Täter vor Gericht: Wachleute quälten Flüchtlinge in Unterkunft

Siegen / Burbach - Im Prozess um Schikanen und Misshandlungen in einem Flüchtlingsheim in Burbach im Siegerland haben von diesem Mittwoch (10 Uhr) an die Angeklagten das Wort.

Die Täter in Burbach waren unter anderem Wachleute.
Die Täter in Burbach waren unter anderem Wachleute.  © DPA

Den insgesamt 30 Wachleuten, Betreuern und Mitarbeitern der Heimleitung auf der Anklagebank wird vorgeworfen, monatelang Asylbewerber in der Notaufnahme-Einrichtung immer wieder eingesperrt, geschlagen und gequält zu haben oder dieses Verhalten zumindest gebilligt zu haben.

Vor dem Landgericht Siegen geht es daher seit vergangener Woche um rund 50 Fälle von Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung und Diebstahl.

Die Staatsanwaltschaft hatte zum Prozessauftakt von einem menschenverachtenden System gesprochen, in dem die Flüchtlinge eigenmächtig bestraft worden seien.

Zwei Angeklagte haben nach Angaben eines Gerichtssprechers bereits angekündigt, ein Geständnis ablegen zu wollen.

Bei den beiden handele es sich jedoch nicht um Führungsfiguren. Ob weitere der 30 Angeklagten Aussagen planen, sei noch offen.

Update, 14.08 Uhr: Mitarbeiter belastet Chef

Im Prozess um Misshandlungen und Schikane in einem Flüchtlingsheim in Burbach im Siegerland hat ein erster aussagewilliger Angeklagter seinen Vorgesetzten belastet. Ein angeklagter Sozialbetreuer berichtete am Mittwoch vor dem Landgericht Siegen, dass er Bewohner nur nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten in das Zimmer gebracht habe. Das Verfahren gegen diesen Leiter des Sozialbetreuerteams ist von dem Prozess abgetrennt worden wie auch das Verfahren gegen den Heimleiter.

Er habe nur auf Anweisungen gehandelt und nicht gewusst, dass er etwas Unrechtes tue, sagte der Sozialbetreuer. So sei die Polizei auch gelegentlich in dem Problemzimmer gewesen - allerdings habe dann die Tür offen standen. "Ich bin nur ein kleiner Sozialbetreuer. Was soll ich machen?", sagte der gelernte Koch. An viele Details der rund viereinhalb Jahre zurückliegenden Geschehnisse könne er sich nicht erinnern.

Die Unterkunft in Burbach wurde 2013 und 2014 Schauplatz von Verbrechen.
Die Unterkunft in Burbach wurde 2013 und 2014 Schauplatz von Verbrechen.  © DPA

Titelfoto: DPA

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