Aus Verzweiflung nach Syrien? Mutmaßlicher IS-Rückkehrer vor Gericht

Hamburg - Vor dem Oberlandesgericht in Hamburg muss sich derzeit ein mutmaßlicher Ex-Kämpfer des Islamischen Staates verantworten. Der Staatsschutzsenat will noch am Montag sein Urteil verkünden.

Rechtsanwalt Wilfried Behrendt (Mitte) und sein Mandant sitzen vor Prozessbeginn in einem Gerichtssaal im Strafjustizgebäude.
Rechtsanwalt Wilfried Behrendt (Mitte) und sein Mandant sitzen vor Prozessbeginn in einem Gerichtssaal im Strafjustizgebäude.  © dpa/Christian Charisius

Dem 29-jährigen Mann aus Bremen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahre Haft gefordert. In die Strafe sollen zwei weitere Verurteilungen wegen anderer Delikte einbezogen werden. Die Verteidigung hat dagegen auf Freispruch plädiert.

Der 29-Jährige war 2014 über die Türkei nach Syrien gereist. Dort habe er sich einer kaukasischen Kampfeinheit des IS angeschlossen und an den Gefechten um die kurdische Stadt Kobane teilgenommen, erklärte der Staatsanwalt. Nach einer Schussverletzung am Bein sei er Anfang 2015 nach Deutschland zurückgekehrt.

Der Verteidiger des Tschetschenen argumentierte, sein Mandant sei 2014 "aus Verzweiflung" nach Syrien gegangen und habe sich einer anderen Miliz angeschlossen, die nicht als Terrororganisation gelte. Er sei durch Fluchterlebnisse traumatisiert, zudem drogen-, medikamenten- und spielsüchtig.

Sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger zeigten sich überzeugt, dass der Angeklagte kein überzeugter Anhänger des radikalen Islams sei.


Update 14.13 Uhr: Das Oberlandesgericht in Hamburg hat den 29 Jahre alten Tschetschenen wegen IS-Mitgliedschaft zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Der Staatsschutzsenat zeigte sich am Montag überzeugt, dass der Angeklagte im März 2014 von Bremen aus über die Türkei nach Syrien reiste und sich dort einer Kampfeinheit der Terrororganisation Islamischer Staat anschloss.


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