Polizist stiehlt Geld bei Razzia und hilft Panzerknacker-Bande

Hamburg - Er sollte das Gesetz hüten, doch half stattdessen den Gesetzesbrechern: Ein ehemaliger Kriminalbeamter muss sich am Dienstag wegen bandenmäßigen Diebstahls und weiterer Vorwürfe vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Ein ehamliger Polizist aus Hamburg steht wegen mehrerer Vorwürfe vor Gericht (Symbolfoto).
Ein ehamliger Polizist aus Hamburg steht wegen mehrerer Vorwürfe vor Gericht (Symbolfoto).  © dpa/Marcus Brandt

Der 31-Jährige soll am 3. Januar 2018 als Polizist zusammen mit vier Mitangeklagten bei einer fingierten Wohnungsdurchsuchung fast 13.000 Euro Bargeld gestohlen haben (TAG24 berichtete).

Eine zweite unrechtmäßige Wohnungsdurchsuchung am selben Tag blieb ohne Beute, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Um sein Einkommen aufzubessern, soll der Beamte seinen Mitangeklagten bei weiteren Straftaten zu Diensten gewesen sein.

Laut Anklage hat er bei zwei versuchten Aufbrüchen von Geldautomaten im Polizeiwagen gesessen, um seine Komplizen im Fall der Fälle warnen zu können.

Seine Komplizen habe er ferner mit Angaben zu einem Autokennzeichen, zu Vorstrafen und zu einer Adresse versorgt.

Einen der Mitangeklagten habe er als vermeintlichen Polizei-Azubi zu einer echten Wohnungsdurchsuchung mitgenommen.

Ein anderes Mal soll der Beamte mit einer gefälschten Strafanzeige zwei Komplizen aus der Patsche geholfen haben. Die beiden Männer hatten im Auftrag eines Hintermannes einen Zeugen mit einer Tracht Prügel einschüchtern sollen.

Als ihnen dies misslang, sollte die fingierte Anzeige dem Hintermann weismachen, dass der Auftrag erfüllt worden sei.

Update, 17.34 Uhr: Aus dem Gericht

Der Prozess gegen einen suspendierten Polizisten in Hamburg hat am Dienstag begonnen.
Der Prozess gegen einen suspendierten Polizisten in Hamburg hat am Dienstag begonnen.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Vor Gericht kam heraus, dass die weitere unrechtsmäßige Wohnungsdurchsuchung im selben Gebäude kurz zuvor ohne Beute blieb, da die Angeklagten die Anschriften verwechselt hatten.

Die Bandenmitglieder - neben dem Polizisten vier Deutsche im Alter von 30 bis 34 Jahren - sollen im Dezember 2017 Taten dieser Art verabredet und dem Kripobeamten monatlich 1500 Euro versprochen haben.

Als Anzahlung habe er 500 Euro in bar erhalten. Für kleinere Dienste wie das Abfragen von Kennzeichen, Anschriften oder Vorstrafen sollte der Polizist jeweils 50 bis 100 Euro bekommen. Tatsächlich sei das Geld nur sehr zögerlich geflossen.

Laut Anklage machte der Polizist auch bei zwei versuchten Aufbrüchen von Geldautomaten mit. Während der Taten saß er ganz in der Nähe im Dienstwagen und hörte den Polizeifunk ab, um seine Komplizen schnell vor seinen Kollegen warnen zu können.

Ein anderes Mal soll der Beamte mit einer gefälschten Strafanzeige zweien seiner Mitangeklagten aus der Patsche geholfen haben. Die beiden Männer hatten im Auftrag eines unbekannten Hintermannes einen Zeugen mit einer Tracht Prügel einschüchtern sollen. Als ihnen dies misslang, sollte die fingierte Anzeige dem Hintermann weismachen, dass der Auftrag erfüllt worden sei.

Es dauerte offenbar nicht lang, bis die kriminellen Machenschaften des Kripobeamten seinen Kollegen auffielen. Die zu Unrecht von der Wohnungsdurchsuchung betroffenen Hamburger fragten bei der Polizei nach, als sie das Fehlen des Bargeldes bemerkt hatten.

Es stellte sich nach Angaben eines Gerichtssprechers heraus, dass ein unbekannter LKA-Beamter die Wohnungsdurchsuchung beim örtlichen Polizeikommissariat wie üblich angemeldet hatte. Die hinterlassene Nummer führte zu einem Prepaid-Handy. Eine Abfrage der Verbindungsdaten brachte den Kripobeamten in Verdacht.

Dieser machte nach Angaben des Gerichtssprechers noch einen weiteren Fehler: Einmal habe er einen der Mitangeklagten als vermeintlichen Polizei-Azubi zu einer echten Wohnungsdurchsuchung mitgenommen.

Auf der Fahrt zum Einsatzort drückte er ordentlich aufs Gas. Der Dienstwagen wurde geblitzt, das verräterische Foto mit dem Pseudo-Kollegen direkt ans Landeskriminalamt geschickt.

Die Staatsanwältin machte nach Angaben der Vorsitzenden Richterin in einem Rechtsgespräch deutlich, dass sie den inzwischen suspendierten Polizisten für mindestens viereinhalb Jahre ins Gefängnis bringen will. Sein Rechtsanwalt habe erklärt, er strebe für seinen Mandanten eine Verurteilung zu drei bis vier Jahren Haft an.

Zudem biete er eine Schadensersatzzahlung über 15.000 Euro. Bei einer Haftprüfung habe der 31-Jährige bereits erhebliche Angaben gemacht, erklärte die Richterin.

Beim nächsten Verhandlungstermin am 14. Januar will der angeklagte Polizist vor Gericht aussagen. Die Strafkammer hat insgesamt 21 Folgetermine bis zum 8. Mai angesetzt.

Titelfoto: dpa/Marcus Brandt

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