"Nix. No other language": Politiker und der Kampf mit dem Englisch

München - Erwin Huber, Günther Oettinger, Hubert Aiwanger: Immer wieder sorgen deutsche Politiker mit eigenwilligem Englisch für Amüsement. Eins muss man ihnen aber zugute halten: Sie haben es wenigstens versucht - im Gegensatz zu anderen Politiker-Kollegen.

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, steht während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne.
Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, steht während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne.  © DPA

Es waren lange Minuten für Hubert Aiwanger und sein Publikum. Langsam und tapfer quälte sich Bayerns Wirtschaftsminister beim hippen Start-Up-Festival "Bits & Pretzels" im Vorprogramm von Barack Obama durch seine abgelesene Rede über das "Gründerland Bayern".

Er tat sich hörbar schwer mit der fremden Sprache, sein niederbayerischer Akzent, für den er im Deutschen schon berühmt ist, machte auch vor der englischen Sprache nicht Halt. ZDF-Moderator Jan Böhmermann erlitt einen "Lachflash", wie er auf Twitter ausbreitete. Sein Kollege Joko Winterscheidt wurde abgelichtet, wie er sich lachend eine Träne aus dem Augenwinkel wischt.

Dabei muss man dem Niederbayern Aiwanger (Freie Wähler) allerdings zwei Dinge zugute halten: Erstens war die Rede, die er "runtergelesen" habe, wie er der Deutschen Presse-Agentur am Tag danach sagte, nicht - wie bei Oettinger - gespickt mit denglischen Ausführungen ("We are all sitting in one boat"), und zweitens hat er es wenigstens versucht.

Ganz im Gegenteil beispielsweise zum bundesdeutschen Innenminister und langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), der dabei gefilmt wurde, wie er auf die Bitte nach einer englischen Antwort - auch alles andere als akzentfrei - sagt: "Nix. No other language."

Auch Guido Westerwelle weigerte sich auf Englisch zu antworten

Horst Seehofer (l, CSU).
Horst Seehofer (l, CSU).  © DPA

Sein Vorgänger als CSU-Chef, Erwin Huber, galt auch nicht unbedingt als Shakespeare. "Mein Englisch hat den Leuten Spaß gemacht", sagte er einmal im Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Es war Kult, dass der Huber ein Grußwort in Englisch spricht. Sicher war da immer Spott dabei, aber ich hab' den Leuten halt diese Freude gemacht."

Der inzwischen verstorbene, damals designierte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) weigerte sich vor seinem Amtsantritt 2009, die Frage eines britischen BBC-Journalisten auf Englisch zu beantworten - und wurde daraufhin auf Facebook systematisch verspottet in der Gruppe "Westerwave – no one can reach me the water".

"Akzent-bashing ist in Deutschland generell populär - nicht nur bei Politikern", sagt die Anglistik-Professorin Stephanie Hackert von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Die Rockband Scorpions beispielsweise treffe es immer wieder. "Das hat eine lange Tradition."

Expertin: Akzent hat nichts mit Sprachkenntnissen zu tun

Dorothee Bär (CSU, r), Staatsministerin für Digitalisierung, und Hubert Aiwanger (Freie Wähler).
Dorothee Bär (CSU, r), Staatsministerin für Digitalisierung, und Hubert Aiwanger (Freie Wähler).  © DPA

Dabei habe der Akzent allein mit Sprachkenntnissen wenig zu tun, betont sie. "Das Lautsystem ist unabhängig vom Vokabular. Man kann durchaus einen starken deutschen Akzent haben und trotzdem exzellentes Englisch sprechen."

Dass dennoch immer wieder die Gleichung: starker Akzent gleich schlechte Fremdsprachenkenntnisse gleich schlechte Bildung aufgestellt wird, nennt sie "einen Trugschluss".

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung sind die Fremdsprachenkenntnisse deutscher Politiker insgesamt viel besser als ihr Ruf. "Die deutschen Politiker sind, was Fremdsprachen betrifft, viel viel besser als die Amerikaner oder die Franzosen. Die sprechen nämlich fast gar keine", sagt der Vorsitzende der Gesellschaft, Dominik Meier.

"Wenn ein deutscher Politiker sich auf eine Bühne vor 150 Leute stellt und Englisch spricht, obwohl er weiß, dass er es nicht gut kann, dann bewerte ich das als positives Zeichen der Offenheit."

Als Vertreter einer Exportnation sei es wichtig, ein solches Zeichen zu senden. "Da sollte man sich von solchen hämischen Zwischenrufen nicht entmutigen lassen."

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