Flüchtlinge weigern sich, in Turnhalle einzuziehen!

Die Polizei rückte mit mehreren Dutzend Beamten an.
Die Polizei rückte mit mehreren Dutzend Beamten an.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - In Dresden-Übigau begann am Vormittag die Räumung der Blockade vor der geplanten Asyl-Unterkunft in der Thäterstraße.

Die blockierende Initiative „Wir sind Übigau“ kündigte an, die Blockade aufrecht zu halten, versammelte über 20 Menschen.

Die Polizei rückte mit mehreren Dutzend Beamten an, um nach drei Wochen des Protests einen der Wege zur ehemaligen Sporthalle freizumachen. "Sechs Personen mussten weggetragen werden. Das verlief friedlich. Jetzt beginnt der Aufbau in der Halle durch Handwerker", so Polizeisprecher Thomas Geithner (41).

Der Zugang zur Halle erfolgt über einen anderen Weg. Das Protest-Zelt steht weiterhin, rund 50 Anwohner haben sich hier versammelt.

Ortsamtsleiter Christian Wintrich (59) hatte am Mittwoch versucht, die Initiative zur Freigabe zu bewegen. Er hatte angekündigt, dass die Halle unbedingt für Flüchtlinge genutzt werden müsse.

Insgesamt 59 Flüchtlinge sollen in der Notunterkunft Platz finden. Sie kommen zunächst aus der Unterkunft Nöthnitzer Straße.

Nach der Räumung sollen 59 Flüchtlinge in der Turnhalle Platz finden.
Nach der Räumung sollen 59 Flüchtlinge in der Turnhalle Platz finden.
Erst strömten die Flüchtlinge in die Halle...
Erst strömten die Flüchtlinge in die Halle...

UPDATE, 10:42 Uhr: Die ersten Flüchtlinge sind in Übigau eingetroffen. Doch es gibt sofort eine Überraschung, denn nachdem die Menschen sich die Halle angeschaut haben, kommen sie sofort wieder raus und weigern sich, das Gebäude zu beziehen. Sind die Zustände in der Halle schuld? Die Flüchtlinge warten jetzt auf einen Dolmetscher.

In Chemnitz-Markersdorf gab es vor 14 Tagen ähnliche Probleme (MOPO24 berichtete). Es mündete in einem Streik der Asylbewerber, der sich bis heute nicht beruhigt hat. Teilweise sind Flüchtlinge in der Kirchgemeinde untergekommen.

...dann kamen sie wieder heraus und weigern sich nun, die Halle zu beziehen.
...dann kamen sie wieder heraus und weigern sich nun, die Halle zu beziehen.

UPDATE, 11:08 Uhr: Radio Dresden twittert, dass wegen des Einsatzes vor der Turnhalle die Werftstraße für den Autoverkehr und für Busse gesperrt wurde.

UPDATE, 11:14 Uhr: Die Flüchtlinge sind jetzt doch in die Halle gegangen, Anwohner stehen an zwei Punkten versammelt und diskutieren. Die Polizei sichert alles rundherum massiv ab.

UPDATE, 11:50 Uhr: Nicht alle Flüchtlinge sind in der Halle, einige weigern sich offenbar immer noch, in die Unterkunft einzuziehen. Sie wünschen sich eine bessere Ausstattung, zum Beispiel eine zweite Decke. Unterdessen wird Mittagessen angeliefert.

UPDATE, 12:02 Uhr: Anwohner Tom, der die Proteste seit Anfang an begleitet, im MOPO24-Interview: „Die Anwohner haben sich darauf geeinigt, den Protest weiterzuführen, unter gewissen Auflagen seitens der Stadt.“

UPDATE, 12:11 Uhr: Inzwischen haben sich alle Flüchtlinge in die Halle zurückgezogen, am Blockadezelt sind noch rund 30 Personen versammelt. Die Polizei zieht sich etwas zurück, bleibt aber zur Wache vor Ort. Das Ordnungsamt entscheidet noch über die Zukunft des Blockadezeltes.

UPDATE, 12:56 Uhr: Die offiziellen Vertreter reisen nun ab. Ordner und Polizei bewachen die Halle, wenige Anwohner sind noch vor Ort. Polizeisprecher Thomas Geithner: "Wir bleiben mit Beamten vor Ort, auch die ganze Nacht."

UPDATE, 13:31 Uhr: Sven Mania, Asyl-Projektmanager Bezug der Stadt Dresden, erklärt im MOPO24-Interview: „Das Problem war, dass wir mit der Ausstattung der Halle noch nicht komplett fertig waren. Das hatte die Leute zunächst erschrocken und führte zu einer ablehnenden Haltung der Flüchtlinge. Wir gehen davon aus, dass der innere Frieden in der Halle jetzt hergestellt ist."

UPDATE, 18:30 Uhr: Für eine kleine Geste der Menschlichkeit sorgte die Initiative „Übigau sagt Willkommen“ am Abend: Einige Anwohner brachten Kuchen vorbei, begrüßten die neuen Nachbarn. Eine Übergabe in der Halle wurde nicht gestattet, niemand außer der Flüchtlinge wird in die Unterkunft gelassen. Dafür sorgen die zahlreichen Ordner.

Fotos/Videos: Steffen Füssel, Thomas Türpe, Dominik Brüggemann


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