Teures Früchtchen: Rossmann-Produkt zur Mogelpackung des Monats gekürt

Hamburg/Burgwedel - Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte im Oktober die Mogelpackung des Monats. Diesmal geht der Schmähtitel an ein Bio-Produkt von Rossmann.

Der Drogeriemarkt bietet Lebensmittel, Haushaltsgegenstände und vieles mehr an. Mogeleien stehen nun auch auf der Warenliste.
Der Drogeriemarkt bietet Lebensmittel, Haushaltsgegenstände und vieles mehr an. Mogeleien stehen nun auch auf der Warenliste.  © 123RF/deagreez&Andreas Gebert/dpa

Diese Trickserei ist weder fair noch besonders gut umgesetzt. Die Drogeriekette Rossmann lässt ihre Kunden für einen Fruchtaufstrich tiefer in die Tasche greifen. Dabei hat sich auch die Zusammensetzung des Produktes verändert, denn es besteht aus einen höheren Wasseranteil als zuvor. Dreist gelogen wurde übrigens auch noch.

Betroffen ist das Produkt "Enerbio Fruchtaufstrich". Getrickst wird seit kurzem bei den Sorten "Erdbeere", "Himbeere" sowie "Waldbeere". 

Normalerweise erhält man für den fruchtigen Aufstrich 340 Gramm für 1,69 Euro pro Glas. Doch nun sind es nur noch 300 Gramm, also 40 Gramm weniger. Der Preis bleibt allerdings gleich. Käufer zahlen somit im Schnitt 13 Prozent mehr.

Doch damit nicht genug! Denn zeitgleich stellte Rossmann die Zusammensetzung des Produktes um. Der Hersteller bewirbt zwar, dass weniger Zucker verwendet wird, doch dafür wurde eben einfach der Wasseranteil erhöht und mehr Petkin hinzugesetzt.

Das "streichfähige Wasser" besitzt eine geringere Dichte und etwas hellere Farbe. Für den Verbraucher sieht das Glas zwar gleich groß und voll aus, doch am Gewicht hat sich dadurch etwas geändert, es ist weniger geworden. Ziemlich gewieft, befanden zahlreiche Menschen und meldeten die Trickserei an die Verbraucherzentrale.

Besonders dreist: Der reduzierte Zuckeranteil wurde mit Wasser ersetzt

Dirk Roßmann ist der Unternehmer der Drogeriekette Rossmann.
Dirk Roßmann ist der Unternehmer der Drogeriekette Rossmann.  © Julian Stratenschulte/dp

Auch das Design erhielt eine Überarbeitung. Auf der Vorderseite des Glases prangt nun groß die Aufschrift "40 Prozent weniger Zucker". Doch ein Grund zur Freude ist das nicht, denn die Verbraucherzentrale stellte fest: Diese Aussage ist gelogen.

Denn der Zuckeranteil wurde von 42 Gramm auf 32 Gramm reduziert. 40 Prozent sind das nicht, sondern nur 24 Prozent. Kurioserweise wurde der Vergleich nicht mit der vorherigen Rezeptur des Aufstrichs gezogen, sondern mit einer fiktiven Marmelade.

Warum? Rossmann zog wohl den Vergleich mit einer Marmelade, die der Verordnung von Konfitüren entspricht. Denn die müssen einen Zuckergehalt von 55 Gramm pro 100 Gramm besitzen. Alles darunter sind Aufstriche. 

In einer Stellungnahme schrieb Rossmann, dass die Enerbio-Fruchtaufstriche überarbeitet wurden und nun einen neuen Artikel darstellen. 

Wörtlich schrieben sie: "Der höhere Einkaufspreis pro 100 Gramm aufgrund des reduzierten Zuckergehalts und gestiegener Rohstoffpreise und die überarbeitete höherwertigen Rezeptur mit reduzierter Grammatur, aber nahezu vergleichbarem Volumen rechtfertigte für uns somit auch die Tatsache, hier den bekannten Verkaufspreis von 1,69 Euro nicht nach unten anzupassen." 

Ein neuer Artikel, obwohl das Design nahezu identisch ist und auch der Name sich (fast) nicht änderte (von "Bio Erdbeer Fruchtaufstrich" zu "Bio Erdbeere Fruchtaufstrich")? Das Vorgehen von Rossmann bleibt fraglich. Auch ob der Einkauf wirklich teurer geworden ist, lässt sich schwer nachvollziehen. Immerhin werden weniger Erdbeeren verwendet und mehr Wasser hinzugefügt. Die gesteigerte Menge an Petkin dürfte nichts großartig an den Einkaufspreis ändern.

Die Verbraucherzentrale kommt zu dem Fazit, dass Rossmann die Zuckerreduktion von seinen Kunden bezahlen lässt, obwohl "nur streichfähiges Wasser zugesetzt wird".

Verbraucherzentrale Hamburg deckt Tricksereien auf

Im vergangenen Monat traf es den Hersteller Sensodyne, der bei der Zahnpasta heimlich trickste (TAG24 berichtete). Jährlich werden die besonders dreisten Betrügereien der kleinen und großen Händler von der Verbraucherzentrale stark kritisiert.

Die Ausreden folgen dabei immer einem bestimmten Schema: Gestiegene Einkaufspreise, umweltfreundliche Produktion und so weiter. 

Titelfoto: 123RF/deagreez&Andreas Gebert/dpa

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