Prozess gegen Trickbetrüger: Demenzkranker übergab ihnen etliche Goldbarren!

Norderstedt - In einem Prozess vor dem Amtsgericht Norderstedt (Kreis Segeberg) geht es am Donnerstagvormittag um falsche Polizisten, die einen demenzkranken alten Mann um Goldbarren im Wert von mehreren hunderttausend Euro betrügen wollten.

Senior am Telefon (Symbolbild)
Senior am Telefon (Symbolbild)  © DPA

In Anrufen von einem Call-Center in der Türkei aus sollen sich die Täter als Kriminalbeamte ausgegeben haben und dem 88-Jährigen weisgemacht haben, sein Vermögen sei in Gefahr.

Der Senior habe daraufhin im September 2017 für 400.000 Euro Goldbarren gekauft und sie einem falschen Polizisten übergeben, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Als die Anrufer den 88-Jährigen zum Kauf von weiteren Barren für 200.000 Euro überredeten, griff die echte Polizei ein. Sie nahm am 4. Oktober 2017 einen 38-Jährigen fest, der sich als "Herr Müller von der Kriminalpolizei" ausgegeben hatte und laut Anklage das Gold abholen wollte.

Der Deutsche ist nun wegen Betrugs angeklagt. Die Polizei ermittelte auch einen 24-Jährigen, der als sogenannter Logistiker, also als Bindeglied zwischen den Anrufern und dem Abholer, tätig gewesen sein soll. Gegen diesen Deutschen lautet die Anklage auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug.

In dem Prozess sollen zwei Polizeibeamte und ein Sohn des Betrugsopfers als Zeugen gehört werden. Der Senior selbst sei inzwischen gestorben, sagte der Gerichtssprecher. Ob es eine Verbindung zu einem ähnlichen Prozess gibt, der zurzeit am Landgericht Kiel läuft, ist unklar.

Update, 12.20 Uhr:

In dem Prozess am Donnerstagvormittag beteuerten die beiden Angeklagten ihre Ahnungslosigkeit. Er habe am 4. Oktober nur ein Paket bei dem 88-Jährigen in der Stadt bei Hamburg abholen sollen, erklärte ein 38-Jähriger. Für den Hilfsdienst habe ihm ein Gast seiner Shisha-Bar in Berlin 1000 Euro versprochen.

Laut Anklage hatten sich Anrufer aus einem Call-Center in der Türkei als Polizisten ausgegeben und dem demenzkranken alten Mann weisgemacht, sein Vermögen sei in Gefahr. Sie überredeten ihn, Goldbarren im Wert über 433.000 Euro zu kaufen.

Als der Senior das Gold im September 2017 an einen vermeintlichen Polizisten übergeben hatte, bekam er sogleich weitere Anrufe. Er bestellte erneut Goldbarren für mehr als 212.000 Euro. Inzwischen ermittelte jedoch die echte Polizei.

Kurz vor der Ankunft in Norderstedt habe er von einem Anrufer die Anweisung bekommen, sich an der Tür des Senioren als "Herr Müller von der Kriminalpolizei" vorzustellen, sagte der 38-jährige Berliner. Als er das tat, sei er sogleich festgenommen worden.

Sein 24 Jahre alter Mitangeklagter, ebenfalls aus Berlin, erklärte über seinen Verteidiger, er habe zwar mehrfach mit dem 38-Jährigen gechattet, aber nicht gewusst, warum dieser nach Norderstedt fuhr.

Goldbarren (Symboldbild)
Goldbarren (Symboldbild)  © DPA

Update, 17.20 Uhr:

Im Prozess um den Rentner, der Goldbarren im Wert mehrerer hunderttausend Euro an falsche Polizisten übergab, hat das Amtsgericht Norderstedt die Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ein 38-Jähriger erhielt am Donnerstag ein Jahr und vier Monate Haft, sein 24 Jahre alter Mitangeklagter bekam ein Jahr und zehn Monate. Die beiden Männer aus Berlin hätten sich des versuchten Betrugs schuldig gemacht, erklärte Richter Matthias Lohmann.

Der 38-Jährige hatte nach einer Einigung aller Prozessbeteiligter auf einen milden Strafrahmen zugegeben, Anfang Oktober 2017 nach Norderstedt (Kreis Segeberg) gefahren zu sein, um bei einem 88-Jährigen ein Paket abzuholen. Er habe sich an der Tür des demenzkranken Rentners als "Herr Müller von der Kriminalpolizei" ausgegeben.

In dem Moment war er von echten Polizisten festgenommen worden. Zuvor hatten Anrufer aus einem Call-Center in der Türkei dem alten Mann weisgemacht, sie seien Kriminalbeamte und wollten sein gefährdetes Vermögen in Sicherheit bringen. Der 24-Jährige gab zu, seinen Komplizen per Handy dirigiert zu haben.

Ein Bankmitarbeiter war misstrauisch geworden, als der Senior kurz nach dem Kauf von zwölf Kilo Gold für 433 000 Euro erneut sechs Kilo für knapp 213 000 Euro kaufen wollte. Er schaltete die Polizei ein, die ein Scheingeschäft in die Wege leitete, um die Betrüger zu fassen. Die größere Goldmenge war im September bei dem 88-Jährigen abgeholt worden, von wem, konnte nicht aufgeklärt werden.

Titelfoto: DPA

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