Prozess gegen Dulig-Schläger beginnt mit Panne

Nach Demo-Veranstaltungen in Freital eskalierte die Gewalt: Opfer Johann Dulig (20).
Nach Demo-Veranstaltungen in Freital eskalierte die Gewalt: Opfer Johann Dulig (20).

Von Eric Hofmann

Freital/dresden - In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 2015 eskalierte der rechte Terror in Freital:

Nach einer Demonstration von Asylfeinden und -befürwortern vor dem Heim im Ex-Hotel "Leonardo", jagen Rechtsextremisten ein Auto mit Gegendemonstranten, prügeln mit einem Baseballschläger darauf ein, verletzten dabei Kreisrat Johann Dulig (20) - doch der Prozess beginnt mit einer Panne.

Sechs Leute in drei Autos sollen Duligs Golf erst bedrängt, dann auf einer Tankstelle auf ihn eingeschlagen haben - drei mutmaßliche Täter stehen jetzt vor Gericht: Busfahrer Timo S. (26), bereits in U-Haft als mutmaßlicher Kopf der "Bürgerwehr FTL/360", sowie Rohrleitungsmonteur Torsten L. (46) und Tom R. (18).

Die Anklagebank am Mittwoch. Die Anklage konnte aber noch nicht verlesen werden.
Die Anklagebank am Mittwoch. Die Anklage konnte aber noch nicht verlesen werden.

Doch bis jetzt kam es noch nicht mal zur Verlesung der Anklage. Duligs Anwältin Kati Lang (36) hält das Gericht für befangen.

"Die Daten meines Mandanten wurden an die Verteidigung weiter gegeben. Dass die Angeklagten gefährlich sind, ergibt sich aus der Akte", sagt sie. "Wir können daher nicht davon ausgehen, dass das Gericht hier unbefangen ist."

Richter Markus Vogel (54) prüfte den Antrag, entschuldigte sich dann bei Johann Dulig: "Es ist zutreffend, dass ich fälschlicherweise veranlasst habe, den Antrag auf Prozesskostenhilfe der Verteidigung zukommen zu lassen."

Staatsanwalt Tobias Uhlmann (40) dazu: "Ich sehe keine mutwillige Benachteiligung des Nebenklägers."

Jetzt muss ein anderer Richter entscheiden, ob diese Panne als Befangenheit gilt. Falls nicht, geht es am 10. Februar weiter.

Fotos: Holm Helis (1), Thomas Türpe (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0