Sie legten Connewitz in Schutt und Asche, doch vor Gericht schweigen die Angeklagten

Leipzig - Zum Prozessauftakt um die schweren Ausschreitungen von Hooligans und Neonazis in Leipzig vor zweieinhalb Jahren haben zwei Angeklagte Aussagen zum Tatvorwurf verweigert.

Die Angeklagten Dennis W. (l.) und Martin K. verbargen zu Verhandlungsbeginn ihre Gesichter.
Die Angeklagten Dennis W. (l.) und Martin K. verbargen zu Verhandlungsbeginn ihre Gesichter.  © Ralf Seegers

Die 26-Jährigen müssen sich seit Donnerstag wegen besonders schweren Landfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten. Laut Anklage sollen die Männer Teil einer etwa 250 Personen starken Gruppe gewesen sein, die am 11. Januar 2016 in einer Straße im Stadtteil Connewitz, einer Hochburg Linker und Autonomer, gewütet hatte.

Der überwiegend vermummte Mob war bewaffnet mit Äxten, Eisenstangen und Holzlatten. Die Wolfgang-Heinze-Straße glich einem Trümmerfeld (TAG24 berichtete). Der Gesamtschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf 113.000 Euro.

An dem Randale-Tag hatte in Leipzigs Innenstadt das fremdenfeindliche Bündnis Legida seinen Jahrestag zelebriert. Zugleich gab es eine große Gegenveranstaltung.

"Die Straße sah aus wie in einem Kriegsgebiet", sagte ein Zugführer einer Hundertschaft der Polizei am Donnerstag als Zeuge vor Gericht.

Mehr als 200 Verdächtige saßen mit Handfesseln auf den Boden, ehe sie zur Polizeidirektion gebracht und ihre Personalien festgestellt wurden.
Mehr als 200 Verdächtige saßen mit Handfesseln auf den Boden, ehe sie zur Polizeidirektion gebracht und ihre Personalien festgestellt wurden.  © Ralf Seegers

Ein Anwohner schilderte, dass er eigentlich sein Auto vor den Randalierern retten wollte. "Aus Angst um meine Gesundheit bin ich aber nicht auf die Straße gegangen", sagte der 45-Jährige.

Wenig später hatte die Polizei zahlreiche Straßen abgesperrt und den marodierenden Mob eingekesselt. Der jetzige Prozess ist lediglich der Auftakt einer ganzen Reihe von Verfahren. Insgesamt sind mehr als 80 Prozesse mit jeweils zwei Beschuldigten geplant.

Die Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Links-Fraktion im sächsischen Landtag, Juliane Nagel, erhofft sich von dem Prozess eine Signalwirkung. "Es geht nicht nur um eine Tat – sondern um eine gewalttätige überregionale Neonazi-Vernetzung, die endlich ausgeleuchtet und zerschlagen werden muss."

Die Tat sei eindeutig politisch motiviert gewesen, die Beteiligten wollten offenbar die linke Szene treffen. "Tatsächlich demolierten sie in einer krassen Gewaltorgie zahlreiche Geschäfte und Privatautos, beschossen Wohnhäuser mit Pyrotechnik, schüchterten Anwohner ein."

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag (23. August) fortgesetzt. Ob dann bereits ein Urteil gesprochen wird, ist noch unklar.

Auf mehreren hundert Metern blieb kaum ein Schaufenster ganz, in Geschäften wurde randaliert, Autoscheiben eingeschlagen und Seitenspiegel abgetreten.
Auf mehreren hundert Metern blieb kaum ein Schaufenster ganz, in Geschäften wurde randaliert, Autoscheiben eingeschlagen und Seitenspiegel abgetreten.

Titelfoto: Ralf Seegers


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