Nach tödlichem Jaguar-Crash: Darum ist der Mord-Prozess so außergewöhnlich

Stuttgart - Es ist ein ausgefallener Fall! Am Mittwoch (9 Uhr) startet in Stuttgart ein Prozess wegen Mordes gegen einen 20-Jährigen.

Verbogene Verkehrssschilder und eine Trauernachricht liegen an der Unfallstelle in der Rosensteinstraße in Stuttgart.
Verbogene Verkehrssschilder und eine Trauernachricht liegen an der Unfallstelle in der Rosensteinstraße in Stuttgart.  © dpa/Fabian Sommer

Was war passiert? Der junge KfZ-Lehrling hatte sich einen 550-PS-starken Jaguar gemietet, mit dem er am 6. März 2019, am Aschermittwoch, durch die Stuttgarter Innenstadt raste.

Spätere Messungen ergaben, dass er mit einer Geschwindigkeit von 165 km/h unterwegs war, das Gaspedal durchgedrückt hatte, als er in der Rostensteinstraße die Kontrolle über den Sportwagen verlor.

Als ihm ein anderer Wagen entgegenkam, wich er aus und krachte mit voller Wucht in einen Kleinwagen. In dem Peugeot saß ein junges Pärchen, das an einer Ausfahrt wartete.

Der 25-jährige Mann und seine 22-jährige Freundin waren nach dem Aufprall des Jaguars sofort tot, der 20-jährige Jaguar-Lenker und sein 18-jähriger Beifahrer blieben unverletzt.

Nun muss sich der Jaguar-Raser vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Es wird auch für die Juristen ein außergewöhnlicher Prozess werden. (TAG24 berichtete)

Völlige Verwüstung an der Unfallstelle in der Rosensteinstraße.
Völlige Verwüstung an der Unfallstelle in der Rosensteinstraße.

Denn es ist der erste Raser, der in Baden-Württemberg wegen Mordes angeklagt wird.

Der Grund: Nach Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat der junge KfZ-Lehrling "die höchstmögliche Geschwindigkeit des Sportwagens ausgetestet" und somit den Tod des jungen Pärchens billigend in Kauf genommen. "Wir sagen, das Risiko hat er gesehen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter.

Brisant: Deutschlandweit gibt es nur zwei vergleichbare Fälle, in denen wegen Mordes verhandelt wurde. 2017 hatte ein Mann in Hamburg ein Taxi gestohlen und krachte mit 155 km/h in ein anderes Taxi, wobei ein Mensch starb und zwei weitere schwer verletzt wurden.

Die "Stuttgarter Nachrichten" erinnerten außerdem an einen Fall in Berlin, als sich zwei Raser ein Autorennen am Kurfürstendamm lieferten. An einer Kreuzung krachte dann einer der beiden in einen Wagen eines 69-Jährigen, der noch in seinem Auto starb.

Der Stuttgarter Jaguar-Horror-Crash ist dennoch einzigartig. Denn gegenüber den anderen Vorfällen, lieferte sich der 20-jährige KfZ-Lehrling keine Verfolgungsjagd mit der Polizei wegen eines gestohlenen Autos und es ging auch nicht um ein illegales Autorennen.

Sondern schlicht um den Geschwindigkeits-Wahn und um Angeberei. Wie Daten auf dem beschlagnahmten Handy des Angeklagten bewiesen, lud er im wieder Freunde ein, um mit ihm Spritztouren zu unternehmen. Er wollte sie beeindrucken. (TAG24 berichtete)

Dies ging in der Nacht vom Aschermittwoch allerdings nach hinten los.

Nun muss der 20-Jährige mit einem schlechten Gewissen leben und das Stuttgarter Landgericht verhandelt, ob er sich wegen Mordes verantworten muss.

In dem Peugeot rechts saß ein junges Pärchen, das nach dem Aufprall des Jaguars sofort tot war.
In dem Peugeot rechts saß ein junges Pärchen, das nach dem Aufprall des Jaguars sofort tot war.  © SDMG/Kohls

Raser-Prozess hat begonnen

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat in Stuttgart der Mordprozess gegen einen mutmaßlichen Raser begonnen, der bei einem fatalen Unfall den Tod von zwei jungen Menschen verschuldet haben soll. "Der Angeklagte hat den Tod anderer Menschen billigend in Kauf genommen", sagte die Staatsanwältin zum Auftakt des Prozesses am Mittwoch vor dem Stuttgarter Landgericht. Er sei nur auf seinen eigenen Geschwindigkeitsrausch bedacht gewesen.

Titelfoto: SDMG/Kohls

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