Zwangsräumung! Polizei setzt Wittenberger Reichsbürger vor die Tür

Die letzten Königstreuen mussten das ehemalige Klinikgelände in Wittenberg am Montag verlassen.
Die letzten Königstreuen mussten das ehemalige Klinikgelände in Wittenberg am Montag verlassen.  © DPA

Lutherstadt Wittenberg - Das "Königreich Deutschland" ist endgültig Geschichte. Die ehemalige Klinik in Wittenberg ist am Montag zwangsgeräumt worden.

Der zuständige Gerichtsvollzieher hatte für den Fall der Fälle vorgesorgt: Über 100 Polizisten positionierten sich, zum Teil mit schwerem Gerät, vor dem Klinikgelände im Stadtteil Apollensdorf. Das berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung".

Insgesamt 15 Menschen mussten ihre Wohnungen sofort verlassen und durften dabei höchsten Handgepäck mitnehmen. Doch trotz des ruppigen Rauswurfs ging die Aktion friedlich über die Bühne. Die verbliebenen Bewohner leisteten keinen Widerstand.

Dennoch waren sie völlig ratlos. "Es herrscht unendliches Chaos. Wir wurden einfach vor die Tür gesetzt", zitiert die MZ Martin Schulz, der sich selbst als "Amtmann" bezeichnet.

Eine andere Bewohnerin erzählte: "Als meine neunjährige Tochter anfing zu weinen, haben wir das Objekt verlassen." Die Frau verzichtete sogar auf ihre Handtasche. "Ich versuche, jetzt bei Bekannten in Berlin unterzukommen", so die zweifache Mutter weiter. Laut Stadtsprecherin Karina Austermann stehen Notunterkünfte bereit.

Die auf dem Klinikgelände verbliebenen Bewohner des "Königreichs Deutschland" hatten bereits am Samstag von der bevorstehenden Zwangsräumung erfahren. Allerdings glaubten sie noch an die Gültigkeit ihrer Mietverträge. Am Montagmorgen versuchte "Amtmann" Martin Schulz im Polizeirevier, die Zwangsräumung doch noch zu stoppen.

Es gebe keine Eintragung ins Grundbuch, die einen neuen Eigentümer bestätigt oder eine Räumungsklage, so seine Argumentation. Allerdings erklärte das Landgericht Dessau auf MZ-Anfrage, eine einstweilige Verfügung wegen "Verbotener Eigenmacht" ausgestellt zu haben. Die insgesamt 18 Mietverträge mit dem Verein "Ganzheitliche Wege" seien dem Richter bei seiner Entscheidung bekanntgewesen. Die Vertreter des Königreichs und der Vereinsspitze sind identisch.

Damit konnte der neue Eigentümer des abgewickelten Königreichs, ein Gemüseproduzent, am Montag sein Eigentum betreten. Ende April hatten ihm die verbliebenen Königstreuen dies verweigert (TAG24 berichtete). Das Unternehmen will in dem Gebäude Erntehelfer aus Polen und der Ukraine unterbringen.


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