Drei Iraker wegen Terror-Verdachts festgenommen: Bomben-Anschlag geplant?

Hamburg/Kreis Dithmarschen – In der schleswig-holsteinischen Ortschaft Dithmarschen bei Meldorf gab es im Morgengrauen einen Großeinsatz der Polizei. Hier hatte sich vermutlich eine radikal-islamistische Terrorgruppe versteckt.

Auf diesem Grundstück im Kreis Dithmarschen kam es am Mittwochmorgen zu einem großen Polizeieinsatz wegen Terroverdachts.
Auf diesem Grundstück im Kreis Dithmarschen kam es am Mittwochmorgen zu einem großen Polizeieinsatz wegen Terroverdachts.  © DPA

Die Ermittler habe die mutmaßliche Terrorzelle, verschiedenen, unabhängigen Medienberichten zufolge, am Mittwochmorgen im Zuge eines Großeinsatzes ausgehoben.

Auf Nachfrage von TAG24 konnte die Pressestelle der Polizei Schleswig-Holstein, mit Verweis Vorgänge nicht offiziell bestätigt werden. Die Generalbundesstaatsanwaltschaft hat nach Angaben einer Sprecherin die Zuständigkeit für den Fall übernommen, was darauf hinweist, dass es sich bei dem Großeinsatz tatsächlich um einen Einsatz zur Terrorbekämpfung gehandelt hat.

Drei Flüchtlinge aus dem Irak werden verdächtigt, einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Das berichten unter anderem Spiegel Online und der NDR unabhängig voneinander.

Beamte des Bundeskriminalamts haben demnach drei Männer festgenommen, die einen Terroranschlag geplant haben sollen.

Ein Hinweisschild mit Bundesadler und dem Schriftzug "Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof" ist an der Karlsruher Bundesanwaltschaft angebracht.
Ein Hinweisschild mit Bundesadler und dem Schriftzug "Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof" ist an der Karlsruher Bundesanwaltschaft angebracht.  © DPA

Die dpa berichtet, dass der Generalbundesanwalt mitteilte, es werde zwei Männern im Alter von 23 Jahren die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Ein Dritter, 36-jähriger Mann habe Beihilfe geleistet.

Die Anschlagspläne seien islamistisch motiviert gewesen.

Ein konkretes Ziel für einen Anschlag hätten die Beschuldigten den bisherigen Erkenntnissen zufolge noch nicht ins Auge gefasst, hieß es vom Generalbundesanwalt.

Weiter hieß es in der Pressemeldung der Agentur, dass die jungen Männer nach Erkenntnissen der Ermittler bereits eine Bombenbauanleitung im Internet heruntergeladen hatten und damit begonnen, aus Silvesterraketen Schwarzpulver zu gewinnen.

Zudem hatten sie laut Bundesanwaltschaft eine Zündvorrichtung in Großbritannien bestellt. Sie hätten auch vorgehabt, sich eine Waffe zu besorgen.

Einer der Männer habe Fahrstunden genommen, um bei einem Anschlag ein Fahrzeug einzusetzen.

Medienberichte über kleine Kinder als Anschlagsziel

Polizisten sichern ein Gebäude im schleswig-holsteinischen Meldorf.
Polizisten sichern ein Gebäude im schleswig-holsteinischen Meldorf.  © dpa/Bodo Marks

Dem Online-Portal Boyens Medien nach hätten die mutmaßlichen Terroristen mit dem geplanten Anschlag "Ungläubige, aber keine Kinder" treffen wollen. Der Spiegel berichtet Ähnliches.

Ihren Plan hätten die Männer erst nach ihrer Ankunft im Herbst 2015 in Deutschland entwickelt, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht.

Hilfe dafür hätten sie dabei von einem Unbekannten über den verschlüsselten Messenger "Telegram" erhalten.

Ob die Männer in eine terroristische Vereinigung eingebunden waren, müssten die weiteren Ermittlungen klären.

Die Verdächtigen werden nun dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt.

Update, 16.31 Uhr: Durchsuchung in Baden-Württemberg

Im Zusammenhang mit der Festnahme der drei Terrorverdächtigen in Schleswig-Holstein ist auch eine Wohnung im Kreis Karlsruhe durchsucht worden.

Nach Informationen von SWR und dpa geht es um eine Frau in Forst, die als Zeugin geführt wird.

Update, 16.50 Uhr: Das ist bis jetzt bekannt

Beamte des BKA und Polizisten waren am Mittwochmorgen in Meldorf im Einsatz.
Beamte des BKA und Polizisten waren am Mittwochmorgen in Meldorf im Einsatz.  © dpa/Bodo Marks

Die Polizei hat in Schleswig-Holstein eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle ausgehoben und damit einen geplanten Anschlag in Deutschland vereitelt.

Spezialkräfte der Polizei, darunter die GSG 9, nahmen am Mittwoch drei Iraker im Kreis Dithmarschen fest, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte.

Ihre Wohnungen wurden durchsucht. Die Flüchtlinge besorgten sich demnach in den vergangenen Wochen Anleitungen zum Bombenbau, unternahmen Sprengversuche und versuchten auch, einen Zünder und eine Pistole zu beschaffen.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, berichtete, die Verdächtigen hatten den Ermittlungen zufolge die Absicht, "möglichst viele Menschen zu töten".

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hatten die Beschuldigten aber noch kein konkretes Anschlagsziel ausgewählt. Ihre Sprengversuche mit 250 Gramm Schwarzpulver aus Silvesterböllern waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden nicht sehr professionell. Ob sie in eine terroristische Vereinigung eingebunden sind, müssten die Ermittlungen klären.

Gegen zwei der Männer, Shahin F. und Hersh F., wird wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Beide sind 23 Jahre alt. Der 36-jährige Rauf S. soll Beihilfe geleistet haben, indem er versuchte, eine Schusswaffe zu besorgen.

Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, sagte, ihnen sei zunächst für 1500 Euro eine Pistole angeboten worden, dann für 1200 Euro. Das war für die Verschwörer wohl zu viel Geld.

Zudem erwog das Trio, bei ihrem Anschlag ein Auto einzusetzen. Daher habe Shahin F. Fahrunterricht genommen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Beweismittel stehen auf einem Koffer mit einer Akte neben einem Auto des Bundeskriminalamtes.
Beweismittel stehen auf einem Koffer mit einer Akte neben einem Auto des Bundeskriminalamtes.  © dpa/Bodo Marks

Die Festgenommenen sollten am Mittwochabend dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Er entscheidet, ob sie in Untersuchungshaft kommen.

Die Bundesanwaltschaft sieht zwar Bezüge zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Doch seien diese "bei weitem keine Belege dafür, dass sie im Auftrag des sogenannten Islamischen Staates handelten oder aber gar Mitglieder der ausländischen terroristischen Vereinigung IS wären", sagte die Sprecherin.

Nach bisherigen Ermittlungen entschlossen sich die beiden jüngeren Männer Ende 2018, in Deutschland einen Anschlag zu verüben und begannen mit den Vorbereitungen.

Erste Hinweise an die Polizei kamen vom Bundesamt für Verfassungsschutz, wie Innenminister Horst Seehofer berichtete.

Der CSU-Politiker lobte die gute Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern.

Er wies darauf hin, dass die Sicherheitslage angespannt bleibe. Ein terroristischer Anschlag könne jederzeit erfolgen.

Bundespolizisten führen einen Terrorverdächtigen aus einem Helikopter. Er und die anderen beiden Verdächtigen sollen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden.
Bundespolizisten führen einen Terrorverdächtigen aus einem Helikopter. Er und die anderen beiden Verdächtigen sollen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden.  © dpa/Fabian Sommer

Die Männer genossen nach Angaben Münchs in Deutschland sogenannten subsidiären Flüchtlingsschutz. Dieser Schutz greift, wenn die Asylbehörden weder den offiziellen Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewähren, jedoch im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht - etwa Folter oder Todesstrafe.

Hilfe erhielten die Männer einem Spiegel-Bericht zufolge von einem Unbekannten über den verschlüsselten Messengerdienst "Telegram".

Durchsucht wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft auch die Wohnungen weiterer, bislang nicht tatverdächtiger Kontaktpersonen. In Mecklenburg-Vorpommern gab es nach dpa-Informationen Durchsuchungen in Ludwigslust. In Baden-Württemberg durchsuchten Beamten in Forst im Kreis Karlsruhe die Wohnung einer Frau.

Die Bundesanwaltschaft berichtete, die Auslieferung der in Großbritannien über einen Kontaktmann bestellten Zündvorrichtung sei von den dortigen Strafverfolgungsbehörden verhindert worden. Rauf S. verhandelte der Behörde zufolge zudem über den Kauf einer Pistole vom Typ Makarov 9 Millimeter mit einem Verdächtigen namens Walid Khaled Y.Y..

Der Anbieter der Waffe ist dem Vernehmen nach nicht als Islamist bekannt. Er werde "gesondert verfolgt", teilte der Generalbundesanwalt mit.

Titelfoto: dpa/Fabian Sommer

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