Abfuhr für Frauke Petry bei AfD-Parteitag

Polizisten der Reiterstaffel vor dem Hotel Maritim in Köln, wo der AfD-Parteitag stattfindet.
Polizisten der Reiterstaffel vor dem Hotel Maritim in Köln, wo der AfD-Parteitag stattfindet.  © DPA

Köln – Am Samstag findet der Bundesparteitag der AfD in der Kölner Innenstadt statt. Dagegen wurden Demonstrationen angemeldet. Dabei kam es bereits am Morgen zu den ersten gewalttätigen Übergriffen. Unterdessen scheiterte Frauke Petrys Versuch, über ihr Strategiepapier abstimmen zu lassen.

Das Bündnis "Solidarität statt Hetze" organisierte einen "Sternmarsch" rund um das Tagungshotel der Partei im Stadtzentrum. Dabei blockierten etwa 50 bis 60 Teilnehmer mit einer Fahrrad-Barrikade teilweise eine der Hauptzugangsstraßen.

Nur unter massivem Polizeischutz haben die Delegierten des AfD-Bundesparteitags das Tagungshotel in Köln erreicht. Für viele wurde der Weg zu einem regelrechten Spießrutenlauf.

Rund um den Veranstaltungsort in der Innenstadt waren am Samstag Hunderte Demonstranten aufgezogen, die mit Sprechchören, Transparenten, Pfiffen und Blockaden gegen die rechtspopulistischen Politiker protestierten.

Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien mit der Polizei. Ein Polizist wurde im Gesicht verletzt, woraufhin ein Verdächtiger vorläufig festgenommen wurde. Ein Polizeisprecher sagte zum Kölner Express: "Ein Vermummter hat eben an der Markmannsgasse einen AfD-Delegierten angegriffen. Er schlug mit einer Holzlatte zu. Ein Polizist ging dazwischen und wurde durch den Schlag verletzt. Er bleibt heute dienstunfähig. Der AfD-Delegierte ist unverletzt. Der Täter konnte entkommen.“

Nach Darstellung des Bündnisses "Solidarität statt Hetze" wurde die Anreise der AfD-Delegierten durch die Gegenaktionen "massiv verzögert".

An den Blockaden beteiligten sich etwa 3000 Menschen, teilte das Bündnis mit. Insgesamt sind für die unterschiedlichen Demonstrationen im Laufe des Tages etwa 50.000 Teilnehmer angemeldet.

Frauke Petry, AfD-Parteivorsitzende, und Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Brandenburg, unterhalten beim Bundesparteitag in Köln.
Frauke Petry, AfD-Parteivorsitzende, und Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Brandenburg, unterhalten beim Bundesparteitag in Köln.  © DPA

Update 16:00 Uhr: AfD-Chefin Frauke Petry will ihrer Partei vorerst nicht den Rücken kehren. Sie werde ihre Verantwortung als Bundesvorsitzende weiterhin wahrnehmen, sagte Petry.
Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass sich die Parteitagsdelegierten "für einen leichten Weg" entschieden hätten.

Auf die Frage, ob die AfD noch ihre Partei sei, antwortete Petry: "Ich werde mir bis zum Herbst ansehen, wie sich das weiter entwickelt."

Update 13:10 Uhr: Frauke Petry ist mit dem Versuch gescheitert, die Delegierten über eine von ihr gewünschte "realpolitische" Strategie abstimmen zu lassen. Auch weitere Anträge zur ideologischen Ausrichtung der AfD wurden am Samstag verworfen. Die 600 Delegierten entschieden, zusätzliche Tagesordnungspunkte gar nicht zuzulassen.

Update 12:10 Uhr: Parteichefin Frauke Petry hat in der Eröffnungsrede für den von ihr favorisierten "realpolitischen Kurs" geworben. Das Bild der Partei in der Öffentlichkeit dürfe nicht von einer "lauten Minderheit" bestimmt werden.

Sie sagte aber auch, es tue ihr leid, dass sich Parteivize Alexander Gauland durch eine Formulierung in ihrem kürzlich veröffentlichten "Zukunftsantrag" angegriffen gefühlt habe. Sie sei bereit zu Änderungen an dem Antrag, der für Unruhe gesorgt hatte und der eine Abgrenzung von einer "fundamentaloppositionellen" Strategie fordert. Petry richtete sich damit auch gegen die Ideen des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke, über den Gauland seine schützende Hand hält.

Update 11:50 Uhr: Der AfD-Bundesparteitag hat begonnen. Rund 600 Delegierte wollen das Wahlprogramm für die Bundestagswahl verabschieden. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wer als Spitzenteam antritt, nachdem Parteichefin Frauke Petry überraschend angekündigt hatte, sie stehe nicht für eine Spitzenkandidatur bereit. Denkbar ist, dass sich ein Trio aus den beiden Vize-Vorsitzenden Alexander Gauland und Beatrix von Storch sowie dem baden-württembergischen Vorstandsmitglied Alice Weidel zur Wahl stellt.

Ein Demonstrant wird von Polizisten davon getragen,
Ein Demonstrant wird von Polizisten davon getragen,  © DPA

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