Unwort des Jahres: Gleich zwei Sieger wurden gekürt

Darmstadt - Die Jury der sprachkritischen Aktion in Darmstadt hat für das Jahr 2020 ein Unwörter-Paar gekürt.

Auf einem Hinweisschild "Betreten verboten!" an einem Sportplatz haben Unbekannte den Schriftzug mit "Corona Diktatur" ergänzt.
Auf einem Hinweisschild "Betreten verboten!" an einem Sportplatz haben Unbekannte den Schriftzug mit "Corona Diktatur" ergänzt.  © Julian Stratenschulte/dpa

Die "Unwörter des Jahres" sind "Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften", wie die Jury am Dienstag mitteilte.

Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" möchte mit ihrer alljährlichen Aktion auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren.

Dabei werden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.

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Reine Schimpfwörter zählen nicht. Vorschläge müssen eines der Kriterien erfüllen. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort.

Dominierendes Thema der 1826 bis zum 31. Dezember 2020 eingegangenen Einsendungen mit 625 unterschiedlichen Vorschlägen sei die Coronavirus-Pandemie gewesen, sagte eine Sprecherin. 75 der Wörter entsprächen einem der vier Unwort-Kriterien.

"Absonderung", "Systemling", "Wirrologen" oder "Grippchen", sind unter anderem nach Angaben der Jury zum Thema Corona-Krise eingegangen.

Nina Janich, Sprachwissenschaftlerin an der TU Darmstadt und Sprecherin der Jury der sprachkritischen Aktion "Unwort des Jahres", hält in ihrem Institut zwei Pappschilder mit den Aufschriften "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur".
Nina Janich, Sprachwissenschaftlerin an der TU Darmstadt und Sprecherin der Jury der sprachkritischen Aktion "Unwort des Jahres", hält in ihrem Institut zwei Pappschilder mit den Aufschriften "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur".  © Arne Dedert/dpa

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt

Am häufigsten seien aber "systemrelevant" (180) und "Querdenker" (116) zum fast alles beherrschenden Thema des Jahres 2020 vorgeschlagen worden.

Es gab aber auch Vorschläge aus anderen Themengebieten. So seien im Zusammenhang mit Migration "Abschiebepatenschaft", "Ankerkinder" oder "Migrationsabwehr" vorgeschlagen worden.

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt. Im vergangenen Jahr war es "Klimahysterie".

Update, 11.35 Uhr: "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur"

"Rückführungspatenschaften" sei ein Begriff der EU-Kommission, mit dem neue Mechanismen der Migrationspolitik bezeichnet wurden. Das Wort sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff, teilte die Jury zur Begründung mit.

Der Begriff der "Corona-Diktatur" sei seit Beginn des öffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten "Querdenkern" und rechten Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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