Polizei-Haudegen Merbitz sagt nach 44 Jahren "Servus"

Leipzig - Vor vier Jahrzehnten fing er als Streifenpolizist auf der Eisenbahnstraße an, heute sagte er als Polizeipräsident "Servus".

Gerührt blickt Polizeichef Bernd Merbitz (62) in den Saal, als nach seiner Abschiedsrede stehender Applaus aufbrandet.
Gerührt blickt Polizeichef Bernd Merbitz (62) in den Saal, als nach seiner Abschiedsrede stehender Applaus aufbrandet.  © Dirk Knofe

Bernd Merbitz (62), charismatischer Polizeichef von Leipzig, hatte 200 Freunde und Weggefährten ins Rathaus eingeladen. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) und der russische Generalkonsul Andrey Jurevich Dronov gehörten ebenso zur illustren Runde wie RB-Sportdirektor Ralf Rangnick, Zoo-Chef Jörg Junhold und Leipzigs OB Burkhard Jung (SPD).

Letzterer bezeichnete Merbitz als einen „Glücksfall für Leipzig“, der „mit heißem Herzen“ für die Stadt gebrannt habe. Dass auch sein Mundwerk heftig heißlaufen kann, bewies der Geehrte in seiner emotionsgeladenen und anekdotenreichen Abschiedsrede.

Als Landespolizeichef (2007 - 2012) habe er zuletzt 75 Prozent des Tages Abwehrkämpfe gegen die „Teppichetage“ des Innenministeriums geführt, gab Merbitz zum Besten.

Gemeint war das Büro des ehemaligen Ministers Markus Ulbig (CDU), der Merbitz 2012 nach heftigem Disput um Stellenkürzungen als Landespolizeichef abservierte. „Ich lasse mich nicht verbiegen“, donnerte Merbitz. Er sei deshalb gern nach Leipzig gegangen, um sich auch künftig noch im Spiegel anschauen zu können. Ulbigs Kürzungspläne sind inzwischen längst revidiert.

Polizeipräsident Bernd Merbitz (CDU) startet politische Karriere

Zwei, die sich nicht immer so "grün" waren: Bernd Merbitz und Leipzigs OB Burkhard Jung (60, SPD) bezeugten sich am Freitag gegenseitig Respekt.
Zwei, die sich nicht immer so "grün" waren: Bernd Merbitz und Leipzigs OB Burkhard Jung (60, SPD) bezeugten sich am Freitag gegenseitig Respekt.  © Dirk Knofe

Doch auch Nachdenkliches gab der Initiator der einstigen Sonderkommission Rechtsextremismus (Soko Rex) preis. Etwa Morddrohungen, die er erhalten hatte. Weshalb er und seine Familie selbst unter Polizeischutz standen. Bei seiner Frau Anja, seinen zwei Töchtern und seinem Sohn entschuldigte sich Merbitz: „Ich war sehr wenig für meine Familie da und das tut mir aufrichtig leid.“

Auf Ruhestandspantoffeln hat der „Vollblutbulle“ aber keinen Bock. Vor kurzem wurde er zum Präsidenten des größten Leipziger Sportvereins, des SC DHfK, gewählt. „Ich dachte mir, Mensch da bleibste ja Präsident“, flapste Merbitz.

Sein letzter Tag im blauen Look ist der 31. Januar. Danach startet Pensionist Bernd seine politische Karriere, mithin sofort in den Wahlkampf. In Nordsachsen kämpft der CDU-Mann um ein Direktmandat für den Landtag (TAG24 berichtete).

Zum Schluss gab's stehenden Applaus, auch vom heutigen Innenminister Roland Wöller (CDU). Und der alte Haudegen am Rednerpult musste sich ein paar Tränen verdrücken.

Von Küf Kaufmann (71), dem Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, gab es zum Abschied eine Torarolle.
Von Küf Kaufmann (71), dem Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, gab es zum Abschied eine Torarolle.  © Dirk Knofe
Zoo-Chef Jörg Junhold (54) schenkte Bernd Merbitz den Gipsabdruck eines Elefantenfußes.
Zoo-Chef Jörg Junhold (54) schenkte Bernd Merbitz den Gipsabdruck eines Elefantenfußes.  © Dirk Knofe
Die Delegation von RB Leipzig, Direktor Ulrich Wolter, Sicherheitschef Uwe Matthias, Sportdirektor Ralf Rangnick (v.l.n.r.), überreichte dem scheidenden Polizeichef ein Plakat mit dem Slogan "Bernd Merbitz - drei Mal aufgestiegen".
Die Delegation von RB Leipzig, Direktor Ulrich Wolter, Sicherheitschef Uwe Matthias, Sportdirektor Ralf Rangnick (v.l.n.r.), überreichte dem scheidenden Polizeichef ein Plakat mit dem Slogan "Bernd Merbitz - drei Mal aufgestiegen".  © Dirk Knofe

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