Polizist angefahren? Stadtrat steht vor Gericht

Stadtrat Steffen Kunze muss sich vor dem Amtsgericht Pirna verantworten.
Stadtrat Steffen Kunze muss sich vor dem Amtsgericht Pirna verantworten.

Von Steffi Suhr

Pirna - Der Eklat bei der Demo in Bad Schandau hat seit Dienstag ein Nachspiel bei Gericht. Stadtrat Steffen Kunze (50, parteilos) sitzt auf der Anklagebank, weil er einen Polizisten angefahren haben soll.

Am 8. Januar standen sich auf dem Markt ein Anti-Asyl-Aufmarsch und eine Kundgebung für Weltoffenheit gegenüber.

Kunze hatte dort seinen schwarzen Golf geparkt. „Mir war kalt, ich wollte wieder heim“, behauptet der Politiker, der alle Vorwürfe bestreitet.

Oberkommissar Sven P. (39) dagegen: „Ich sagte, er dürfe einsteigen, aber nicht wegfahren. Die Demos liefen ja noch, überall waren Leute. Ich stellte mich extra vor sein Auto. Er lächelte mich an, startete den Motor, ließ ihn aufheulen. Dann gab es einen Ruck, ich sackte weg, mir schmerzte das Knie.“

Oberkommissar Sven P. (39) kann seit dem Vorfall nur Innendienst schieben.
Oberkommissar Sven P. (39) kann seit dem Vorfall nur Innendienst schieben.

Kunze behauptet: „Ein Polizist schlug gegen die Scheibe, ich hab mich erschrocken. Dabei ging der Motor aus.“ Sofort wurde Kunze aus dem Golf gezerrt, wobei er einen anderen Beamten in die Hand gebissen haben soll.

Beim Prozess legte Stadtrat Kunze ein Video eines Freundes vor, auf dem die Festnahme zu sehen ist. „Und, dass der angeblich verletzte Polizist aktiv dabei ist“, so Kunze.

Kurz: Sven P. könne gar nicht verletzt worden sein. Den Film will die Richterin nun auswerten.

Immerhin: Mit dem Streifen zeigte Kunze seinerzeit die Polizisten wegen Körperverletzung im Amt und Verleumdung an.

Besonders beweiskräftig schien der Film nicht zu sein. Alle Verfahren wurden eingestellt - außer das gegen Steffen Kunze. Urteil folgt.

Das Video der Festnahme

Fotos: Ove Landgraf


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