"Kein Platz für antisemitische Hassprediger": München setzt ein klares Zeichen

München - Im Gedenken an die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten haben ranghohe bayerische Politiker zu einem entschiedenen Eintreten gegen Judenfeindlichkeit aufgerufen.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Charlotte Knobloch.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Charlotte Knobloch.  © Angelika Warmuth/dpa

"Wir müssen uns der Fratze des Judenhasses mit allen Mitteln entgegenstellen", sagte der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) anlässlich der Internationalen Nacht der Überlebenden des Holocaust am Sonntag in München.

"Es geht um nichts Geringeres als um die Menschenwürde im Alltag, wie jüdische Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft ihren Lebensentwurf umsetzen."

Man müsse unmissverständlich klar machen, "dass für antisemitische Hassprediger bei uns kein Platz ist, nie wieder Platz ist", mahnte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Das bayerische Justizministerium teilte auf Anfrage mit, in den ersten drei Quartalen 2019 seien mehr als 130 antisemitische Straftaten im Freistaat registriert worden.

Zum Vergleich: Für das gesamte Jahr 2018 wurden 219 Fälle gemeldet. Dabei berief sich das Ministerium auf eine Antwort auf eine aktuelle Landtagsanfrage der AfD.

München sei damals ein Zentrum des Nationalsozialismus gewesen, sagte Reiter. "Gerade hier in München, darf es nie wieder unwidersprochen Antisemitismus geben, auch nicht in seiner kleinsten Form", sagte er vor rund 300 Holocaust-Überlebenden und ihren Angehörigen. Immer wenn es den Anschein habe, es werde ungemütlich, müsse die Gesellschaft aufstehen.

Holocaust-Erinnerung ist eine "schwierigere Aufgabe"

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) richtete sich gegen "antisemitische Hassprediger".
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) richtete sich gegen "antisemitische Hassprediger".  © Angelika Warmuth/dpa

Die Internationale Nacht der Überlebenden des Holocaust wird seit 2017 begangen. Neben München waren auch Veranstaltungen in Jerusalem, Moskau, Paris und New York geplant.

Weltweit lebten noch rund 400.000 Menschen, die die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg erlebt haben, sagte Rüdiger Mahlo von der sogenannten Claims Conference, die sich für die Belange der Überlebenden einsetzt.

Er wies darauf hin, dass rund 40 Prozent der Überlebenden weltweit unterhalb der Armutsgrenze ihres jeweiligen Landes lebten.

"Die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten, ist eine entscheidende und immer schwierigere Aufgabe", hatte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und selbst Überlebende, vorab gesagt.

Jene, die Berichten könnten, würden immer weniger, sagte sie nun. Dem Rassenwahn der Nationalsozialisten waren etwa in Konzentrationslagern rund sechs Millionen Juden zum Opfer gefallen.

Verbunden wurde die Zeremonie mit dem Entzünden der Kerzen der Menora zum Start des jüdischen Lichterfests Chanukka. Der siebenarmige Leuchter ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Das Lichterfest erinnert an die Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 165 vor Christus.

Titelfoto: Angelika Warmuth/dpa

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