Dreimal in Kopf und Brust gebissen! So musste Studentin Maria vor ihrem Tod leiden

In Freiburg ist das Interesse an dem Prozess groß, allerdings müssen Zuschauer zu Teilen draußen bleiben.
In Freiburg ist das Interesse an dem Prozess groß, allerdings müssen Zuschauer zu Teilen draußen bleiben.  © DPA

Freiburg - Im Prozess um den Sexualmord an einer 19-jährigen Studentin in Freiburg macht der angeklagte Hussein K. nun doch Angaben zur Tat und zu seiner Person - die Öffentlichkeit soll von Teilen der Aussage jedoch ausgeschlossen werden.

Die Zuschauer müssten den Saal verlassen, sobald der Beschuldigte unter anderem Angaben zu seiner Sexualbiografie mache, sagte die Vorsitzende Richterin am Dienstag vor dem Landgericht Freiburg. Weitere Angaben zur Person des Angeklagten würden öffentlich besprochen. Fragen zu einer weiteren Gewalttat an einer jungen Frau in Griechenland vor seiner Flucht nach Deutschland wurden allerdings nicht zugelassen.

Während der etwa zehnmonatigen Untersuchungshaft hatte K. bislang keinerlei Angaben gemacht. Am Dienstagmorgen wirkte der junge Mann vor Gericht müde und teilnahmslos. Er habe noch vor Prozessbeginn eine Beruhigungstablette genommen, sagte sein Verteidiger. Dennoch wolle er sich den Fragen des Gerichts stellen.

Hussein K. wird verdächtig, die Studentin brutal vergewaltigt und ermordet zu haben.
Hussein K. wird verdächtig, die Studentin brutal vergewaltigt und ermordet zu haben.  © DPA

Der Staatsanwalt schilderte zum Auftakt der Verhandlung ein grausames Vorgehen von Hussein K.: Demnach lauerte der Anklagte der 19-Jährigen kurz vor drei Uhr nachts auf - die Studentin war auf dem Heimweg von einer Party.

Hussein K. soll sie vom Rad gerissen, sie dreimal unter anderem in Kopf und Brust gebissen und ihr die Kleider ausgezogen haben. Dann würgte und vergewaltigte er sie brutal. Anschließend soll der Beschuldigte die bewusstlose Frau im Fluss Dreisam abgelegt haben - laut Staatsanwalt wollte er, dass sie ertrank. Zudem sollte das Wasser Spuren an ihrem Körper verwischen.

In dem Fall sind noch immer zahlreiche Fragen offen: So ist neben der Identität des Angeklagten, der keine Papiere hat, auch sein Alter völlig unklar. Während Hussein K. angibt, 19 Jahre alt zu sein, hält die Staatsanwaltschaft ihn für mindestens 22. Zwei Altersgutachten sollen dies im Laufe des Prozesses untermauern. Zudem soll der Angeklagte nach Gerichtsangaben im Iran geboren sein - bisher hieß es, er stamme aus Afghanistan. Wegen der Zweifel an seinem Alter wird der Prozess vor der Jugendkammer des Gerichts verhandelt - bei einem Schuldspruch kann diese je nach Bewertung aber auch nach Erwachsenenstrafrecht urteilen.

Der Mord an Maria L. im Oktober 2016 hatte bundesweit für großes Aufsehen und eine teils hitzige Diskussion über ausländische Straftäter gesorgt. Auch am Prozesstag war das Publikumsinteresse riesig: Bereits zwei Stunden vor Beginn der Verhandlung standen die Zuschauer Schlange. Der Prozess begann am Dienstag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

In Sichtweite des Gerichtsgebäudes demonstrierten der Polizei zufolge etwa 10 Anhänger aus dem Umfeld der AfD mit Transparenten («Grenzen schützen - Leben retten»). Die Kundgebung auf dem Augustinerplatz war angekündigt. Zu einer im Internet organisierten Gegenveranstaltung kamen demnach rund 50 Angehörige des linken Spektrums. Beide Gruppen hätten Parolen gerufen, die Polizei habe nicht eingreifen müssen, hieß es. Gegen 10.30 Uhr seien die Kundgebungen beendet worden.

An der Dreisam soll Hussein K. die Studentin brutal vergewaltigt und ermordet haben.
An der Dreisam soll Hussein K. die Studentin brutal vergewaltigt und ermordet haben.  © DPA

UPDATE: ANGEKLAGTER GIBT ZU, BEIM ALTER GELOGEN ZU HABEN

Der wegen Mordes an einer 19-jährigen Studentin in Freiburg angeklagte Hussein K. hat zugegeben, über sein Alter gelogen zu haben. Bei der Ankunft in Deutschland im Jahr 2015 sei er bereits 18 und nicht, wie damals von ihm behauptet, 16 Jahre alt gewesen.

Er habe zur Schule gehen wollen, sagte der junge Flüchtling am Dienstag beim Freiburger Landgericht. "Wenn man minderjährig ist, ist die Situation in Deutschland besser." Sein Alter ist eine zentrale Frage im Prozess. Nach Auffassung der Ankläger ist K. sogar mindestens 22. Papiere mit Geburtsdatum oder Angaben zur Herkunft gibt es nicht.

K. erzählte zunächst von seinem Lebensweg: In Afghanistan geboren und aufgewachsen sei er nach etwa 13 Jahren in den Iran gekommen. Nach "Problemen mit der Polizei" flüchtete er in die Türkei, von dort nach Griechenland und dann Deutschland. In Griechenland habe er nichts zu essen gehabt, von Müll und zeitweise ohne Obdach gelebt. Zu der ihm dort vorgeworfenen weiteren Gewalttat wurden keine Fragen zugelassen.

Für die Zeit in Deutschland berichtete er von erheblichem Drogen- und Alkoholmissbrauch. Er habe über Monate mit Freunden Haschisch geraucht, getrunken und zweimal in der Woche auch Heroin konsumiert. "Das war unser Leben." Die Verhandlung wird wegen der Unklarheiten zum Alter vor der Jugendkammer geführt. K. wird Vergewaltigung in besonders schwerem Fall sowie die Ermordung von Maria L. vorgeworfen.