.
Söder (r., 54, CSU) hat auch in der CDU viele Fans. Dennoch traut sich Laschet (60, CDU) zu, die Meinung in der Fraktion zu seinen Gunsten zu drehen.  © Guido Kirchner/dpa

Der Druck auf die CDU steigt. Dass sowohl Markus Söder (54, CSU) als auch Armin Laschet (60, CDU) ihre Bereitschaft zur Kandidatur für die Kanzlerschaft erklärt haben, ist nun schon ein paar Tage her. Eine Einigung lässt aber nach wie vor auf sich warten.

In der Fraktion brodelt es. "In den nächsten Stunden muss eine Einigung her", bekräftigte ein Insider gegenüber der Bild-Zeitung. Der sächsische Landesvorstand machte bereits sehr deutlich, dass er auf der Seite von Söder steht. Der Osten sagt Laschet den Kampf an!

Politiker wie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (67, CDU) sammeln Unterschriften, um die Entscheidung zu beeinflussen.

Haseloff steht dabei klar auf der Seite von Schwesterpartei CSU und des Favoriten Söder: "Leider geht es jetzt nur um die harte Machfrage", positionierte er sich gegenüber dem Spiegel. "Es geht nicht um persönliche Sympathie, Vertrauen oder Charaktereigenschaften."

Die Umfragen seien entscheidend, und die stehen auf Söders Seite. "Man kann mit erhobenem Haupt und wehender Fahne für eine gute und richtige Position sein, aber trotzdem in der Opposition landen", so Haseloff.

Verwirrung, Finten und Selbstzerfleischung

Junge-Union-Chef Tilman Kuban (33) droht damit, den Kanzlerkandidaten in der Jungpartei entscheiden zu lassen.
Junge-Union-Chef Tilman Kuban (33) droht damit, den Kanzlerkandidaten in der Jungpartei entscheiden zu lassen.  © Lino Mirgeler/dpa

Auch gab es einen Aufruhr um eine Unterschriftenliste, die im Bundestag kursiert sein soll. Eine SMS ging herum, die sagte, dass Partei-Funktionäre "Vorbereitungen für den Fall" treffen, "dass sich beide Parteivorsitzende nicht einigen werden". Spuren führten zum Abgeordneten Carsten Müller (50, CDU), der bestritt aber, von einer Liste zu wissen.

Das zeigt: In der Partei herrscht Verwirrung, bewusste Finten werden ausgenutzt, um ein baldiges Ergebnis durchzudrücken. Aber auch Armin Laschet ist "felsenfest" davon überzeugt, die K-Frage für sich zu entscheiden und traue sich zu, ein womögliches Votum in der Unionsfraktion zu seinen Gunsten beeinflussen zu können.

Mahnende Worte kamen von der Junior-Partei, der Jungen Union (JU). Chef Tilman Kuban (33, CDU) machte sowohl dem Bayern-Ministerpräsidenten als auch dem NRW-Gegenpart Druck, und erklärte, die beiden sollten "endlich ihre Verantwortung für die Union begreifen". Kuban hielt eine Mitgliederbefragung der JU für möglich, sollte die CDU-Spitze nicht bis Samstag zu einem Ergebnis kommen.

Unmissverständlich lehnte er den Zwist der beiden Politiker ab: "Wenn die Selbstzerfleischung so weitergeht wie die letzten Tage, sorgen sie gemeinsam dafür, dass in Zukunft von CDU und CSU nicht mehr viel übrig ist."

Titelfoto: Guido Kirchner/dpa

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