Ermittlungen nach tödlichen Schüssen auf Obdachlosen eingestellt

Bad Oldesloe/Lübeck - Im Fall des durch Schüsse eines Polizisten getöteten, jungen Obdachlosen in Bad Oldesloe (TAG24 berichtete) ist die Staatsanwaltschaft nach sechs Monaten Ermittlungen zu einem Ergebnis kommen.

Der Eingang von Landgericht und Amtsgericht Lübeck. Hier ist die Staatsanwaltschaft tätig, die auch für die Stadt Bad Oldesloe zuständig ist.
Der Eingang von Landgericht und Amtsgericht Lübeck. Hier ist die Staatsanwaltschaft tätig, die auch für die Stadt Bad Oldesloe zuständig ist.  © DPA

Das Resultat: Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat die Ermittlungen gegen einen Polizisten wegen der tödlichen Schüsse auf einen Obdachlosen eingestellt.

Die Ermittlungen hätten den Verdacht des Totschlags oder der unterlassenen Hilfeleistung nicht bestätigt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, am Donnerstag.

Der Polizist hatte im Oktober 2018 bei einem Einsatz in Bad Oldesloe mit seiner Dienstwaffe aus nächster Nähe zweimal auf einen 21 Jahre alten psychisch kranken Obdachlosen geschossen. Der 21-Jährige starb noch am Einsatzort.

Der Mann hatte zuvor den Polizisten mit einem Messer bedroht und damit nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Stichbewegung in Richtung des Beamten ausgeführt.

"Die Abgabe der tödlichen Schüsse war durch den Rechtfertigungsgrund der Notwehr gedeckt und daher nicht rechtswidrig", erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Es war Notwehr, aber wurde ausreichende

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung arbeitete vor einer Absperrung, nachdem bei einem Einsatz der Polizei ein junger Obdachloser erschossen worden war.
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung arbeitete vor einer Absperrung, nachdem bei einem Einsatz der Polizei ein junger Obdachloser erschossen worden war.  © DPA

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass das Opfer dem Polizisten in einem Abstand von zwei bis drei Metern gegenüber gestanden habe und dann auf den Beamten zugelaufen sei, sagte Hingst. An dem Einsatz waren insgesamt sechs Polizisten beteiligt.

"Der Einsatz der Schusswaffe war in dieser Situation nicht zu beanstanden. Weder das bereits vorher eingesetzte und ohne Wirkung gebliebene Pfefferspray noch der Schlagstock wären als Mittel der Gegenwehr gleich geeignet und gleich sicher gewesen", sagte die Oberstaatsanwältin.

Ein durch ein Zeugenvideo ausgelöster Anfangsverdacht der unterlassenen Hilfeleistung gegen die Beamten sei durch die Ermittlungen ebenfalls nicht bestätigt worden, sagte Hingst.

"Ausweislich der von der Staatsanwaltschaft eingeholten rechtsmedizinischen Sachverständigengutachten hatten die Polizeibeamten aufgrund der Art und der Schwere der inneren Verletzungen des Geschädigten keine Möglichkeit, erfolgversprechende Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten", ließ die Staatsanwaltschaft weiter verlauten.

Die Beamten hätten sofort einen Rettungswagen angefordert, was in diesem Fall die einzige noch mögliche Rettungsmaßnahme gewesen sei. Die Beamten hätten noch überlegt ob sie Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen, was von ihnen aber richtigerweise sehr schnell als aussichtslos erkannt worden war.

Die Beamten haben sich der Staatsanwaltschaft zufolge also richtig verhalten, weswegen die Ermittlungen nun eingestellt sind. Der Vater des Getöteten hatte sich im Vorfeld bereits in einem emotionalen Statement zu dem Vorfall geäußert und hinter die Beamten gestellt.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0