Twitter-User hetzt gegen Ausländer, Polizei serviert ihn eiskalt ab

Nürnberg - Die Polizei in Mittelfranken hat auf Versuche von Hetze gegen Geflüchtete und Ausländer im Internet reagiert und Vorurteile zurückgewiesen - und wird dafür gefeiert.

Opferrolle rückwärts: Die Polizei nahm diesem User schnell den Wind aus den Segeln.
Opferrolle rückwärts: Die Polizei nahm diesem User schnell den Wind aus den Segeln.  © Screenshot/twitter

Es sollte ein rein informativer Tweet des Polizeipräsidiums Mittelfranken werden: "Anstieg der #Gewaltdelikte gegen unsere Kollegen in den letzten Jahren" wird der Beitrag eingeleitet. Unter anderem folgt darauf ein Bild mit eingearbeiteten Zahlen und Daten.

Ein User, dessen 26 Follower regelmäßig von teils abenteuerlich klingender Nachrichten gegen Ausländer und Flüchtlingspolitik durch ihn versorgt werden, fühlte sich hierbei offensichtlich getriggert.

Er sah die Asylbewerber, die seit 2015 in Deutschland Zuflucht fanden, als Grund für die Gewalt und ließ durch die Formulierung sogar den Gedanken aufkeimen, dass der Polizei zu dem Thema eine Art "Maulkorb" angelegt wurde.

Er schrieb: "Darüber darf wahrscheinlich die Polizei nicht reden aber seid unsere 'Fachkräfte' hier sind vermute ich mal, machen auch ein erheblicher Teil dieser Menschen Übergriffe auf unsere Polizei aus - die Polizei muss das täglich neu 'ausbaden' mit dieser Politik..." (Rechtschreibung übernommen)

Das wollten die Beamten so nicht stehen lassen und ergänzten ihren Beitrag mit den Worten: "Wir können ganz offen darüber reden. Der größte Anteil ist männlich, weiß, deutsch und stark alkoholisiert." Männlich, weiß und deutsch dürfte dem User nicht gefallen haben - diese drei Punkte treffen allem Anschein nach auch auf ihn zu. Vielleicht ein Grund, warum er daraufhin nichts mehr unter den Threat schrieb. Dafür haben zahlreiche andere die Situation mit hämischen Kommentaren und Bild-Dateien gefeiert.

Ein Sprecher der Polizei stellte am Montag auf dpa-Anfrage klar, dass der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei den Übergriffen seit drei Jahren rückläufig sei. Bayernweit nahm die Gewalt gegen Polizisten im vergangenen Jahr zu. Mit 7.689 Fällen wurde 2018 ein neuer Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2010 registriert - 2017 waren es 7334 Fälle.

Der überwiegende Teil der Tatverdächtigen war männlich: 86 Prozent, bayernweit waren 28,7 Prozent der Tatverdächtigen Ausländer, zwei Drittel aller Tatverdächtigen standen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Titelfoto: Screenshot/twitter

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