Projekt hilft Pädophilen, keine Täter zu werden

Mit Kampagnen wirbt das Projekt für ihre vorbeugende Hilfe.
Mit Kampagnen wirbt das Projekt für ihre vorbeugende Hilfe.

Leipzig - Nach den Morden an Mohamed (4) und Elias (6) sitzt Kinderschänder Silvio S. (32) aus dem brandenburgischen Jüterbog seit letzter Woche im Knast.

Ein Vorbeuge-Projekt, das es auch in Sachsen gibt, hätte die Kinder vielleicht retten können. Leider ist es noch zu wenig bekannt.

Dabei gibt es das „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ schon seit zehn Jahren an der Berliner Charité. Seit 2011 existiert eine Außenstelle am Uniklinikum Leipzig.

Pädophile, also Menschen mit sexuellem Verlangen nach Kindern, bekommen hier anonym Hilfe - damit sie nicht zu Tätern werden.

Über 5800 Betroffene haben sich schon Hilfe suchend an „Dunkelfeld“ gewandt, davon etwa 420 in Leipzig.

Kindesmissbrauch ist ein furchtbares Verbrechen - oft leiden die Opfer ein Leben lang. Ein Präventivprojekt hilft dabei, dass potenzielle Täter sich zu kontrollieren lernen.
Kindesmissbrauch ist ein furchtbares Verbrechen - oft leiden die Opfer ein Leben lang. Ein Präventivprojekt hilft dabei, dass potenzielle Täter sich zu kontrollieren lernen.

Projekt-Sprecher Jens Wagner (41): „Die meisten Pädophilen leiden darunter, stigmatisiert und mit Gewalttätern in einen Topf geworfen zu werden.“

Manche ahnen aber auch, dass sie ihre Fantasien einmal nicht mehr unter Kontrolle haben könnten - hier will Dunkelfeld helfen. Wagner: „Die Betroffenen können sich anonym an uns wenden, werden diagnostiziert und bekommen ein Therapieangebot.“

Dabei sollen sie lernen, mit ihrer Neigung zu leben. So, dass sie sich nicht selber als Monster begreifen. Vor allem aber auch so, dass keine Kinder zu Schaden kommen.

Auch Max Weber (Anfang 30, Name geändert) hat eine solche Therapie gemacht. „Ich weiß seit zehn Jahren, dass ich mich zu kleinen Mädchen hingezogen fühle“, sagt er. Fünf- bis Zwölfjährige, in etwa.

Weber: „Vor der Therapie hatte ich noch konkrete Fantasien aufgebaut, wie ich ein Mädchen intim berühren könnte.“ Ein Spiel mit dem Feuer. Heute, nach der Therapie, weiß Weber, wie er solche Gedanken beizeiten stoppt.

„Ich will ein Leben führen, das keinem Kind schadet“, sagt er. Auch deshalb hat er ein Buch geschrieben, in dem er ehrlich seinen inneren Konflikt beschreibt, Tipps zur Unterdrückung gefährlicher Gedanken weitergibt („Für ein Kinderlachen“, Verlag lulu.com, 13,86 Euro).

Weber: „Wenn ich Nachrichten wie die vom Tod der Jungen Mohamed und Elias höre, bleibt auch mir die Luft weg. Dann frage ich mich: Wie kann bloß jemand so etwas tun?“

Übrigens: Die meisten verurteilten Kinderschänder gelten gar nicht als pädophil. Jens Wagner: „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu 60 Prozent der verurteilten Missbrauchs-Täter ganz andere Beweggründe hatten.“

Fotos: dpa/Patrick Pleul


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