39-Jähriger stirbt nach Festnahme: Trägt die Polizei eine Mitschuld?

Vor diesem Haus wurde der Mann von der Polizei Bielefeld festgenommen.
Vor diesem Haus wurde der Mann von der Polizei Bielefeld festgenommen.

Bielefeld - Hat die Polizei aus Bielefeld den Tod eines 39-Jährigen auf dem Gewissen? Dieser Frage geht derzeit die Rechtsmedizin nach. Denn nach einem Einsatz wegen Ruhestörung verstarb der Störenfried im Krankenhaus.

Am Samstag (15. Oktober) wurde die Polizei gegen Mitternacht wegen Ruhestörungen nach Brake gerufen. Ein Beamter und zwei Beamtinnen rückten an.

Sie trafen auf einen türkischen Mann (39), der zu seiner getrennten Frau in die Wohnung wollte. Gegenüber der Neuen Westfälischen berichtete die ermittelnde Staatsanwältin Stefanie Jürgenlohmann, dass die Ehefrau den Kneipenwirt zwischen 23 und 24 Uhr rauswarf.

Er soll wohl viel Alkohol und Kokain zu sich genommen haben. Als der Mann vor die Tür gesetzt wurde, bockte er so lautstark herum, dass die Nachbarn die Polizei riefen.

Der Türke wollte sich verschanzen. Doch die angerückten Beamten wollte dies verhindern und schlugen ihm mehrfach ins Gesicht. Auch Pfefferspray wurde eingesetzt.

Als die Polizisten den Ruhestörer festnahmen, lag er mit fixierten Armen auf dem Rasen. Er schrie laut nach Allah und rief Angehörige um Hilfe: "Die wollen mich umbringen."

Zeugen haben mitbekommen wie ein Beamter auf dem Rücken des 39-Jährigen saß und wohl sagte: "Ruf Du nur weiter nach Deinem Gott."

Auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb der 39-Jährige Mann. 
Auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb der 39-Jährige Mann.

Auf dem Weg ins Krankenhaus kollabierte der Patient mehrfach. Ganze sechsmal musste er wiederbelebt werden. Am Montag (17. Oktober) verstarb der Mann.

Nun hat die Ehefrau eine Anzeige gegen unbekannt erstattet. Ihr Anwalt Peter Wüller: "Meine Mandantin möchte wissen, woran ihr Mann gestorben ist. Angesichts der Vorkommnisse in dieser Nacht können wir nicht absehen, ob der Polizeieinsatz mitursächlich war."

Weil bisher nicht genau geklärt werden konnte woran der Festgenommene starb, wurde der Leichnamen obduziert.

Das Ergebnis war: "Der Tote hatte Hämatome im Gesicht, Abschürfungen und Schnittwunden durch die Kabelbinder an den Hand- und Fußgelenken“, erklärte Jürgenlohmann gegenüber der NW. Wüller hat sich Bilder des Toten zeigen lassen: „Da dachte ich gleich: Hier muss etwas schief gelaufen sein.“

Die Rechtsmedizin schließt aber aus, dass diese Verletzungen todesursächlich waren, so Jürgenlohmann. Man müsse nun noch auf das Ergebnis der toxikologischen und feingeweblichen Analyse warten. Die Polizei Bielefeld wollte sich gegenüber der Neuen Westfälischen dazu nicht äußern. 


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