Dieser Politiker ist Sachsens "Mr. Asyl"

Wie hier in Leipzig entstanden in ganz Sachsen Erstaufnahmeeinrichtungen.
Wie hier in Leipzig entstanden in ganz Sachsen Erstaufnahmeeinrichtungen.

Von Torsten Hilscher

Dresden/chemnitz - Kennst Du den? Nicht unbedingt. Doch Du kennst, was er tut: Dirk Diedrichs ist Sachsens "Mr. Asyl".

Unauffällig lenkt er im Freistaat die Geschicke Zehntausender Ankömmlinge. Am Montag hat er Geburtstag, wird 53 Jahre alt. Ende 2015 war Dirk Diedrichs einfach nur erschöpft, aber auch erleichtert.

Kein Wunder: 69.000 Asylbewerber gelangten von Januar bis Dezember nach Sachsen. Es galt, für jeden einzelnen ein Bett, Essen und ein Dach über den Kopf zu schaffen. Es wurde geschafft. Dass kann sich der gelernte Volkswirt anrechnen, auch wenn er dies nie sagen würde.

Dabei steht seine März 2015 geschaffene Stabsstelle Asyl, die er seit September mit mehr Einfluss und gar Weisungsrecht gegenüber der Landesdirektion führt, an der Front. Als strategische Steuereinheit, die auch über weite Teile des Jahres das operative Geschäft abdeckte.

Nicht optimal, aber besser als Zelte: Leichtbauhalle für Asylsuchende in Klotzsche.
Nicht optimal, aber besser als Zelte: Leichtbauhalle für Asylsuchende in Klotzsche.

Was sich fließend anhört, war bis kürzlich keine Selbstverständlichkeit. Chaos herrschte. Manchmal war binnen Stunden zu entscheiden, wie und wo die Menschen untergebracht werden. Nun gibt’s sogar Puffer bei den landeseigenen Plätzen.

Daher nutzt Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) als Chef den unrunden Ehrentag für Anerkennung: "Ich gratuliere Dirk Diedrichs herzlich zum Geburtstag und danke ihm sowie seinem gesamten Team für die engagierte Arbeit im vergangenen Jahr. Ich schätze besonders seine Leistungsfähigkeit und sein zielorientiertes Wirken im Hintergrund.

Als Chef der Stabsstelle Asyl hat Dirk Diedrichs einen großen Anteil dran, dass es uns in Sachsen immer gelungen ist, allen Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu bieten."

Und CDU-Innenexperte Christian Hartmann (41) lobt den "sehr pragmatischen, guten Job", den Diedrichs bislang gemacht habe. Vor allem die Steigerung der Erstaufnahmeplätze von 2000 auf nun 20.000 verdiene Respekt.

Dirk Diedrichs (53), Leiter der Stabsstelle Asyl im Innenministerium.
Dirk Diedrichs (53), Leiter der Stabsstelle Asyl im Innenministerium.

Nur die Linke schüttet Wasser in den Geburtstagspunsch. Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (37): "Auch die Linksfraktion hat in seine Personalie viel Hoffnung gesetzt, war doch das Agieren der Staatsregierung mit dem Thema Asyl vorher eher als planlos und fahrlässig zu klassifizieren."

Aus Sicht der Linken habe es "Herr Diedrichs" allerdings nicht geschafft, ein strukturiertes, abgestimmtes Handeln im Sinne der Kommunen und im Sinne der betroffenen Menschen, der Geflüchteten, auf den Weg zu bringen.

"Die Politik der Interim-Erstaufnahmeeinrichtungen, die oft über die Köpfe der betroffenen Kommunen und Kreise hinweg errichtet wurden, zog sich von Anfang bis Ende des Jahres. Die Zustände in den Einrichtungen sind oft katastrophal, mit einbrechendem Winter wurden und werden Zelte errichtet, an Schutzmechanismen für Kinder, Frauen oder andere Schutzbedürftige fehlt es komplett."

Statt beim Innenministerium sollte die Stabsstelle aus Sicht der Linksfraktion bei der Sächsischen Staatskanzlei angesiedelt sein. Begründung: "Um das Thema wirklich als Chefsache einzuordnen und ministerien- und behördenübergreifend agieren zu können. Es braucht zudem ein an Transparenz, Kooperation und Menschenwürde orientiertes Konzept für die Aufnahme von Geflüchteten in Sachsen. Diese Voraussetzungen kann eine Einzelperson wie Herr Diedrichs jedoch bei allem Engagement nicht alleine schaffen, dazu bräuchte es den politischen Willen der Verantwortlichen der Staatsregierung."

Das ist Dirk Diedrichs: Nach dem Abitur absolvierte er ein volkswirtschaftliches Studium an der Uni Köln. 1990 dann Eintritt in den Staatsdienst in Niedersachsen. Zwischenstation beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags, 1993-1996 im Bundesfinanzministerium. Ab 1996 im Sächsischen Finanzministerium. 2011 bis 2014 Staatssekretär im thüringischen Finanzministerium. Seit 2015 wieder in Sachsen

Fotos: Ralf Seegers (1), Christian Essler (1), Thomas Türpe (1)


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