Professor warnt: So nutzen Hetzer unsere Urängste aus

Sieht in der aktuellen Asyldebatte viel Xenophobie: Angstforscher Borwin Bandelow.
Sieht in der aktuellen Asyldebatte viel Xenophobie: Angstforscher Borwin Bandelow.

Leipzig - Werden Sachsens „besorgte Bürger“ von einer Urangst getrieben, die schon Höhlenbewohner zur Keule greifen ließ? Der renommierte Angstforscher Professor Borwin Bandelow (63) sieht Xenophobie - die Angst vor dem Fremden - als eine Ursache der Ablehnung von Flüchtlingen.

In der Menschheitsgeschichte war Angst überlebenswichtig. „Früher sind wir als Höhlenbewohner in Stämmen organisiert durch die Wälder gezogen.

Die Nahrungsmittel waren zu knapp, um für alle zu reichen. Entwicklungsgeschichtlich war es wohl ein Überlebensvorteil, sich zusammenzurotten, den eigenen Stamm zu verteidigen und Mitglieder anderer Stämme zu erschlagen“, erklärt der Göttinger Angstforscher Bandelow, der am Donnerstag bei einem Symposium in Leipzig auftrat.

PEGIDA nutzt nach Ansicht von Professor Borwin Bandelow die Fremdenangst schamlos aus.
PEGIDA nutzt nach Ansicht von Professor Borwin Bandelow die Fremdenangst schamlos aus.

Auch wenn Xenophobie heute überflüssig sei, würden wir mit dieser alten Abwehrhaltung geboren.

Bandelow: „Normalerweise bemerken wir sie nicht, aber durch die Flüchtlingsströme wird sie reaktiviert.“
Und das werde von rechten Demagogen schamlos ausgenutzt.

Bandelow: „Die Rechtsnationalen freuen sich diebisch, dass das Flüchtlingsthema jetzt wieder akut ist, weil es ihnen tatsächlich Zulauf bringt. Es entsteht eine politische Bewegung, in der nicht mehr nur überzeugte Neonazis, sondern auch nicht radikale Menschen mitmachen.

Das zeigt ja auch PEGIDA. Dabei überlagern sich die irrationalen Fremdenängste mit berechtigten Sorgen.“

Fotos: dpa


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